Jahn-Trainer warnt seine Top-Spiele-Allesgeber vor Schlusslicht Mainz
Herrlich: „Viel Lob macht müde“

Beim 0:0 gegen Mainz II in der Abstiegssaison 2014/15 verpasste der SSV Jahn die Gelegenheit, den Abstand zum rettenden Ufer zu verkürzen. Der Klassenerhalt rückte mit sieben Zählern Rückstand bei noch vier ausstehenden Spielen in weite Ferne. Bild: Herda
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Regensburg
21.10.2016
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Trainer Sandro Schwarz (links, hier mit Dajan Simac) trainierte schon den SV Wehen in der Zweiten Bundesliga. Bild: dpa
Mainz: Stadion am Bruchweg |

So ein klein wenig brennt den Mainzelmännchen schon die Narrenkappe. U23-Trainer Sandro Schwarz hat nach vielen warmen Worten der gegnerischen Kollegen, wenigen Punkten (6), vielen Gegentoren (24) und der Roten Laterne (20.) „keinen Bock mehr auf die Lobhudelei“. Gegen den SSV Jahn (8./17 Punkte) fordert der FSV-Lehrmeister am Sonntag, 14 Uhr, im Bruchwegstadion, auch mal das umzusetzen, was man in der Trainingswoche bis zum Erbrechen geübt habe.

Der Nachwuchs der Euro-Fighter aus Rheinlandpfalz glänze mit „unfassbar guten“ Fitness- und Sprintwerten, beweise perspektivisch bundesligataugliche technische und taktische Qualitäten – aber derzeit fehle die Entschlossenheit, der letzte Biss, Siege einzufahren. „Wir müssen unsere Grenzen weiter nach oben schrauben, auch im fußballerischen Bereich“, fordert Schwarz. „Wir müssen an Qualität im Wettkampf zulegen und an Widerstandsgeist. Und da steht jeder Einzelne voll in der Verantwortung.“

Sandro Schwarz: „In den Tunnel einsteigen“

Mit dem SSV Jahn erwarte der gebürtige Mainzer „eine gute Drittligamannschaft, die offensiv alle Lösungsansätze parat hat, vom Umschalten bis zum Ballbesitz und die zurecht mit 17 Punkten die entsprechenden Ergebnisse eingefahren hat“. Der 38-Jährige erwarte zwar nicht, den Gegner an die Wand zu spielen.

„Aber ich erwarte, dass alle rausgehen, in den Tunnel einsteigen, rennen, Zweikämpfe führen, Bälle erobern und bis zur letzten Sekunde alles investieren, um das Ergebnis zu ziehen.“

Herrlich stochert in der Zwickau-Wunde

„Ich hoffe, dass wir weniger von diesen Top-Spiele-Allesgebern auf dem Platz stehen haben“, schickt sich Jahn-Trainer Heiko Herrlich an, wieder einen neuen Begriff zu schöpfen. Es komme darauf an, beim Tabellenletzten, der U23 des FSV Mainz, vor weniger Zuschauern eine ähnliche Leistung abzurufen wie im Topspiel gegen den Tabellenführer MSV Duisburg. „Dann haben wir theoretisch gute Chancen, dort drei Punkte mitzunehmen.“

Man hatte nach dem Pokal-Aus im Elfmeterschießen gegen Hertha BSC schon mal eine ähnliche Situation: „Viel Lob macht müde.“ Es folgte das 0:4 beim aktuell Vorletzten Zwickau. „Mal schauen, ob wir da eine Entwicklung gemacht haben.“ Ob man nach einer unglücklichen Niederlage wie gegen Duisburg bereit sei, wieder alles rauszuhauen, „weil das wird nötig sein.“ U23-Teams seien immer sehr spielstark: „Wenn man die lässt, können die richtig aufdrehen.“

„Wir können die Wurst noch riechen“

Beispiel Aaron Seydel: Der Mittelstürmer mit dem Gardemaß von 1,99 Metern habe schon vier Tore erzielt, sei brandgefährlich, und vorm Kasten kaum zu verteidigen – da dürfe man keine Flanke zulassen: „Das ist eine schöne Aufgabe.“ Klingelt’s? Gerade auf der linker Außenbastion war der SSV zuletzt anfällig, Flanken hagelte es wie im peinlichen US-Katastrophenfilm „Frozen Impact – Hagelsturm, die Wetterkatastrophe“ mit Stacy Keach.

Man merkt’s: Herrlich meint es nicht wirklich böse, ein Wachrüttler zur rechten Zeit eben, denn im Grunde sei er „optimistisch, dass wir nicht viele von den Top-Spiele-Allesgebern auf dem Platz haben“. Und schon beleuchtet der La Fontaine des Fußballs (nicht zu verwechseln mit Oskar) die Tabellensituation des Achten mit einer weiteren Fabel: „Letzte Woche hatten wir die Wurst schon fast im Mund, jetzt können wir sie noch riechen – wenn das schief geht in Mainz, dann sehen wir sie vielleicht noch.“

Damit seinen Jungs der Geruchssinn nach Höherem nicht abhandenkommt, habe er sie in vielen kleinen Spielformen, 3 gegen 3, 4 gegen 4 an das Leistungsmaximum herangeführt. „Um zu sehen, wer will sich unbedingt durchsetzen, wer will unbedingt gewinnen.“ Bisher hat sich beim Gras-Casting freilich noch keine neue Mannschaft herauskristallisiert: „Eine Änderung vielleicht im Vergleich zu Duisburg.“

Flanken verhindern und Köpfe rollen

Was auch bedeute, dass trotz Genesung von Thomas Paulus und Sebastian Nachreiner, von denen er nur einen mitnehmen könne, das bewährte Aushilfsduo Kopp/Knoll in der Innenverteidigung beginnen werde. Bei der offenen Stelle könnte es sich um die Position in der linken Außenverteidigung handeln: „Wir waren da offensiv sehr gefährlich, hatten aber nach hinten den ein oder anderen Stellungsfehler oder auch ein Geschwindigkeitsproblem.“

Da man unbedingt jegliche Flanke verhindern wolle, werde sich der Coach sehr genau anschauen, ob Alex Nandzik oder Marcel Hofrath tagesaktuell die bissigere Form habe. Zur gewohnten Bissigkeit im eigenen Fünfer dürfe auch Keeper Philipp Pentke zurückkehren – noch so einen Klops durch die Torwarthandschuhe wie beim 1:2 gegen Duisburg wird sich der Freiberger (Sachsen) sicher nicht mehr gefallen lassen. „Normalerweise muss man sich eher um den Verteidiger Sorgen machen, dass nicht sein Kopf durch den Strafraum rollt.“
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