Nach Gogias Freistoß: Unschlüssiges 1:1 gegen Halleschen FC
Jahns starke Phase reicht nur für Remis

Gute Stimmung vorm Anpfiff, große Dekorkunst vorm Turm. Bilder: Herda
Sport
Regensburg
02.11.2014
14
0
 
Gute Stimmung vorm Anpfiff, große Dekorkunst vorm Turm. Bilder: Herda
 
Gogias erster Warnschuss geht noch knapp links oben vorbei.
 
Sven Köhler zeigt die Richtung an, die seine Spieler nur selten einschlagen: Das Jahntor blieb meist unbesucht.

Was sollen wir mit diesem Punktgewinn am sonnigen Allerseelensonntag anfangen? Vor dem Spiel hieß es: Nur ein Sieg zählt – aber was soll der Trainer des Tabellenletzten auch anders sagen? Nach dem 1:1 gegen den Halleschen FC war den 3372 Zuschauern anzumerken, dass auch sie unschlüssig sind – Keller-Schmähungen waren verstummt, die Mannschaft wurde für Aias Aosmans Ausgleichstor sogar ein wenig gefeiert.

Es ist eine charakteristische Straßenszene: Den Regensburgern ist ihr Drittligist nicht gleichgültig. „Hallo … hallooo“, ruft eine ältere Dame vom Rad runter, „wie hat’n der Jahn g’spielt?“ und verliert dabei fast die Balance. „1:1, naja, immerhin ned verlor’n!“ Man leidet mit, noch lange wird auf der Straße kontrovers diskutiert. Von Zufriedenheit natürlich noch keine Spur, schließlich tritt man mit der Punkteteilung gegen einen unterdurchschnittlichen Gast aus Sachsen-Anhalt auf der Stelle.

Eine Zufallschance in Hälfte eins

Und die erste Halbzeit war nicht leicht auszuhalten – außer einem Zufallskopfball von Daniel Franziskus keine Torszene. Was soll man der Mannschaft vorwerfen? Die Jungs werfen sich in jeden Ball, sie beherzigen die kämpferische Parole, die Jahn-Coach Alex Schmidt ausgegeben hat. Im Mittelfeld fehlt die ordnende Hand, Aias Aosman kann nicht alles alleine lösen. Andi Geipl zeigt zwar immer wieder gute Ansätze, aber dann fehlt die zündende Idee, der genau Pass.

So bleibt alles Stückwerk, und weil sich der Gastgeber schnell im dichten Hallenser Mittelfeld die Hörner abgestoßen hat, hat die stabile Abwehr um die souveränen Lukas Sinkiewicz, Markus Palionis und Gregory Lorenzi nicht viel andere Alternativen, als es mit langen Bällen zu versuchen – meistens zu lang und hoch für die Kurzen im Jahn-Sturm.

Stabile Abwehr alleine ist zu wenig

Glück für die Regensburger, dass sich der Gast kaum besser präsentiert. Chancen entstehen nur, wenn der Jahn beim Aufbauspiel patzt. Klar, vom Tabellenletzten kann man kaum eine berauschende Offensivgala einfordern – woher soll die Mannschaft das Selbstvertrauen nehmen? Erst mal die Abwehr stabilisieren, das war dringend nötig. Bloß, um da hinten rauszukommen, muss man halt gegen die mittelmäßigen Gastmannschaften auch mal einen Dreier einfahren.

Die auf zwei Positionen veränderten Regensburger – Andi Güntner mit überraschend offensiver Position und Andi Geipel neben Oli Hein ersetzen Azur Velagic und Stani Herzel – beginnen wie versprochen bis in die Haarspitzen motiviert. Schon nach einer Minute der erste vielversprechende Freistoß halbrechts nach Foul an Daniel Franziskus – aber aus Standards macht der SSV zu wenig. Besser lösen das die Gäste, ein Déjà-vu: In der vergangenen Saison hatte Sören Bertram einen solchen Ball direkt in die Maschen gejagt, diesmal zielt Akaki Gogia aus 25 Metern zentral knapp links oben vorbei (4.).

Hinten ein Tank, nach vorne hakt‘s

Nach diesem munteren Auftakt ist die Luft schnell raus. Wenn ansatzweise nach vorne etwas gehen soll, dann muss sich Aosman zerreißen – schöne Einzelaktion über rechts, Pass auf Geipl, der kann den Ball nicht kontrollieren – Endstation ist eine schwache Ecke (9.).


Daniel Franziskus läuft wie aufgezogen, aber viele Stockfehler führen immer wieder zu raschen Ballverlusten (11.). Einmal setzt er sich rechts im Strafraum clever durch, bleibt aber kurz vor der Grundlinie an einem Gegenspieler hängen (20.).
Charakteristisch für das „Licht und Schatten“-Spiel der kleinen Regensburger 8: Erst verschätzt sich Geipl bei einem langen Pass auf den Rechtsaußen der Gäste, im 1:1 vor dem 16er holt er sich die Kugel dann bravurös zurück (15.). Genau umgekehrt eine Szene in der zweiten Halbzeit, als er im Mittelfeld dynamisch ankurbelt, die Geräuschkulisse erwartungsvoll anschwillt und dann der Pass ins Nichts folgt (54.).
Zum Glück für den Jahn steht mit Sinkiewicz ein Tank zentral vor Keeper Dominik Bergdorf, an dem es fast kein Vorbeikommen gibt: Mal reicht ein tiefes Ausatmen und der Gegenspieler sinkt zu Boden (17.), immer behält er als Ball führender letzter Mann Ruhe und Übersicht, auch wenn er mit drei Angreifern in Lauerstellung konfrontiert wird. Nur ein Fehlpass Mitte der ersten Halbzeit flach in den Mittelkreis, hätte fast einen Konter eingeleitet.

