Knifflige Ausgangslage für Jahn Regensburg im Relegationsrückspiel
Wolfsburg legt ein Atlético-1:0 vor

Valérien Ismaël tobt, die Regensburger wundern sich. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
25.05.2016
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Gut akklimatisiert gehen die Regensburger nach zwei Tagen in Wolfsburg ins Spiel: unterstützt von etwa 700 Fans. (Foto: Sascha Janne)
 
Kolja Pusch mit breiter Brust. (Foto: Sascha Janne)
 
Marc Lais mit dem langen Bein. (Foto: Sascha Janne)
Wolfsburg: AOK Stadion |

Rekordkulisse im AOK-Stadion: 4653 Zuschauer Zuschauer, darunter an die 700 Regensburger sehen ein knappes 1:0 (13.) für die Jungwölfe. Der VfL II kontrolliert das Spiel über lange Strecken, hat selbst nicht die ganz großen Chancen, lässt aber auch wenig zu. Fast hätte noch Relegationsheld Oli Hein zugeschlagen, doch sein Knaller aus der zweiten Reihe bumst an den Pfosten (85.).

Norbert Hartl hatte Recht – irgendwie, mit seinem unguten Gefühl. Aber auch wieder nicht, denn: „Der Jahn hat super gespielt“, lobt Hartl die Mannschaft, die bis zur letzten Minute gekämpft habe. „Meiner Meinung nach eines der besten Spiele.“ Die Experten aus dem Rothammer-Konvoi kritisierten wie Walter Schwabenbauer lediglich die überraschende Dreierkette, mit der Trainer Heiko Herrlich wohl die Wolfsburger überraschen wollte – ein Schachzug, der nach hinten losging, denn beim frühen 0:1 ist Oli Hein nicht zur Stelle. „Den hat er danach zurückgeholt, dann hatte der Jahn das Spiel im Griff.“

Dennoch, unverdient sei der Heimsieg nicht: „Das ist eine brandgefährliche Mannschaft mit pfeilschnellen Spielern“, lobt der SPD-Bezirksrat, dem besonders die geschätzt 700 Zuschauer aus der Oberpfalz imponierten: „Die Fans kämpften bis zur letzten Minute wie die Mannschaft, komplett hinterm Tor war alles in Rot.“ Trotz des unbequemen Atlético-Ergebnisses – macht die starke Wölfe-Offensive am Sonntag, 13.30 Uhr, nur ein Tor, muss der Ziereis-Block schon drei einschenken – ist die Stimmung nach Abpfiff eher zuversichtlich: „Das schaffen wir“, rufen dem Politiker immer wieder die weitgereisten Fans zu.

Einlauf mit Wolfsgeheul


Die wollen den Regensburgern Angst machen: Die martialische Einlaufmusik ist mit Wolfsgeheul unterlegt. In Rot-Weiß marschiert alles auf, was man sich für die Relegation nur wünschen kann: Philipp Pentke, Markus Palionis, Ali Odabas, Alexander Nandzik, Oli Hein, Marc Lais, Andi Geipl, Kolja Pusch, Jann George, Markus Ziereis. Kein guter Start: Querpass von Nandzik am Strafraum: Ja, geht‘s noch? Aber Relegationschef Hein geht dazwischen (8.). Schon jetzt ein Hobby der Wolfsburger: Reklamieren auf Elfer, Valérien Ismaël tobt beim vierten Offiziellen.

Das viel zu frühe 1:0 für Wolfsburg: Jannis Peschke zieht in die Mitte, Nandzik kann nicht folgen, der Ball schlägt links unten ein, 1:0 (13.). Seid ihr noch zu retten? Schon wieder kommt VW-Junior über rechts, Chaos im Strafraum, erste Ecke für Wolfsburg: Robert Hermann schlägt das Ding hoch rein – das gibt‘s ja nicht, der Ball ist schon wieder drin, aber der Treffer zählt nicht. Abseits. Dennoch, das ist alles andere als das gewünschte Abwehrverhalten (15.).

Schiri-Pressing von der Wolfsburger Bank


Marvin Gleiß mit gestrecktem Bein, Freistoß. Ball zu schnell verschenkt. Markus Ziereis tut sich noch schwer gegen Sebastian Wimmer. Kaum mal, dass sich der Regensburger Goalgetter da durchsetzen kann. Der VfL kombiniert, gewinnt durch den Treffer noch mehr Sicherheit (20). Oli Hein mit der Flanke auf Ziereis, der kann den Ball nicht verarbeiten – Julian Klamt schubst Marc Lais nach dem Pfiff für seine Mannschaft und ist mit Gelb noch gut bedient (23.).

