Kommentar zur sportlichen Situation beim Stadion-Richtfest
Sportlicher Supergau

Eine Arena für die Regionalliga. Bild: dpa
Sport
Regensburg
05.12.2014
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Man mochte nicht in der Haut der Richtfestredner am gestrigen Mittwoch stecken: Was sollten die Gäste von Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs über die 52,7 Millionen Euro teuere Continental-Arena sagen, in der nach der Fertigstellung im Juli 2016 womöglich ein Fußballregionalligist gegen den SV Schalding-Heining antritt - vor 1000 hartgesottenen Fans in der 15 115 Zuschauern fassenden rot-weißen Trutzburg an der A3?

Schon für die Dritte Liga hatte die Stadt mit einem jährlichen Defizit von drei Millionen Euro kalkuliert - beim erhofften Zuschauerschnitt von 4200 Gästen pro Heimspiel. Zuletzt hatte Wolbergs Konzerte als mögliche Einnahmequelle genannt. Doch hinter den Kulissen ist man sich einig: Die einzig überzeugende wirtschaftliche Perspektive ist der mittelfristige Aufstieg des SSV Jahn in die Zweite Bundesliga - kein leichter Weg aus der Regionalliga.

Fußball bleibt bei aller Professionalisierung ein Spiel - und damit nur teilweise berechenbar. Bestes Beispiel: Championsleague-Teilnehmer Borussia Dortmund stürzt auf den letzten Tabellenplatz ab. Ausnahmen bestätigen die Regel. Nur wer wie der FC Bayern finanziell über den Dingen schwebt, kann sich den Platz an der Sonne pachten.

Dies trifft auf den Tabellenletzten der Dritten Liga naturgemäß nicht zu. Aber Jahn Regensburg spielte in der vergangenen Saison unter Trainer Thomas Stratos mit einer von Franz Gerber zusammengestellten Mannschaft ansehnlichen Fußball und landete im Mittelfeld. Seit dieser Spielzeit hat nun Sportchef Christian Keller das Sagen bei der Kaderwahl. Das Ergebnis: desaströs.

Vorhersehbar und vermeidbar

Selten war ein sportlicher Absturz so vorhersehbar und deshalb auch so vermeidbar. Der Sportökonom hätte zusammen mit einem erfahrenen "Fußballer" sicher neue Akzente bei der Entwicklung des Traditionsvereins zu einer Marke setzen können. Ein halbes Jahr vor der Eröffnung des neues Stadions hat der SSV nur noch eine theoretische Chance, die Liga zu erhalten. Diesen sportpolitischen Supergau haben der Vorstand und der Aufsichtsrat zu verantworten - und die Politik hat diesen Kurs gestützt.

Kontakt: juergen.herda@derneuetag.de
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