Jahn schließt nach 2:0 gegen Großaspach zum Kellertrio auf
Hinter neuer Abwehr steht die Null

Jahn-Trainer Alex Schmidt konnte heute eine ruhige Kugel schieben: "Ich hatte ja heute erfahrene Jungs drin." Bilder: Herda/Archiv
Sport
Regensburg
18.10.2014
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Jahn-Trainer Alex Schmidt konnte heute eine ruhige Kugel schieben: "Ich hatte ja heute erfahrene Jungs drin." Bilder: Herda/Archiv
 
Endlich sind wir wieder Papst: Daniel Franziskus segnet die Jahnfans mit seinem ersten Tor.
 
Auch Uwe Hesse (rechts) lieferte ein gutes Spiel ab: In der dritten Minute hätte er den Jahn in Führung schießen können.

Erste Mission erfüllt: Der SSV findet an diesem heiter-trüben Herbstnachmittag einen ersten schwächeren Gegner, den er bald hinter sich lassen sollte – ein Tor mehr als das verdiente 2:0 und das Überholmanöver wäre gleich geglückt. Aber man sollte nicht gleich wieder euphorisch werden – schließlich bleibt der letzte Platz erstmal an Regensburg kleben, auch wenn man nun punktgleich mit den Gästen und der Dortmunder U23 ist.

Die Stimmung im Stadion gleicht vor Spielbeginn einer müden Schlachtformation – man hat sich geprügelt und jetzt nicht mehr die Energie, gleich wieder aufeinander loszugehen. Wie als Zeichen der Entspannung hissen Fans das Banner: „Gemeinsam mit Einsatz zum Sieg! Angriff – jetzt!“ Noch kein Tauwetter, aber ein abwartendes „Schau‘mer mal“, was der Aktionismus auf dem Transfermarkt der Beschwerten und Gebrechlichen gebracht hat.

Auszeit von der Linienraserei

Klar, die Neuen sind von Anfang an mit dabei, dafür hat man sie schließlich auch geholt – Coach Alexander Schmidt, der sich wegen der erfahrenen Jungs im Bollwerk eine Auszeit von der Linienraserei verordnet hat, setzt die zwei Türme Lukas Sinkiewicz und Markus Palionis in die Innenverteidigung, flankiert von Schlachtschiff Azur Velagic auf rechts. Doch wie schnell schaffen es die Nachnominierten, ohne Praxis auf Pflichtspielmodus umzuschalten?

Eines merkt man von Anfang an: Daniel Franziskus will sein Startlos nutzen – der Reserve-Sturmpapst gewinnt durchsetzungsstark das Kopfballduell, legt auf Aias Aosman ab, der auf die Abwehrformation zumarschiert, trickreich am 16er zu Uwe Hesse querlegt – ein Haken des Hessen, gute Schussposition aus etwa elf Metern, dann aber versandet sein Abschluss mit dem schwächeren Linken (3.).

Franziskus erster Saison-Torsegen

Die Rot-Weißen kontrollieren das Spiel gegen sehr vorsichtige Gäste in Schwarz-Rot – hier bahnt sich eine Rasenschachschlacht an. Vielleicht mal mit einem Standard: Stani Herzel mit einem Eckball, der nicht sofort des Torwarts leichte Beute wird, Franziskus schraubt sich hoch und bringt die Kugel aus zehn Metern wuchtig Richtung Gehäuse – mittig, aber zu scharf für Torwart Kunz, der noch mit der Hand dran ist, und auch für Sonnenhofs letzten Mann, der machtlos den Ball ins Netz rauschen sieht – Franziskus erster Saisontreffer ist zugleich das erste Jahntor nach sechs Nullnummern.

Liegt es an der coolen Ausstrahlung der neuen Abwehr oder an der Harmlosigkeit der Gäste? Jedenfalls gelingt dem Tabellenvorletzten – Stand Blitztabelle jetzt – aus dem Musterländle nach vorne noch rein gar nichts – auffälligste Aktion nach einer knappen halben Stunde: Nico Jüllich ist Spätaufsteher und tritt Franziskus auf die Schlappen: Gelb für den Mittelfeld-Akteur, der auch schon für die kleinen Bayern gegen Ball und Schienbein trat (29.).

