Jahn-Youngster trifft in der 89. Minute zum 2:0 gegen Saarbrücken
Sturmpapst Franziskus entscheidet Krimi

Der neue Sturmpapst Franziskus und der zum Stürmer umgepolte Markus Smarzoch machten es möglich: das zweite Humpta-Trätarä in Folge. Bilder: Herda
Sport
Regensburg
07.09.2013
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Der neue Sturmpapst Franziskus und der zum Stürmer umgepolte Markus Smarzoch machten es möglich: das zweite Humpta-Trätarä in Folge. Bilder: Herda
 
Zu Beginn versuchte es der FC Saarbrücken über den linken Flügel und kam über Korte auch einige Mal zum Abschluss.
 
Abdenour Amachaibous Freistoß landet in der Mauer.

Besser hätte auch Stephen King die Dramaturgie nicht hinbekommen: In einer Nervenschlacht zweier angeschlagener Teams setzt sich Jahn Regensburg unterm Strich verdient mit 2:0 durch – weil Youngster Daniel Franziskus aus der zweiten Mannschaft, gerade mal vier Minuten am Platz, den Gästen aus Saarbrücken den „lucky punch“ versetzt.

Beide Teams können derzeit nicht gerade aus dem Vollen schöpfen. Interimstrainer Bernd Eichmann muss auf etliche Stammspieler verzichten. Immerhin, Jahn-Stratege Thomas Stratos kann heute wieder auf Oli Hein bauen, der mit vollem Einsatz für Stabilität in der Defensive sorgt – meistens jedenfalls. Wem wundert’s, die ersten zehn Minuten herrscht Fräulein Nervosität auf beiden Seiten. Fehlpässe allerorten, jeder darf einmal. Nach zehn Minuten dann die erste nennenswerte Torraumsituation, Raffael Korte lässt links Gino Windmüller stehen, sein Abschluss aus 20 Metern aufs kurze Eck ist kein Problem für Patrick Wiegers (10.).

Auffällig als Abräumer: Mario Neunaber ist stets präsent, holt sich die Bälle. Gelegenheiten ergeben sich für die Regensburger, wenn sich Aias Aosman reinwirft – durch engagierten Körpereinsatz erzwingt er einen Freistoß etwa 25 Meter halbrechts – aber Abdenour Amachaibou schießt in die Mauer (13.). Ständiger Aktivposten ist auch heute wieder Jimmy Müller, der keinen Ball verloren gibt und so immerhin eine Ecke auf der linken Seite erkämpft – kurz und schmerzlos ausgeführt, Aias Aosman fällt im Strafraum, kein Foul, das Spiel läuft weiter. Auch der folgende Einwurf kommt noch mal gefährlich vors Tor, aber dann kann Saarbrückens Abwehr klären (14.).

Engagierte Vorwärtsverteidigung

Gute Freistoßflanke von Amachaibou von der linken Außenlinie, der lange Ball kommt auf den langen Windmüller (1,93 Meter), der Kopfball rauscht aber einen Meter rechts vorbei (18.). Unermüdlich ackert Aosman und holt sich nach einem schlechten Zuspiel in Halshöhe den Ball zurück (23.). Vorne müht sich Abdenour redlich, fordert die Kollegen auf, die Räume eng zu machen, die Anspielstationen zuzudecken, aber im entscheidenden Moment kommt er nicht richtig zum Zug. Jetzt vielleicht mal, Abdi zaubert sich durch den Strafraum, linker Fuß, rechter Fuß, aber er kommt nicht zum Abschluss – dafür ist Jimmy hellwach, schiebt sich rechts in den Strafraum und knallt aus spitzem Winkel drüber (25.).

In dieser Phase zeigt der Jahn eine engagierte Vorwärtsverteidigung schon in der gegnerischen Hälfte, kontrolliert das Spiel, wartet klug auf Lücken, die sich auch immer wieder ergeben. Einmal mehr resultiert daraus ein Ballgewinn, doch erneut bleibt Amachaibou hängen (27.). Seit 15 Minuten spielt jetzt nur noch der SSV: herrlicher Pass von Oli Hein in die Gasse, Aias Aosman kommt um eine Fußspitze zu spät (28.). Einziges Lebenszeichen der Gäste: Philipp Hoffmann läuft engagiert über die linke Seite, keiner greift die 15 an, aber der schlägt die Kugel unbedrängt ins rechte Seitenaus (29.). Ganz anders der SSV: Im direkten Gegenzug lässt Aias Aosman seine Genialität aufblitzen, zwei Gegner stehen, spielt Abdi frei, der allein vorm Tor drüber knallt (30.) – fast ein Kunststück von der heute etwas glücklosen 7.