Die Wolfsburger Bank macht auf Schiri-Pressing, bei jeder Situation wird gemeckert – schiri Martin Thomsen aus Kleve lässt sich beeindrucken nach Foul von Lais vor der Wölfe-Bank und zückt Gelb. Aber der holt die Kugel nach dem Freistoß wieder zurück. Uwe Hesse auf Hein, Ziereis mit dem Hacken vorbei, zieht ab mit links, Keeper Alexander Brunst-Zöllner ist unten (26.) – ein Mückenbein höher und das Ding flutscht durch. Der SSV jetzt besser im Spiel, Ziereis holt den Freistoß aus 20 Metern zentral. Eine Aufgabe für Pusch oder Geipl? Na Mahlzeit, Pusch in die Mauer (30.).

Keine guten Standards


Nochmal darf Pusch bei einem Freistoß draufhalten, diesmal immerhin über die Mauer, aber eben auch zwei Meter über den Kasten (35.). Auch die Freistoßflanke von George ist nicht das Goldene vom Pils, aber Ziereis holt die erste Ecke (37.). Pusch mit links, die Kugel wird rausgeköpft. Immerhin, Nandzik verhindert den Konter.

Seit der Drangphase nach dem Tor ist nicht mehr viel zu sehen von der berühmten Wölfe-Offensive – ein Schuss ins Stockwerk darüber ist schon das Höchste der Gefühle (43.). Allerdings muss Hein zugunsten eines Freistoßes einschreiten: Marvin Kleihs mit rechts, der Ball erreicht den freien Paul Seguin nicht (44.). Fast pünktlich der Pfiff zur Pause. Hoffen auf das Fürth-Modell: das Spiel drehen!

Wieder Anfangsoffensive von Weiß-Grün


Die Wölfe kommen besser aus der Kabine, Pentke gerade noch zur Stelle, weil der VfL sich bis vors Tor kombinieren kann – 2., 3. und 4. Ecke am Stück, quelle misère. „Scheiß Regensburg, steh auf du Sau“, lautet der Kanon der Niedersachsen – wie originell. Der Schiri schickt den verletzten Geipl raus. Und George schießt den Freistoß in die Mauer – Ecke. Keeper Brunst-Zöllner pflückt das Ding runter.

Flacher Ball auf Stolze, der kommt am 16er frei zum Schuss, zwei Meter vorbei (60.). Pusch sieht Gelb, weil er den Gegenstoß taktisch stoppen muss (65.). Wolfsburg schaltet schnell – vor allem um. Die erste richtige Jahn-Chance in der zweiten Hälfte nach starker Vorarbeit von Lais. Hereingabe von Uwe Hesse auf Ziereis, der legt für Geipl zurück – starkes Ding aus 20 Metern, Brunst-Zöllner zeichnet sich erneut aus (70.).

Zwei dicke Dinger zum Schluss


Allerhöchste Zeit für Verstärkung: Haris Hyseni und Marvin Knoll kommen für Ziereis und Pusch. Bei den Wölfen geht Torschützenkönig Dino Medjedovic und Mayea Hernandez kommt (75.). Viel ist das nicht, was der SSV jetzt noch Richtung 1:1 unternimmt – Geipls Schuss geht p mal Daumen 3x3 Meter über und neben das weiß-grüne Tor. Die Wölfe verkrampfen etwas, klar, das bringt Zeit (80.).

Zwei dicke Dinger: Hyseni zieht zur Grundlinie und legt zurück, Hein knallt an den Pfosten, dann bekommt Lais nochmal den zweiten Ball und versucht‘s von der Strafraumgrenze, Glanzparade, Ecke. George deutelt viel, der Ball kommt zu hoch, und auch der zweite Versuch scheitert. Die Wölfe verstärken die Mauerabteilung: Für Hilal El-Helwe kommt der Ungar Gergely Bobál. Beim Jahn bekommt der ausgepowerte Hesse einen Nachfolger: André Luge soll neue Impulse setzen.

Auch 30 000 Duisburger waren kein Garant


Stattdessen suchen die Gastgeber die Konterchance zur Vorentscheidung, Hernandez bleibt aber hängen. Bekommt der Jahn nochmal die eine Chance? Odabas puzzlet den Ball irgendwie in den Strafraum, Hein mit dem zweiten Chip, da stehen sich die Regensburger gegenseitig auf den Zehen (90.).

Zwei Minuten später der Abpfiff – ein gutes Ergebnis mit dem Mutmacher „Auswärtstor“ ist es nicht geworden. In der Conti-Arena muss es der Jahn am Sonntag, 13.30 Uhr richtig richten! Besser als Bayern das 0:1 von Madrid. Und viel besser als der MSV Duisburg das 0:2 in Würzburg. Auch die Zebras erhofften sich mit Unterstützung von 30 000 Zuschauern, das Spiel noch zu drehen. Das ging mächtig in die Hose. Macht es mit 15 000 Oberpfälzern minus ein paar Wolf-Bussen besser!