Fabian macht den Ben Johnson

Es ist kühl auf den Rängen und das Spiel gerade auch nicht die ganz heiße Nummer. Den biederen Schwaben fehlen die Mittel und der Jahn beschränkt sich darauf, gelegentlich reinzuspritzen – Franziskus verpasst mehrmals knapp. Endlich auch mal wieder ein gelungener Ben-Johnson-Gedächtnismarsch von Fabian Trettenbach mit Abschluss auf den rechten Pfosten – Kunz dreht die Kugel zur Ecke (37.)

Aosman und Franziskus harmonieren heute gut: Die beiden verteidigen schon in der Mitte der gegnerischen Hälfte und bringen so die unsicheren Aufbauspieler der ehemaligen Thekenkräfte immer wieder in Verlegenheit – Kai Gehring macht das Bein lang und länger, um der Regensburger 30 den Ball wegzuspitzeln (39.).

Aias‘ famose Vorwärtsverteidigung

Noch besser macht’s der wiedererstarkte Sturmpapst zwei Minuten später – Aosman sprintet famos in die Abwehr, erobert den Ball, legt für den Kollegen durch, der nicht lange fackelt und aus 20 Metern mit links abzieht – Kunz liegt in der Luft und dreht den Ball neben den Pfosten. Kurz vor der Pause die erste Chance für Großaspach: Ein Einwurf wird immer länger - Granatowski jagt den Ball deutlich übers Tor.

Die zweite Halbzeit beginnt, vorsichtig formuliert, verhalten – der Jahn wartet weiter darauf, dass Großaspach seine Weichteile präsentiert – aber die spielen lediglich umständlich rund um den Mittelkreis. Erster Aufreger: Immer wieder Aosman, der die Bälle verteilt, diesmal auf rechts zu Velagic, in der Mitte deutelt Stani Herzel, wo er die Kugel haben will – im Eifer des Gesichts läuft er dabei über die imaginäre rote Linie – der Ball kommt, Herzel trifft, Schiri Thorben Siewer (Drolshagen) winkt ab(seits) (52.).

Gelegentliche Traumsequenzen

Das hat sich die Jahn-Hintermannschaft noch nicht abgewöhnt: gelegentliche Traumsequenzen, nach einem Einwurf ist der eingewechselte Tobias Rühle plötzlich in Strafraum, Dominik Bergdorf aber unten – der blonde Ersatzkeeper rechtfertigt das Vertrauen, trotz Genesung von Loboué weiter zwischen den Pfosten stehen zu dürfen (56.).

Dann schickt Trainer Schmidt Allzweckwaffe Thomas Kurz für Stani Herzel in den Sturm. (59.) – ist wieder einmal ein Tor im Wechselfieber fällig? Schon läuft wieder ein Konter über Rühle, der sich nach ungeahndetem Foul auf den Weg zum Tor macht, drei gegen drei, Rühle verheddert sich – im Nachfassen eine Ecke, die nichts einbringt.

Fast so was wie eine Drangphase

In dieser Phase bekommen die Regensburger den Ball nicht mehr aus der eigenen Hälfte. Erneut Ecke für die Gäste, Rühle kann von der Strafraumkante ungestört abziehen, den abgefälschten Schuss hat Bergdorf sicher (62.). Drei Minuten später kommt Michele Rizzi kurz vorm 16er zum Schuss, Bergdorf rettet unkonventionell mit Scherenschritt (65.). Der Jahn lässt jetzt den bemühten Gästen zu viel Raum – links marschiert Rühle übers halbe Feld, wird aber gerade noch von Velagic abgefangen.

So, Daniel Franziskus, von dem wir seit längerem nichts gesehen haben, drückt nun Andi Güntner die Flossen an der Seitenlinie – eine Sicherheitsmaßnahme oder die neueste Offensivvariante? Gut, dass Oli Hein immer wieder vieles abfängt, was im offensiven Mittelfeld schiefgeht. Nach einem missglückten Hackentrick Aosmans, bleibt der Ansatz eines Konters an Hein hängen.