Jahn wird übermütig

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis das überfällige Tor fällt – da wird der Jahn übermütig. Nach unnötigem Ballverlust von Patrick Haag beobachtet die Regensburger Defensive interessiert ein paar Winkelzüge, keiner fühlt sich zuständig, bis Thomas Rathgeber im Strafraum volley draufhalten kann –zu unplatziert, die erste Halbchance der Gäste klar drüber (33.). Nach zu kurzem Abstoß von Wiegers der nächste Gefahrenmoment: Den Schuss aus zweiter Reihe hat der Keeper aber sicher, Fehler wieder gutgemacht (35).

Die Blau-Schwarzen scheinen Gefallen gefunden zu haben am Spiel in der Regensburger Hälfte. Als die Situation bereits geklärt scheint, bringt Gino Windmüller die Gäste mit einem Querschläger im Strafraum erst richtig auf den Geschmack: Zweimal scheitert Rathgeber aus kurzer Distanz am glänzend reagierenden Wiegers, und auch Kortes Fallrückzieher aus acht Metern kratzt er noch von der Linie. Wahnsinnstat des Keepers, aber auch bitternötig, dass wenigstens einer die Übersicht behält, weil jetzt plötzlich wieder die Nerven blank liegen bei den Rot-Weißen. Sogar Aosman verliert den Ball nach einem Dribbling in der eigenen Hälfte(40.). Immerhin, die letzten fünf Minuten bekommen die Gastgeber durch das Bemühen, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, wieder etwas mehr Sicherheit in ihre Aktionen – kurz vorm Pfiff dann sogar fast noch eine Chance, als mehr durch Zufall plötzlich Amachaibou frei vor Timo Ochs auftaucht – aber Abseits (44.).

Noch immer Nervenflattern

Nach Wiederanpfiff erst mal erneut Nervenflattern in der Hintermannschaft. Windmüller lässt den ballführenden Spieler gewähren, der Schuss aus zweiter Reihe scheint eine sichere Beute von Wiegers, doch dann rutscht er ihm durchs grüne Hemd – auweia, Pfosten und erst im Nachfassen hat er das glitschige Ding im Griff (46.). Nicht schon wieder das: Auf der linken Abwehrseite wälzt sich Patrick Haag, Coach Thomas Stratos winkt sofort einen der Jungs von der Aufwärmliga heran. Während Haag noch behandelt wird, läuft das Spiel weiter, der ansonsten fehlerfreie Schiri Robert Kempter lässt ein Saarbrückener Foul am 16er durchgehen, gerade noch zur Ecke geklärt, die Wiegers raus boxt (51.). Jetzt darf Azur Velagic für den verletzten Haag aufs Feld.

Immer wieder Aias: Aosman mit starker Ballbehauptung treibt die Jungs nach vorne, muss dann aber abbremsen und auf Hein zurückspielen (52.). Das scheint jetzt das überfällige Signal für die zweite Hälfte zu sein. Jimmy Müller erkämpft sich den Ball halbrechts, sein Schüsschen aber kein Thema für Ochs (54). Doch darauf lässt es die 13 nicht beruhen – nochmal müllert es rechts im Strafraum, aus spitzem Winkel kann der Ex-Regensburger zur Ecke abwehren. Der Eckball kommt als Bogenlampe an die Strafraumgrenze, von wo Mario Neunaber die Kugel an die Latte köpft (57.) – jetzt sind auch die Zuschauer wieder wach!

Tempogegenstoß mit Smarzochs Fußspitze

Wieder eine schöne Aktion des unermüdlichen Müller, sein langer Ball kommt exakt auf Abdi, dessen Pass in die Mitte aber genau auf Ochs (58.). Nur noch wenig Gegenwehr der Gäste in dieser Phase. Ein Freistoß aus 30 Metern landet beim souveränen Wiegers. Und dann geht es auf einmal ganz schnell: Im Gegenzug nimmt Jimmy Müller Tempo auf, bedient Amachaibou, der erneut Müller links an die Linie schickt, der flache scharfe Pass in die Mitte kommt genau auf Markus Smarzoch, der wie am Freitag Miro Klose im Rutschen aufs Tor spitzelt – Ochs pariert noch, Smarzoch rappelt sich am schnellsten auf und stochert die Kugel im zweiten Versuch zum 1:0 ins Netz (59).

