Jahn Regensburgs erster Matchball bei Greuther-Fürth II
Warnung vor trügerischen Relegationsfantasien

Ob Markus Ziereis (rechts) als Meisterschaftsgarantie für den SSV Jahn taugt, zeigt sich am Montag im Duell mit Torjägerverfolger Stefan Maderer.
Sport
Regensburg
13.05.2016
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Welche Relegation? Leere-Hand-Philosoph Heiko Herrlich versucht alles auszublenden, was nichts mit dem nächsten Spiel zu tun hat.
 
Fußball für Schöngeister: Im Hinspiel zwischen Jahn Regensburg und der SpVgg Greuther-Fürth durfte die Hausdame fünf Treffer beklatschen.
Fürth: Sportpark Ronhof |

Die Tabelle und Tränen lügen nicht, sagt man: Vielleicht war für die U23 von Greuther-Fürth das tränenreiche 0:5 im Hinspiel bei Jahn Regensburg die kalte Dusche zur rechten Zeit. Die Rückrundentabelle führt das Mini-Kleeblatt als Tabellenführer. Wegen zuletzt sechs Siegen und zwei Unentschieden aus den letzten acht Heimspielen betrachtet Jahn-Trainer Heiko Herrlich den vorletzten Gegner am Pfingstmontag, 14 Uhr, als „schwerere Hürde als Burghausen“.

Für den Jahn bedeutete der klare Heimsieg gegen die Franken am 16. Spieltag die Herbstmeisterschaft, Greuther-Fürth II rutschte auf Platz 16 ab. „Es wird schwer, die Liga zu halten, wenn wir weiterhin eine solche Leistung an den Tag legen“, kommentierte Ex-Kleeblatt-Profi Thomas Kleine frustriert die Lage im Oktober. Sie haben die Liga nicht nur gehalten, sondern zehn Plätze gutgemacht – währenddessen Regensburg nach sattem Durchhänger und vielen Spieltagen der offenen Kiste den Trainer wechselte. Mehr Stabilität in der Defensive war für beide ein Erfolgsrezept aus der Krise. Und die zwei besten Torschützen der Liga.

Duell Ziereis vs. Maderer

Das Duell Markus Ziereis (19 Tore, Platz 1) und Stefan Maderer (18 Tore, Platz 2) könnte mitentscheiden, ob der SSV schon den ersten Matchball für Meisterschaft und Relegation verwandelt: Mit einem Sieg ist den Oberpfälzern beides nicht mehr zu nehmen, egal wie Burghausen gegen Illertissen (und dann in Bayreuth) oder Nürnberg gegen Ingolstadt II (und zum dicken Ende in Regensburg) spielen. Bei Misserfolg können die Verfolger dagegen bis auf einen Punkt ranrobben, und die dann möglicherweise volle Conti-Arena wird am nächsten Samstag Schauplatz einer Nervenschlacht.

„Über die Situation sind wir uns natürlich im Klaren“, verrät man Trainer Herrlich nichts Neues. Für seinen Balanceakt passen ihm solche Überlegungen allerdings überhaupt nicht in den Kram. „Was mich am meisten stört, ist, dass man überall hört, ,jetzt könnt ihr den Deckel draufmachen‘ und wie’s dann weitergeht in der Relegation – und genau das ist das Trügerische an der Situation, dass man den Fokus nicht absolut auf Fürth legt.“ Was nach Fürth komme, dürfe jetzt kein Thema sein.

Was eine ganze Stadt interessiert …

Natürlich ist auch dem beharrlichen Helden der Arbeit an der Rückkehr in die Erfolgsspur klar, dass aber genau das „eine ganze Stadt interessiert: Wer ist denn dann der Gegner danach?“ – Stand heute: immer noch der VfL Wolfsburg II. Aber den Spielern müsse er einimpfen, dass ihnen genau das noch an der Rückseite der roten Hose vorbeizugehen hat. „Wir haben zwar zwei Matchbälle, aber wir haben noch nichts in der Hand.“ Da ist sie weiter, die leere-Hand-Metaphorik. Und der Sohn Mannheims beugt auch einer möglichen Panikattacke vor: „Wenn man das in Fürth nicht schaffen sollte, geht die Welt nicht unter – weil das ist ein toller Gegner, die Zahlen sprechen für sich.“

