Jahn-Wundertüte vor dem Abstiegsduell gegen Dortmund
Rohrkrepierer oder Wunderkerze

Gegen die Stuttgarter Kickers war wie im Ligabetrieb für Trainer Christian Brand (Mitte) auch im Testspiel nichts zu holen. Die Schwaben gewannen mit 4:2. Bilder: Herda/Jahn
Sport
Regensburg
29.01.2015
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Gegen die Stuttgarter Kickers war wie im Ligabetrieb für Trainer Christian Brand (Mitte) auch im Testspiel nichts zu holen. Die Schwaben gewannen mit 4:2. Bilder: Herda/Jahn
 
Da schien die Wende in Unterhaching bereits möglich: Gino Windmüller außer Rand und Band nach seinem Kopfball-Treffer.

Die gute Nachricht vorweg: Bei Katar hat der Einkaufsbummel für die Winter-Handball-WM schon mal ganz gut geklappt – und der SSV Jahn hat vor dem Spiel gegen Dortmund II am Samstag, 14 Uhr, mit sieben Neuverpflichtungen gleich mal eine ganze Handballmannschaft engagiert. Und anders als die Wüstenscheichs mussten die Regensburger den Neuzugängen noch nicht einmal eine neue Staatsbürgerschaft verleihen.

Dass Christian Brand fest daran glaubt, dass seine neue Mischung das Wunder der Aufholjagd – anders als die deutschen Handballherren gegen jene Katarer – noch schaffen kann, versteht sich von selbst. Was soll der ehemalige Luzerner Jugendtrainer nach fünf Niederlagen am Stück seit seiner Verpflichtung auch anders sagen? Insofern wollen wir gerne glauben, dass er jeden Hinweis auf das Herkules‘sche seiner Aufgabe nicht mehr hören kann: „Das interessiert mich gar nicht mehr“, ab dem 31. Januar, dem Spieltermin gegen Dortmund, sei ihm jegliche Faustregel egal. „Sie bietet mir nämlich keine Lösung.“

Fünf Testspiele weiter

Er habe sich von den vergangenen bitteren Niederlagen bereits gelöst und sei „da schon viel weiter“. Auch wenn der 42-Jährige noch nicht in Katar angekommen zu sein scheint, ist er auf alle Fälle schon mindestens fünf Testspiele weiter – nach Niederlagen gegen die kleinen Bayern (0:2), die Zweitligisten Greuther-Fürth (1:2) und Sandhausen (2:4) und Liga-Kollegen Stuttgarter Kickers (2:4) gelang gegen Regionalligist 1860 II immerhin der erste Sieg unter Ägide des Niedersachsen. „Ich bin natürlich zufrieden, weil wir das erste Mal zu Null spielen konnten“, sagt Brand nach der Partie. „Ein Sieg ist in dieser Phase der Vorbereitung wichtig für das Selbstvertrauen der Mannschaft.“ Andererseits ist auch klar, dass sich die Aussagekraft dieser Tests in engen Grenzen hält: „Es war klar, dass wir während der Vorbereitungsphase Spieler holen.“

Die glorreichen Sieben

Jedes Spiel mit einer anderen Mannschaft – kann da am Samstag schon ein Team aus einem Guss auflaufen? „Die Mannschaft entwickelt sich in die richtige Richtung. Wir sind viel torgefährlicher und auch im Umkehrspiel deutlich besser geworden.“ Sicher nicht mehr helfen können dem Team bei der Mission Wunder von Prüfening die bereits geschassten oder entbundenen Stéphan Loboue, Zlatko Muhovic, Azur Velagic und Markus Smarzoch. Nicht viel besser ist es um die rotweiße Perspektive von Benedikt Schmid und Jonas Erwig-Drüppel bestellt. Dafür sollen diese glorreichen Sieben den Bock umstoßen:

Torwarttalent Richard Strebinger (21), auf Leihbasis bis zum Saisonende von Bundesligist Werder Bremen: „Richard hat alle Fähigkeiten, die einen modernen Torwart auszeichnen sollten“, lobt Christian Keller, Geschäftsführer Profifußball. Der Österreicher war in der laufenden Saison die Nummer Zwei bei Werder. Strebinger kommt auf 22 Einsätze für Österreichs Junioren-Nationalmannschaften (U17-U21). Die neue Nummer 18 entstammt der Nachwuchsakademie von Hertha BSC.

• Der zweitligaerfahrene Innenverteidiger Adli Lachheb (27/1,94 Meter) unterschrieb einen Vertrag bis zum 30.6.2015 mit Option auf Vertragsverlängerung im Falle des Klassenerhalts. Der Tunesier bringt die Erfahrung von 72 Einsätzen in der 2. Bundesliga mit, in der er für den MSV Duisburg und Erzgebirge Aue kickte. In der 3. Liga verteidigte er für den Halleschen FC. Letzte Station: KSV Hessen Kassel. „Adli Lachheb ist mit seiner Zweikampfhärte, seiner Athletik und seinem unbändigen Willen aus unserer Sicht genau der richtige Mann“, denkt Keller über die neue Nummer 5.