Marathonläufer Jimmy Müller hat jetzt seine Schuldigkeit getan – mit verdientem Applaus verabschiedet er sich und klatscht mit Namensvetter Marius Müller ab (60.). Bei den Blauen darf nun Arthurs Schneider für Göcer sein Glück versuchen (63.). Doch die Gäste machen sich das Leben selbst schwer. Nach einem superdämlichen Handspiel an der Strafraumgrenze darf Amachaibou aus aussichtsreicher Position sein Glück versuchen – oje, weit drüber (65.). Das ist heute nicht Abdis Tag, aber die Pfiffe für den bemühten Angreifer sind völlig überflüssig. Bei Saarbrücken setzt Interimscoach Bernd Eichmann nun auf Philipp Kreuels, der Rathgeber ersetzt (69.).

Zuschauer verunsichern Abdi

Nach langer Durststrecke auf Seiten der Saarländer, darf sich die kleine Schar Blauer in der Gästekurve mal wieder über eine Ecke freuen – die allerdings erneut nichts einbringt (72.). Inzwischen hat sich das Publikum auf Amachaibou eingeschossen, der sich redlich bemüht, aber etwas unglücklich agiert – als er einen Freistoß aus 25 Metern nach hinten spielt (77.), offenbar um Zeit zu gewinnen, geht ein Raunen durch die Tribüne – vereinzelt sind sogar „raus“-Rufe zu vernehmen. Man sieht es dem armen Kerl an der Körpersprache an, dass ihn das nicht kalt lässt: Nicht den Kopf hängen lassen, Abdi – auch eine Möglichkeit, die eigenen Spieler zu verunsichern, bei bekannt dünner Personaldecke!

Die Aufregung ist im übrigen überflüssig, der FCS kommt eher zufällig zu Halbchancen, etwa bei einem langen Ball, als Velagic vorbeirutscht, der Gegenspieler die Kugel aber noch von der Seitenlinie kratzt – die Flanke pflückt Wiegers aber sicher herunter (80.). Ein unnötiger Freistoß aus etwa 18 Metern sorgt noch einmal für Spannung: Schlecht geschossen, aber immerhin Ecke, die nicht ungefährlich auf Wiegers kommt. Abgepfiffen, der Keeper wurde im Fünfer bedrängt (82.). Nochmal zieht Eichmann einen Trumpf, bringt Jannik Schliesing für Philipp Hoffmann (82.). Nach Freistoß im Mittelfeld marschiert Tim Stegner unbedrängt links durch, bleibt aber hängen.

Franziskus kommt, dreht sich und trifft

Der daraus resultierende Konter hat’s in sich. Erst einmal treibt erneut Aosman Ball und Gegner vor sich her, dann erzwingt Smarzoch eine Ecke. Die Situation scheint bereits geklärt, als der Ball Andreas Güntner vor die Füße fällt. Etwas unschlüssig versucht der es aus 35 Metern, die Kugel bleibt aber in den Füßen des eben für Amachaibou eingewechselten Daniel Franziskus hängen – der Junge schaut, dreht sich um und hält aus 16 Metern drauf: Ein Abwehrbein rutscht noch dazwischen, fälscht das Ding unwesentlich ab, die Kugel landet unhaltbar im linken unteren Winkel.

Unglaublich, erster Sturmeinsatz des Youngsters, vorentscheidender Treffer in einer richtungsweisenden Partie, 2:0 (89.) – da müssen die Emotionen aus ihm heraus, er macht das mit einem Salto vorwärts. Wenn das mal kein gutes Omen ist!

Harry hatte es ihm Gefühl

„Ich hab’s lange nicht mehr gemacht“, grinst der Torschütze nach Abpfiff, „aber ich hatte so viele Emotionen in mir, da musste es einfach raus.“ Dabei hatte Trainer Thomas Stratos den jungen Mann nicht auf der Wechselagenda, wie er freimütig gesteht: „Ich hatte gar nicht vorgehabt, Daniel einzuwechseln, aber Harry Gfreiter hatte es ihm Gefühl und nicht locker gelassen.“

Da kann auch Jungroutinier Oli Hein nicht anders, als gerührt zu Protokoll geben: „Wir haben einfach coole Jungs, das ist super wie die Gas geben – genauso wie der Markus Smarzoch. Die kommen rein, machen ihr Spiel und dann auch noch so ein Ding rein!“ Nach drei Siegen in vier Spielen sieht die Welt für den Tabellenneunten (11 Punkte) jetzt schon wieder etwas heiler aus – eine Woche Regenerationszeit haben sich die Jungs nun redlich verdient nach der Englischen Woche, dann geht es am Samstag, 14 Uhr, zu den Stuttgarter Kickers.