Tiefschlag gegen Hein

Langsam macht sich die Einwechslung des Kraftfußballers Kurz bemerkbar – der Lange kontert sich über rechts in die gegnerische Hälfte, der Pass kommt auf Aosman, der aus spitzem Winkel an Kunzens Fuß scheitert (75.). Aufregung nach einer Kollision zwischen Oli Hein und Felice Vecchione – weil der sich vom Regensburger Kapitän über die Klinge springen lassen sah, gibt er ihm einen Tiefschlag mit – klare Rote, doch der Schiri belässt’s beim Einwurf. Dann geht’s zur Abwechslung mal schnell bei Großaspach über rechts, Rühle flankt, Rizzis Kopfball aus fünf Metern setzt vor Bergdorf auf und springt dann knapp drüber (80.).

Die Zeit der Entscheidung naht: Wieder ist Kurz unterwegs, bedient Aias im Strafraum, der dreht sich einmal zu viel und vertändelt. Dann zeigt mal Oli Hein, warum er für den Jahn so wichtig ist wie Lahm für die Bayern: Er marschiert mitten durch fünf Mann, ignoriert das Ziehen und Zerren, aber hat dann im Taumeln nicht mehr ganz die Standhaftigkeit, um richtig abzuziehen, Kunz ist noch mit dem Fuß dran.

Kurz macht das Müller

Aber es geht schon wieder weiter. Andi Güntner setzt sich rechts gut durch, spielt für Aosman zur Grundlinie, der dreht sich, legt den Ball aufs Fünfmetereck, wo sich der lange Kurz wankend um die eigene Ache windet und fallend in Müller-Manier zum 2:0 verwandelt – Chapeau, Thomas, das erinnert schon wieder an die glorreichen Zeiten vor deiner schweren Verletzung (85.).

So etwas gehört einfach mit zum Eintrittsgeld: Die finale Spannung vor dem Schlusspfiff, dieses anything goes Gefühl, das uns seit dem 2:3-Waterloo gegen Köln nicht mehr loslässt. Ein kollektives Blackout ermöglicht Großaspach eine dreifache Chance – der ultimative Ball geht zu guter Letzt krachend an den Pfosten (92.). Und gut is‘!

Erster Dreier mit drei Neuen

Es ist vollbracht, der erste Dreier seit – man erinnert sich kaum noch, seit wann … – und der zweite nach dem Auftaktspiel gegen Duisburg zu Hause, ist eingefahren. Was ist er Wert? Zunächst einmal das, was draufsteht: Nominell die Zahl drei und damit Punktegleichstand mit den Gästen und Dortmund. Ein Tor mehr und der Jahn hätte die SV Sonnenhof in den Schatten gestellt.

So hat die Mannschaft am kommenden Samstag, 14 Uhr, Gelegenheit mit den kleinen Mainzern (16./13) Plätze zu tauschen – aber Achtung, die Pfälzer gewannen ihrerseits überraschend mit 2:1 in Wehen-Wiesbaden.

Stumme Gratulation

Dass das Spiel nicht mit einem Paukenschlag alle Kritik der letzten Wochen verstummen lassen würde, konnten sich auch die dünnhäutigen Jahn-Vorstände ausrechnen. Dennoch kann man sich Thomas Kurzens „Gratulation an die Führungsmannschaft“ in diesem Punkt nur anschließen: „Sie haben drei Leute verpflichtet und alle drei haben eingeschlagen.“

Einer davon, Lukas Sinkiewicz, kommentiert seine Jahn-Premiere unaufgeregt: „In der ersten Halbzeit haben wir ordentlich gespielt, in der zweiten nicht mehr so – aber es hat gereicht.“ Und Torschütze Daniel Franziskus erinnert sich an das Plakat, das wir eingangs angesprochen haben: „Wir müssen als Mannschaft zusammenhalten, dann klappt’s wieder.“