Live im Dritten am Samstag, 14 Uhr: Burghausen gegen Regensburg
Vorgezogenes Jahn-Endspiel

Heiko Herrlich bleibt Trainer beim SSV Jahn, auch wenn es mit dem Wiederaufstieg auf Anhieb nichts wird. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
15.04.2016
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Burghausen: Wacker-Arena |

Es gibt Fußballspiele, so rasant, dass man sich am Zaun einkrallt, so spannend, dass man mit dem Nägelkauen beginnt. Und dann gibt‘s Spiele wie in der Geisterbahn: lauer Grusel wie in Amberg. Nicht nur Borussia Dortmund, auch Jahn Regensburg kann beides – die Thriller-Qualität hat der Jahn in dieser Saison schon beim 3:2-Hinspielsieg gegen Wacker Burghausen bewiesen.

Im zehnten Auswärtsspiel soll endlich der Knoten platzen – ausgerechnet bei Wacker Burghausen, Tabellenzweiter, zwei Punkte weniger am Konto, die Mannschaft, die vor der Winterpause bereits einmal am Jahn vorbeizog und sich nach vier Niederlagen und einem Sieg jetzt selbst belohnen möchte mit der Rückkehr auf den Platz an der Sonne.

Natürlich, Wacker-Coach Uwe Wolf, der nach dem Hinspiel Regensburg noch als Top-Favorit in eine andere Liga weglobte, schnuppert spätestens seit seiner Kommentatorenrolle in Buchbach Morgenluft: „Das sind die Spiele für die man täglich trainiert“, nennt er eine Binsenweisheit sein eigen. Sein Team sei heiß auf das Spiel, alle Spieler gesund – bis auf Muhamed Subasic – und hochkonzentriert.

Herrliche Ära eingeläutet

Rechtzeitig zum Saisonfinish gibt die Jahn-Führung vereinsuntypisch die Vertragsverlängerung mit Heiko Herrlich bekannt. Der Ex-Champion der Borussen darf auch im Falle des Nichtaufstiegs bleiben – oder aus seiner Warte betrachtet: „Natürlich will ich auch ein Zeichen setzen an alle hier, dass ich mich mit dem Verein zu 100 Prozent identifiziere und auch im Negativfall bereit wäre, weiter für den Jahn zu arbeiten. Und deshalb bin ich sehr glücklich, dass man mir das Vertrauen hier geschenkt hat.“

So steht‘s in der Keller‘schen Präambel zur Jahn-Verfassung: „Kontinuität, Glaubwürdigkeit und Erfolgswille“. Davon war bisher nur leider nicht allzu viel zu merken: Thomas Stratos war eine Saison, Alexander Schmidt und Christian Brand nicht einmal die vergönnt. Höchste Zeit, sich an die eigenen Prämissen zu halten. Nach dem Spaßvogel, dem Zuchtmeister, dem Sonnyboy versucht man es jetzt mit einer Mischung aus allen Faktoren – wenn es mit diesem Trainer auch nicht klappt, muss man sich wohl einen schnitzen.

Kontinuierliche Diskontinuität

Jetzt braucht man sich in Regensburg also nicht mit Personalspekulationen beschäftigen, sondern lediglich mit den letzten sechs Spielen. Dass das Spitzenspiel in Oberbayern morgen trotz Symbolcharakter bei anschließend zu vergebenden 15 Punkten die Meisterschaft noch nicht entscheidet, versteht sich von selbst: „Ja, es ist ein ganz besonderes Spiel“, weiß natürlich auch Herrlich, „aber morgen wird sicher nicht die Meisterschaft entschieden, egal wie das Spiel ausgeht.“ Schließlich gebe es danach noch viele schwierige Spiele – für den Jahn etwa bei Bayern II und gegen Nürnberg II.

Dazu kommt, dass man sich bisher in dieser Liga nur darauf verlassen konnte, dass man sich auf nichts verlassen kann: Niederlagen gegen die Kellerkinder waren für die vermeintlichen Spitzenteams an der Tagesordnung – angeführt vom Edelkader der kleinen Bayern. Aber mal ehrlich: So ein richtiger Kick wäre es weder für Wacker noch für den Jahn, morgen leer auszugehen. Die Befürchtung: Verkrampfung wie gehabt auf beiden Seiten. Lässt sich das vermeiden?

