Jahn Regensburg zu Gast bei ungeschlagener Heimmacht
VfL Osnabrück „deckt brutal durch“

Das Gegenteil von Canossa: Nach dem Spiel gegen Paderborn hatte Jahn-Coach Heiko Herrlich allen Grund, jeden seiner Spieler zu beglückwünschen. Jeder kennt aber auch die zwei Gesichter der Regensburger, man denke nur an Zwickauauauau. Bild: Herda
Sport
Regensburg
30.09.2016
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Cheftrainer Joe Enochs (45, links) ist Nachfolger von Maik Walpurgis. Der EINmalige US-Nationalspieler verabschiedete sich nach seiner aktiven Laufbahn 2009 als VfL-Rekordspieler und arbeitete seither als Nachwuchstrainer. (Foto: dpa)
Osnabrück: Osnatel-Arena |

Ein gutes Omen? Wie gegen Paderborn sieht die bisherige Ausbeute für Jahn Regensburg bei den Niedersachsen einigermaßen ernüchternd aus: Vier Siege für den VfL Osnabrück, ein Erfolg für die Oberpfälzer. Nicht verwunderlich, dass SSV-Erzieher Heiko Herrlich in der PK immer wieder das Prädikat „brutal“ vergibt: Der VfL decke „brutal“ durch, setze jeden Gegner „brutal“ unter Druck und sei bei Standards „brutal“ gefährlich. Am Samstag, 14 Uhr gilt für den Gast deshalb: brutal anders dagegenhalten als in Zwickau.

Der Tabellendritte (17 Punkte) geht nach drei Siegen in Folge (Wehen, Kiel, Erfurt) dennoch mit einem Dämpfer ins Spiel: Nach dem 0:3 in Chemnitz hofft Osnabrücks Cheftrainer Joe Enoch auf eine ähnliche Reaktion, wie sie Regensburg gegen Paderborn gezeigt hat. „In einer so ausgeglichenen Liga müssen wir auch lernen, mit Niederlagen umzugehen“, sagt der Nachfolger des geschassten Maik Walpurgis. In vier Trainingseinheiten habe man an den Fehlern von Chemnitz in taktischen Übungsformen mit der Viererkette geschliffen.

Enoch warnt vor Thommy und George

„Aus Fehlern und Niederlagen lernen“, appelliert der EINmalige US-National- und ehemalige Rekordspieler des VfL. Mut macht dem 45-Jährigen, dass seine Lilablassblauen erst ein Remis an der Bremer Brücke zuließen – beim 1:1 gegen den MSV Duisburg. Enoch warnt dennoch davor, die Oberpfälzer zu unterschätzen: „Sie haben mit Erik Thommy und Jann George zwei sehr schnelle Außenspieler, dazu mit Marco Grüttner und Kolja Pusch weitere gefährliche Leute in der Offensive.“

Die will der Coach freilich mit den eigenen „schnellen Spielern in der Abwehr“ neutralisieren. Der Plan: Dominantes Auftreten, möglichst langer Ballbesitz, Zerstörung des Spielaufbaus der Regensburger und „Lösungen, wenn der Jahn sein frühes Pressing spielt“.

Herrlich heizt die Konkurrenz an

Das Einzige, was Jahn-Trainer Heiko Herrlich am 3:0 gegen Paderborn auszusetzen habe: „Die Effizienz und ein paar Stellungsfehler.“ Deshalb könne man sich an der Aufstellung von vergangener Woche orientieren. Zwar seien Marvin Knoll und Alex Nandzik nach auskurierten Blessuren wider im Kader – im Gegensatz zu Robin Urban, der mit Außenbandanriss im linken Knie für Wochen ausfallen dürfte. Aber Herrlich versuche eben seit dem Aiglsbach-Desaster konsequent, Spieler anzuschieben, die Druck auf die erste Mannschaft ausüben könnten.

Deshalb sei Marcel Hofrath wieder von Beginn an dabei: „Seine Leistung war gut, sie war jetzt nicht überragend – es waren zwei, drei Stellungsfehler dabei.“ Nichts aber, was eine Strafrückversetzung auf die Bank rechtfertige. Nach dem bösen Erwachen in Zwickau, vor dem Herrlich ebenfalls eindringlich gewarnt habe, ließ er diese Woche eher an der Defensive feilen, „um da in Osnabrück optimal vorbereitet zu sein“.

Und immer gewinnt die Heimmannschaft

Die 160.000-Einwohner-Stadt an der Hase sei für den ehemaligen Borussia-Profi nicht gerade die große Unbekannte: „Ich beobachte den VfL seit Jahren durch die Nähe zu Dortmund.“ Auch in seiner Zeit als DFB-Nachwuchstrainer habe er hin und wieder Spieler dort beobachtet. „Immer hat die Heimmannschaft gewonnen, auch mit Unterhaching habe ich da verloren.“ Die besondere Atmosphäre ähnlich der auf St. Pauli sei eine Herausforderung für jeden Gast. „Wir müssen die Zweikämpfe annehmen, sonst werden wir dort nichts holen.“

Dass die geizigen Gastgeber zu Hause nur gegen Tabellenführer MSV Duisburg zwei Punkte liegen gelassen hätten, käme nicht von ungefähr – und selbst die Zebras benötigten den Dusel, dass ihr Keeper in letzter Minute den Ausgleich erzwang. „Sie sind zu Hause wirklich eine Macht.“ Da helfe nur ein Rezept, von wegen Schneid abkaufen und sich auffressen lassen: „Dagegenhalten und sich nicht einschüchtern lassen!“

Pales eiserner Wille mit dabei

Natürlich fehle Antreiber Markus Palionis in solchen Situationen. Aber immerhin sei der eiserne Wille des verletzten Kapitäns stets mit von der Partie: „Ich habe ihn zuletzt bewusst in die Kabine geschickt, damit er den Jungs nochmal ins Gewissen redet.“ Ansonsten spiele das Thema „Leader“ nur eine Rolle, wenn man verliere.

Wie hatte doch Ex-Trainer Thomas Stratos immer gebettelt, den Jungs die Anreise am Vortag zu spendieren, um sich optimal vorbereiten zu können. Vor zwei Jahren unterlag der Jahn denn auch knapp mit 0:1. Daran soll es am Samstag nicht scheitern. Der Mannschaftsbus wird bereits am Freitag um 18.30 Uhr in Osnabrück erwartet. Zeit, um den einzigen 1:0-Auswärtssieg der Regensburger unter Markus Weinzierl zu wiederholen – Schütze des golden Goals damals: André Laurito.

Das Spiel in der Osnatel-Arena (Scharnhorststraße 50, 49084 Osnabrück) überträgt der NDR live.
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