• Der zentrale Mittelfeldspieler Kolja Pusch (21), zuletzt Chemnitzer, bekommt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016. „Kolja Pusch ist ein sehr talentierter offensiver Mittelfeldspieler, den wir als Verpflichtung für die Zukunft sehen“, erklärt Christian Keller. Der 21-jährige Mittelfeldspieler durchlief die Jugend von Bayer 04 Leverkusen, in der Saison 2009/10 wurde er mit 20 Treffern Torschützenkönig in der B-Junioren Bundesliga West. Als Jugendnationalspieler brachte es der Wuppertaler mit der Nummer 20 auf 19 Einsätze und 6 Tore für die U16 und U17.

Mittelfeldspieler Marvin Knoll (24) kommt ablösefrei vom SV Sandhausen bis zum Ende der Saison – mit Option auf Verlängerung im Falle des Klassenerhalts. „Marvin ist der gewünschte Box-to-Box-Spieler, den wir für die 8er-Position gesucht haben. Mit seiner Athletik und seinem Drang nach vorne soll er unser Offensivpotential aus dem Mittelfeld heraus erhöhen“, charakterisiert Keller die neue Nummer 9. Knoll ist ebenfalls ein Zögling der Hertha-Schule und lief 26 Mal für deutsche Nachwuchsteams (U16, U17 und U20) auf. Für die Profis kickte er acht Mal in der 2. Bundesliga und erzielte einen Treffer – ausgerechnet in Regensburg gegen den SSV Jahn. Bei Dynamo Dresden und dem SV Sandhausen sammelte Knoll in 21 weiteren Spielen Zweitligaerfahrung. Zuletzt stand er für Sandhausen vergangene Woche im Testspiel gegen den Jahn 83 Minuten auf dem Platz und erzielte einen sehenswerten Freistoßtreffer.

Marcel Hofrath, 21, kommt vom Chemnitzer FC an die Prüfeninger Straße. „Marcel kann sowohl auf Linksaußen als auch als Linksverteidiger spielen“, weiß der Sportchef. „Mit seiner Verpflichtung gewinnen wir somit zwei wertvolle Positionsoptionen für den Kampf um den Klassenerhalt hinzu.“ Der Rheinländer wurde in der Jugendabteilung von Fortuna Düsseldorf groß. Der Vertrag der neuen Nummer 27 gilt zunächst bis zum 30.6.2015.

Aykut Öztürk (27), bevorzugt Linksaußen, ist in der Offensive flexibel einsetzbar. Der in Ehringshausen (Hessen) geborene Türke erhält einen Vertrag bis zum Saisonende – mit Option zur Verlängerung. Der zuletzt vereinslose Rechtsfuß spielte zuvor bei Medicana Sivaspor in der türkischen Süper Lig (1. Liga). „Aykut hat im Probetraining zwei Wochen lang einen guten Eindruck hinterlassen. Seine Erfahrung wird unserer Offensive weiterhelfen“, ist sich Keller sicher. Öztürk lief bereits für Wehen Wiesbaden, Carl Zeiss Jena, Sandhausen und Rot-Weiß Erfurt auf.

Mittelstürmer Marco Königs kommt vom SV Wehen Wiesbaden nach Regensburg. Der Kontrakt des 24-Jährigen gilt für die Rückrunde mit Option auf eine ligaunabhängige einjährige Verlängerung. „Marco weiß, wo das Tor steht“, findet Christian Keller, „und wird das beim Jahn in Zukunft hoffentlich möglichst oft unter Beweis stellen.“ Vor seiner Zeit beim Ligakonkurrenten in Wiesbaden war der Mittelstürmer mit der Rückennummer 33 (1,90 Meter) bei Fortuna Düsseldorf und Preußen Münster unter Vertrag.

Beim Training am Mittwoch zeigen sich die Altgedienten, Neuen und ganz Neuen hungrig auf das erste Punktspiel nach der Winterpause. Als Christian Brand schon die Bälle einsammeln lassen will, scharren die Jungs noch mit den Füßen. „Wollt ihr noch kicken oder was?,“ wundert sich der Coach und gibt den Ball frei für ein spontanes Abschlussspiel. Arbeitstitel: Freiwilliges Nachkicken zur Vergangenheitsbewältigung eines blamablen 1:5-Hinrunden-Blackouts in Dortmund.
Allerdings werden beim Wiedergutmachungsversuch Oliver Hein, Lukas Sinkiewicz, Gino Windmüller und Aias Aosman fehlen. „Natürlich fehlt uns einer wie der Lukas mit seiner Erfahrung“, sagt Brand. „Aber wir haben nun einige neue Spieler, die viel Erfahrung haben, und das kompensieren können.“

Borussias Achterbahnfahrt

Für die Mini-Borussen glich der bisherige Saisonverlauf einer Achterbahnfahrt. Nach starker Startphase folgte eine Durststrecke mit zwölf sieglosen Spielen – zuletzt aber verlor die U23 keine ihrer letzten fünf Partien und überwinterte auf einem Nichtabstiegsplatz. Trainer David Wagner ist deshalb zuversichtlich vor der Reise an die Donau.

Nach dem Nachholspiel gegen Wehen Wiesbaden könnte die Truppe von BVB-Trainer David Wagner im Abstiegskampf gegen Regensburg, Großaspach und Mainz Zeichen setzen: „Wenn es uns gelänge, aus diesen drei direkten Vergleichen neun Punkte zu holen, wäre das sicher eine gewisse Vorentscheidung“, sagt Wagner. „Natürlich darf man davon nicht ausgehen, aber zumindest sollten wir in jedem einzelnen dieser Spiele punkten. Zunächst konzentrieren wir uns allerdings allein auf Regensburg. Was danach kommt, wird man sehen.“