Der Herr ist willig

Der Herrlich ist sicher willig, doch die Mannschaft wirkt schwach – da beschwört der Trainer die Geberlaune: „Wir wollen natürlich unseren Fans das Geschenk machen und mit einem Sieg wieder nach Hause zu fahren.“ Klar, wer wollte das nicht, wo „man doch im Umfeld merkt, die Spannung steigt“? Die Spieler wüssten jedenfalls, was für eine Bedeutung das Spiel für den Verein und die Fans habe. Nämlich die: Wenn man gewinnt, ist man fünf Spiele vor Feierabend fünf Punkte vorne.

Doch halt, da war doch was: „Diese Rechenbeispiele haben wir ja jetzt Woche für Woche immer gehabt“, mahnt der Coach zu Recht, „gegen Buchberg, gegen Amberg, gegen 60 II – das bringt uns dahingehend nicht weiter.“ Nach dem Beppo-Prinzip müsse man sich richten, dem Straßenkehrer aus Momo: „Wir schauen von Spiel zu Spiel. Was danach ist, wie das rechnerisch dann aussieht, da können wir uns dann Gedanken machen.“ Entscheidend sei, dass der Jahn morgen wie ein Spitzenreiter auftrete: „Das sind wir unseren Fans schuldig.“

Burghausens Kampfansage schafft Räume

Hat der vertraglich nun gestärkte Chef keinerlei Bedenken nach den – vorsichtig formuliert – bescheidenen Auftritten gegen Rain, in Buchbach und in Amberg? Heiko Herrlich sieht das Positive: „Erstmal bin ich froh drum, dass wir in der Defensive eine gewisse Stabilität haben“, verweist er auf vier zu-Null-Spiele unter seiner Ägide. Die Defizite nach vorne betrachtet er als Folge der Systemumstellung: „Unser Spiel ist sicher kraftaufwändiger, laufintensiver geworden, dadurch fehlt vielleicht in der Offensive die letzte Konzentration beim Abschluss.“

Das müsse man vorübergehend in Kauf nehmen. „Wir trainieren permanent Abschlüsse, und ich bin sicher, dass der Knoten irgendwann platzen wird.“ Herrlich sei darauf fokussiert, die Mannschaft bestmöglich einzustellen: „Ich möchte da Jürgen Klopp zitieren“, erinnert er den Meister der späten Siege, „mich treibt nicht die Angst vorm Verlieren an, sondern die Lust am Gewinnen.“ Und da Burghausen angekündigt habe, mitspielen und gewinnen zu wollen, ergebe sich eine veränderte Ausgangslage: „Wenn die an uns vorbei wollen, wird‘s für uns sicherlich mehr Räume geben.“

Herausforderung für die Jahn-Abwehr

In diesen Räumen kann er mit leicht verbesserter Personallage planen: Zwar fällt Oli Hein weiter aus. Aber für die angeschlagenen Marc Lais, André Luge und Marvin Knoll gibt es begründete Hoffnung auf mehr als einen Kurzeinsatz. Auf der anderen Seite hat Herrlich beim Gegner festgestellt: „Sie treten sehr aggressiv auf und sind sehr kampfstark – da müssen wir einfach dagegenhalten.“

In der Einzelkritik hebt er Juvhel Tsoumou – „brandgefährlich, ein Stoßstürmer, den wir verteidigen müssen“ – und Benjamin Kindsvater – „hat im letzten Spiel gegen Ingolstadt zwei Tore gemacht“ – hervor. „Aber unsere Innenverteidigung, unsere Abwehr hat in den letzten Wochen wirklich sehr gut harmoniert.“ Dennoch: „Das wird morgen für die Jungs da hinten drin eine Herausforderung, da müssen wir gewappnet sein.“

Live-Übertragung als böses Omen?

Dass die Live-Übertragungen aus der Regionalliga Bayern dem SSV bisher viel Glück gebracht hätten – Buchdorf, Amberg – kann man jetzt nicht behaupten. Insofern sieht der gemeine Jahn-Fan der BR-Übertragung mit Moderator Bernd Schmelzer mit mulmigen Gefühlen entgegen – blamiert sich der Spitzenreiter einmal mehr so gut es geht?

Davon will Heiko Herrlich freilich nichts wissen, der findet: „Das ist das dritte Live-Spiel, eines in Sport 1, in TVA und jetzt im Bayerischen Rundfunk, das hat sich die Mannschaft erarbeitet.“ Das sei schon was Besonderes – „nicht nur für unsere Spieler, auch für unsere Sponsoren“. Wenn‘s dem langfristigen finanziellen Engagement dienlich ist, nichts dagegen.
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