Jahn reicht Paradehalbzeit beim 3:1 gegen Buchbach
Erst Feuerwerk, dann Burnout

Jahn-Coach Christian Brand stellte in Hälfte zwei das Coaching ein. Bilder: Herda
Sport
Regensburg
12.09.2015
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Jahn-Coach Christian Brand stellte in Hälfte zwei das Coaching ein. Bilder: Herda
 
Zum Haare raufen: Auch Buchbach hatte Chancen.

Man muss sich halt mal was wünschen: Nach dem müden Pokalkick vom Donnerstag wollten wir gegen den TSV Buchbach einen Spitzenreiter erleben, der seine Sonderrolle in der Regionalliga Bayern spielerisch unterstreicht – nach der ersten Halbzeit blieb den Gästen nichts anderes übrig, als angesichts eines fein herausgespielten 3:0 den Trauermarsch zu blasen. Danach überließ der Jahn dem Gast das Feld.

Die Oberbayern kamen mit einem Sonderzug und einigen hundert Fans angereist – die Buchbacher Blasmusik kann aber nur kurz über die wahren Kräfteverhältnisse in der Continental Arena hinwegtäuschen. Denn, wie Jahn-Coach Christian Brand versichert: „Ich glaube die Erste Halbzeit war mit vom Bestem, was wir bisher gesehen haben von meiner Mannschaft.“

Erfrischter Tabellenführer

4010 Zuschauer sehen einen geistig-moralisch erfrischten Tabellenführer, der, wie der Trainer richtig bilanziert, „sehr variabel, sehr schnell auf den Beinen, sehr schnell im Kopf durch hohes Tempo viele Räume“ erschließt und nutzt. Im 3-4-3 mit – Philipp Pentke, Thomas Kurz, Markus Palionis, Ali Odabas, Marc Lais, Oli Hein, Marvin Knoll, Kolja Pusch, Uwe Hesse, Markus Ziereis und Marcel Hofrath – kombiniert sich Rot-Weiß mühelos durch die überforderten Buchberger Reihen.


Seitenwechsel diagonal auf Hofrath, Flanke von links in den Strafraum, Ziereis haut das Ding aus fünf Metern über den Kasten (10.).
Doppelchance nach Doppelpass von Uwe Hesse und Oli Hein: Wieder Ziereis aus 15 Metern mit Flachschuss links unten, TSV-Keeper Maximilian Weber wehrt nach vorne ab, Pusch fast mit dem Kopf dran (12.).
Pusch macht den Steinkirchner: Freistoß aus 20 Metern links oben ins Torwarteck, keine Chance für Weber, 1:0 (15.).

Buchbach versucht mit Kontern dagegenzuhalten. So gefällig das Regensburger Offensivspiel daherkommt, die Defensive bleibt eine Baustelle – das geht zu leicht, wie sich die Gäste in den Atempausen der Regensburger vors Tor stehlen. „Wir haben sporadische Konter gefahren“, nennt das TSV-Trainer Anton Bobenstetter. Aber das reichte für


einmal auf der Linie geklärt,
einen Schuss an den Innenpfosten: Löffler von der linken Strafraumkante, Pentke hat noch drei Finger dran,
„einmal hat Pentke sensationell gehalten“.

Der Jahn braucht den Pfiff

Dennoch muss der SSV das Ergebnis in dieser Phase hochschrauben. Hofrath marschiert von links in den 16er und zielt aufs lange Eck – Weber rettet zur Ecke! Die kommt kurz auf Oli Hein, Flanke auf den verwaisten Lais, Weber mit klasse Reaktion beim Kopfball aus nächster Nähe (20.). Spätestens aber Markus Ziereis allein halbrechts vorm Kasten hat Zeit, Mittel und Gelegenheit, sein Konto aufzufüllen – zu viel nachgedacht und rechts vorbei (21.).

Besser macht er es als Vorbereiter: Ziereis spielt Knoll in die Gasse, Keeper Weber ist um Zentimeter früher am Ball (26.). So braucht der Gastgeber Schiedsrichter Marco Achmüllers berechtigten Pfiff, um vom Elfmeterpunkt die Vorentscheidung einzutüten. Moritz Löffler reißt Marvin Knoll beim Flugkopfball zu Boden, Thomas Kurz verwandelt in die leere linke untere Ecke, 2:0 (27.).

Ein Blitztor und etwas Gemecker

Der Jahn lässt die Oberbayern wieder ein wenig auf fremdem Terrain experimentieren, dann geht es blitzschnell: Ziereis schickt Hofrath steil, der könnte eigentlich aus 20 Metern schon abziehen, weil der überraschte Keeper zu weit vorm Tor steht – stattdessen umkurvt er Brucia und locht rechts unten ein, 3:0 (35.).

Da jeder Mensch auch mal was zum Meckern braucht, lieber Nobert Hartl: Über die Nachlässigkeiten in der Abwehr müssen wir mal reden: Unbedrängter Fehlpass hinten links, der daraus resultierende Schuss zentral drüber (40.). Torschütze Hofrath kann nicht überall zugleich sein – hinten ist er zu spät dran und sieht Gelb: kein schlechter Freistoß von halbrechts direkt, aber Pentke ist in der linken Ecke und hält sicher (43.).