Der beste Gegner seit es Jahn-Coach Herrlich gibt


„Seit ich Trainer beim Jahn bin“, holt SSV-Coach Heiko Herrlich beim Gegnerlob weit aus, „war das unser schwierigster Gegner heute.“ Ein tolles Fußballspiel habe er gesehen auf hohem Niveau mit einer Anfangsphase, die ausgeglichen gewesen sei bis zum Gegentor. „Dann haben wir eine Phase überstehen müssen von 10, 15 Minuten, wo Wolfsburg unheimlich Druck gemacht hat, viele Spieleröffnungen, die wir uns alle angeschaut hatten, aber der Ball ist halt schneller als die Spieler.“ Schwer zu verteidigen sei das gewesen gegen technisch unheimlich starke Spieler.

Aber auch der SSV hätte seine Chancen gehabt, wie durch Markus Ziereis in der ersten Hälfte, als man das Spiel zunehmend in den Griff bekommen habe. „Auch die Endphase der zweiten Halbzeit hat wieder uns gehört. Schade, dass der Pfostentreffer nicht reingegangen ist und der Schuss von Marc Lais – der Ausgleich hätte uns gut getan.“ Mit dem 1:0 könnten die Gäste dennoch gut leben. „Ich denke, es ist für uns noch alles möglich im Rückspiel vor 15 000 Zuschauern.“

Ismaël: Das 2:0 verpasst


Es sei das erwartet intensive Spiel gewesen, findet VfL-Trainer Valérien Ismaël. Seine Jungs seien die ersten Minuten mutig gewesen: „Was wir uns vorgenommen haben, dass wir unseren Fußball der ganzen Saison spielen, dass wir uns nicht beeindrucken lassen von der Emotion im Relegationsspiel.“ Aus der Erfahrung von vor zwei Jahren habe man profitiert. „Ich glaube, dass wir nach dem 1:0 vielleicht ein wenig nachgelassen haben, da haben wir Regensburg zurück ins Spiel gebracht.“

Aber auch der Gegner habe „unheimlich viel Qualität in der Mannschaft“, das habe man heute wieder gesehen. „Ich denke, wir hatten die Möglichkeit das 2:0 zu machen – gegen eine solche Mannschaft bekommst du nicht vier Chancen.“ Gegen Ende habe das kraftraubende Spiel seinen Tribut gefordert. „Regensburg hat mit seiner Qualität immer Druck ausgeübt und wir mussten alles verteidigen.“

Es sei ein sehr gutes erstes Spiel gewesen: „Wir haben das Richtige gemacht in so einer Doppelbegegnung, das Spiel zu gewinnen und kein Tor zu kassieren erstmal.“ Jetzt erwarte sein Team ein heißes Spiel am Sonntag: „Tolle Kulisse, tolles Stadion, wir freuen uns auf das Spiel.“ Keine Angst vor der Zuschauer-Übermacht? „Wir wissen, dass wir auswärts auch stark sind, wir wollen ein Tor erzielen.“ Ein enges Spiel erwarte er: „Alles offen, wir sammeln unsere Kraft heute.“

Unmoralisches Angebot?


Und dann will Ismaël unbedingt noch was loswerden, was ihm auf der Seele brennt: „Ich habe vor dem Spiel Regensburg gelobt, tolle Stadt – ich lebe selbst in Bayern –, eine tolle Mannschaft, tolle Fans.“ Ja schön, und weiter? Deshalb könne er es nicht nachvollziehen, dass zwei Tage vor dem Spiel die Verantwortlichen einen Spieler kontaktiert und ihn gefragt hätten, ob er sich vorstellen könne, nach Regensburg zu kommen, wenn Wolfsburg nicht aufsteige. „Das finde ich geschmacklos und vor allem, der Spieler steht noch unter Vertrag. Ich wünsche mir etwas mehr Zurückhaltung in dieser Situation.“

Ein auf dem falschen Fuß erwischter Heiko Herrlich versucht die Wogen zu glätten. „Wir haben die Planung erstmal vor den Relegationsspielen auf Eis gelegt, weil wir nicht wussten, wo wir nächstes Jahr spielen. Von diesem Sachverhalt weiß ich nichts, bin jetzt auch überrascht über den Vorwurf.“ Und er verweist auf Kontaktversuche von Mittelsmännern, die auch die eigenen Spieler permanent ansprechen würden. „Die Berater sind natürlich ständig unterwegs.“

Christian Keller: „Das stimmt nicht!“


Im Anschluss dementiert Sportchef Christian Keller auf unsere Anfrage hin den Vorwurf: „Richtig ist, dass wir den Berater des Spielers Herrmann bereits vor ein paar Wochen kontaktiert haben, noch bevor die Relegationspaarung feststand.“ Den Spieler selbst hätte niemand vom Jahn angesprochen. „Seit damals gab es keinen weiteren Kontakt mehr.“ Also erst recht nicht zwei Tage vor dem Relegationsspiel.

Taktik eines Beraters? Oder versucht da jemand Unruhe zu stiften? Nach René Weilers seltsamen Einlassungen zur „Inszenierung“ ein weiterer Schlagabtausch jenseits der sportlichen Ebene. Dass Vereine für die nächste Saison planen, und dafür Spieler kontaktieren, ist per se noch keine unmoralische Handlungsweise.
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