Dann müssten es die meist heimstarken und auswärtsschwachen Regensburger eben im Schlussspurt gegen Meisterschaftsmitbewerber Nürnberg II richten (wo’s im Hinspiel eine verdiente 1:3-Niederlage setzte). „Ganz klar, dann wird die Nervenbelastung größer.“ Aber, wie gesagt, darüber dürfe man sich jetzt noch gar keine Gedanken machen, „was wäre wenn?“. Für alle Jahn-Spieler besteht die Welt bis Montag ausschließlich aus Kleeblättern: „Die Hürde ist riesengroß, die ist größer als Burghausen.“ Da der SSV dort aber nach zehn sieglosen Auswärtsspielen gezeigt habe, dass er auch einer großen Stresssituation gewachsen sei, ist Herrlich überzeugt: „Die Mannschaft hat genug Selbstbewusstsein, gerade auch durch das letzte Spiel.“

Ein Pfund Defensive mit nach Fürth

Eben dieses lockere 4:1 gegen Memmingen habe die Stimmung im Team nochmal merklich verbessert. Die Jungs spürten, dass sie kurz davor stünden, das erste Teilziel unter Dach und Fach zu bringen – vorbei die zermürbende Wartezeit mit bangen Blicken auf die Ergebnisse der anderen. Selbst ist der Jahn, wenn man die Erkenntnisse aus der Videoanalyse nur richtig anwende. Dass der Nachwuchs des Zweitligisten eine spielstarke Truppe sei, stehe außer Frage. „Bemerkenswert ist, sie haben nur 10 Gegentore in der Rückrunde kassiert, davon 3 gegen Nürnberg.“

Das Kleine-Team schlug Bayern und Burghausen, verfügt mit dem genannten Stefan Maderer und dem altbekannten Daniel Steininger über sehr gute Spieler. „Aber über die gesamte Saison sind wir Erster und wollen das bis zum Saisonende bleiben“, macht Herrlich deutlich. In der Spielvorbereitung habe Herrlich gezeigt, wie man Lücken reißen könne, um sich die eine oder andere Torchance zu erspielen. „Wir müssen wieder so spielen, dass wir sie von unserem Tor fernhalten.“ Dass die Defensive bei sieben Gegentreffern sogar noch stabiler sei als die des Gegners, sei „ein Pfund, das wir mit nach Fürth nehmen“.

Jeder Gegner ist etwas Besonderes

Eine Sonderklausur vor dem ersten Matchball halte er allerdings nicht für nötig, da Herrlich versuche, auf „jeden Gegner so vorzubereiten, als wäre er etwas ganz Besonderes“. Auch wenn es jetzt um den finalen, den lucky Punch gehe, möchte er an seiner Strategie nichts verändern, nicht dass die Jungs noch verkrampften. „Die Videoanalyse wie gewohnt, da schauen wir immer, dass wir zwischen 15 und 25 Minuten fertig werden, weil dann lässt die Aufmerksamkeit nach.“ Ja, ja, die jungen Leute und ihre intention span …

Herrlich und sein Trainerteam möchten es nicht übertreiben: „Wir wollen uns ja auch auf unser Spiel konzentrieren und das durchbringen und uns nicht denen anpassen.“ Anpassen muss der Taktikchef allerdings seine Aufstellung nach der Nasenbein-OP von Andi Geipl. Dem gehe es soweit zwar ganz gut, die Fäden seien gezogen. Nun müsse man schauen, inwieweit die Schwellung zurückgehe, und ob man ihn mit Maske spielfähig machen könne. Das gilt aber noch nicht für Montag.

Motorwechsel

„Durch Andi Geipl ist natürlich wieder ein riesen Loch entstanden“, seufzt der Trainer. „Ich glaube jeder hat gesehen, er ist der Motor der Mannschaft, der Bissigste, der Griffigste gerade gegen den Ball. Er hat eine tolle Rückrunde gespielt.“ Jetzt aber müsse, wie Herrlich das von Anfang an immer gesagt habe, die alte Musketier-Losung gelten: „Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir eine Mannschaft sein, muss jeder bereit sein, für den anderen einzuspringen.“ Wäre da Oli Hein eine Option im defensiven Mittelfeld – quasi der Regensburger Lahm? „Das ist sicherlich eine Alternative, die wir in Betracht ziehen werden, aber da habe ich mich noch nicht endgültig entschieden.“

Ansonsten hat sich die Personalsituation kaum verändert: „Kevin Hofmann klagt schon seit ein paar Wochen über Kniebeschwerden.“ Ein Kernspint habe ergeben, „das sieht nicht ganz so gut aus, da ist der Meniskus leicht eingerissen“. Man habe ihn jetzt die Tage rausgenommen: „Da müssen wir mal schauen, wie er die Belastung bis Saisonende toleriert.“ Fabi Trettenbach sei wie André Luge wieder im Mannschaftstraining: „Die stehen uns am Montag sicherlich schon zur Verfügung.“ Die anderen, Marvin Knoll oder Marcel Hofrath, hätten noch keine ausreichende Spielform.
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