„Die Jungs sind durch“

Was dann kommt, begründet Jahn-Coach Christian Brand so: „Und ja, in der Zweiten Halbzeit hat man auch gesehen, dass die Belastung in den letzten Wochen einfach sehr, sehr groß war.“ Brand stellt um, bringt Thomas Paulus für Ali Odabas, will „ein, zwei Spieler noch Spielpraxis geben“. Er habe dann auf weiteres Coaching verzichtet, „weil ich gesehen habe, dass die Jungs durch sind. Wir haben seid Juli, glaube ich, 16 Pflichtspiele gemacht.“

Nach kurzer Orientierungsphase übernimmt jetzt plötzlich der TSV Buchbach das Kommando. Völlig zu Recht verteilt TSV-Trainer Bobenstetter ein dickes Kompliment an seine Mannschaft: „Wir haben uns mit allen Mitteln gewehrt und haben versucht immer wieder nach vorne zu spielen.“ Besonders in der Zweiten Halbzeit erspielt sich der Gast gute Chancen – zur Freude des gut gelaunten Anhangs, der die Gegenwehr wie einen Sieg feiert. „Wir hatten nach der Stadionanzeige 9:3 Ecken, in Wirklichkeit waren es sogar 11:3“, fasst der Coach das Engagement der Seinen in Zahlen zusammen. „Wir haben unseren Ort ganz gut vertreten, haben ganz tapfer gespielt.“


Der hyperaktive Markus Grübl flankt wuchtig von rechts, Aleksandro Petrovic köpft gegen Pentkes Laufrichtung, aber der Jahn-Keeper pariert artistisch (54.).
Der Jahn unter Dauerdruck, Paulus foult Bauer, Pentke fängt den Freistoß weg. Hofrath nach Sense von hinten ebenso wie Hein mit der fünften Gelben Karte in Rain gesperrt. Sogar Hesse weiß sich nicht anders zu helfen und foult an der Grundlinie gelbwürdig (60.).

Ecke ins Fangnetz

Einer der wenigen Regensburger Höhepunkte nach dem Seitenwechsel: Marvin Knoll rutscht anders als die Bayern nicht am Elfmeterpunkt, sondern beim Eckball aus und hievt die Kugel ins Fangnetz (65.). Immerhin bemüht sich der SSV wieder um etwas mehr Teilhabe: Flanke von Hesse, Pusch trifft die Kugel von rechts nicht richtig (68.). Schonung für den führenden Goalgetter, Spielpraxis für Daniel Schöpf (72.).

Doch statt neuer Initiativen der frischen Regensburger, Gelb für den Kapitän: Palionis war wohl mit der Hand am Spielgerät. Pentke dreht den Freistoß um den rechten Torpfosten (76.). Und dann wäre doch beinahe das 4:0 fällig gewesen: Pusch mit Verlegenheitsschuss aus 20 Metern, Weber lässt abprallen, der überraschte Schöpf knallt das Ding vom Fünfmetereck in den blauen Himmel (79.). Und auch der Capitano muss sich anstrengen, um nicht aus dem Spiel heraus zu treffen – nach schnell ausgeführtem Freistoß lässt er im Sechzehner einen Buchbacher aussteigen und zittert den Ball unbedrängt am rechten Torpfosten vorbei.

Bewegende Worte in der 3. Halbzeit

Doch das einzige Tor der Zweiten Hälfte bleibt den Gästen vorbehalten – vielleicht eine Konzessionsentscheidung, denn den Elfer nach Palionis Grätsche muss man nicht geben. Sei’s drum, der Ehrentreffer von Thomas Breu ist mehr als verdient – Pentke zwar in der richtigen Ecke, der Schuss aber zu präzise rechts unten in den Winkel, 3:1 (90.).

Die bewegendsten Momente dann in der dritten Halbzeit – was TSV-Trainer Anton Bobenstetter über den Regensburger Fußball zu sagen hatte, dürfte nicht nur Jahn-Trainer Chrsitian Brand wie Öl runter gegangen sein: „Total überlegen“ sei der Spitzenreiter gewesen, „von der Spielgeschwindigkeit“, mit einem Keeper Pentke, der aus der Dritten Liga komme – bestückt wie das ganze Team aus Regensburg: „eine ganz tolle Mannschaft, ganz toller Fußball“. Das Einzige, was „in diesem wunderbaren Stadion“ nicht gestimmt habe, sei die Ecken-Anzeige. Ansonsten sei es „Erstliga-reif, ich glaube, dass sich Darmstadt so ein Stadion wünschen würde.“

Der SSV peilt nun mit 10 reellen Punkten Vorsprung auf Wacker Burghausen und 11 auf Bayern II. (drei Spiele weniger) am Samstag, 16 Uhr, den zehnten Sieg im elften Spiel in Rain am Lech (13./11) an – und drückt dem TSV Buchbach sämtliche Daumen beim Nachholspiel am Mittwoch in zehn Tagen gegen den verzögerten Verfolger aus München.