So bleibt es für Halle aus dem Spiel heraus bei einer gefährlichen Flanke von rechts, die Tony Schmidt knapp verpasst (22.). Fabian Trettenbach hat etwas Glück, dass der sehr kleinlich pfeifende Schiri Marcel Göpferich (Bad Schönborn – 9 Gelbe Karten!) Gogia zurückpfeift, als der an Trette vorbei allein vorm Tor steht – Stürmerfoul (30.). Und schließlich ein brandgefährlicher Konter über rechts, in letzter Sekunde ist ein Jahn-Bein dazwischen, Bergdorf guckt perplex, gegen den strammen Rettungsversuch wäre er machtlos gewesen, so nur Ecke (40.).

Und auf Regensburger Seite noch erwähnenswert: Aosman mit einer Einzelaktion im Strafraum, keiner bietet sich an, und als er dann fällt, ist das einfach zu wenig für einen Elfer (31.). Und schließlich noch die Zufallschance für Franziskus nach einer Geipl-Flanke – die 30 köpft vom 5er, HFC-Keeper Lukas Königshofer dreht die Kugel um den linken Torpfosten (39.).

Appell an Aosman?

Hat da Alex Schmidt der Regensburger 10 ins Gewissen geredet, dass er noch mehr aus seinen Anlagen machen muss? Gleich zu Beginn holt er sich den Ball im Mittelfeld, dann aber schlampiger Pass, in der Folge muss Lorenzi zu riskant einsteigen und sieht dafür Gelb (46.). Schon wieder startet Aias durch, bedient Trettenbach, der sich zu weit abdrängen lässt – Ecke, der Ball steht lange in der Luft, schließlich pumpt sich Sinkie mit Gewalt durch und knallt die Kugel ins Netz – schon längst abgepfiffen (50.).

Prädikat sehenswert: Franziskus Fallrückzieher aus 12 Metern, Königshofer muss den Rückwärtsgang einlegen, um das Ding runterzupflücken (52.). Eher eine Schwalbe an der Grundlinie von Hesse als eine Gelbe für Banovic geht der Flipper-Chance nach Aosmans Freistoß von links voraus: Palionis verfehlt knapp, Geipls Schuss wird geblockt, Oli Heins Kracher faustet Königshofer weg und erneut Geipl von der Strafraumkante an die Latte – und dann steht Aosmann nach Lorenzis letztem Versuch im Abseits (56.).

Muppet’s Show verstummt

So, jetzt ist das Jahn-Stadion aber richtig wach. Während auf den Bänken die Tribünen Muppets vorher jeden Spieler mangels Qualität ausmustern wollten – „Warum nimmt er den 3er ned raus? Da Aosman ist der schlimmste, nur Disco … Was is’na mit dem Trettenbach? Genau. Bergdorf, schieß den Keller ab!“ – schwappt jetzt das eSeSVauuuuu eSeSVauuuuu eSeSVauuuuu vom Turm über die Nordtribüne zu uns Senioren und Kinder herüber.

Schon läuft der nächste Konter, aber Franziskus schießt überhastet von halblinks daneben (57.). Aosman gänzlich unbeeindruckt von Disco-Vorwürfen zieht wieder an, legt auf Trette ab, der nimmt Güntner mit, der sich gleich für seinen schwachen Pass entschuldigt (58.). „Jawohl, schieß nur a mol,“ stimmt auch der Hintermann Aosmans Abschluss zu, der knapp übers rechte Torkreuz streift (60.). Es ist die stärkste Phase der Regensburger und man fragt sich, warum sich die Rot-Weißen solche Leidenschaften immer bis zum Schluss aufheben.

Gogias Flattermann und Aias Chipper

Eine kurze Kunstpause und einige Wechsel später – Gino Windmüller kommt für Franziskus (66.) und Halle schickt Schreckgespenst Furoholm aufs Feld, Oli Hein und Aosman kassieren Gelb – darf Gogia erneut Maß nehmen: Freistoß zentral, etwa 30 Meter, das sieht ja nicht gerade lebensgefährlich aus, oder? Der Ball wedelt durch die Luft, Bergdorf macht sich lang, die Kugel springt vor ihm auf und rutscht seltsam über seine Handschuhe ins rechte untere Eck. So wenig ist nötig, um beim Jahn in Führung zu gehen.

Endlich schickt Alex Schmidt Zlatko Muhovic für Geipl ins Rennen (73.) – öfter mal ein Mannsbild statt Balletttänzer da vorne drin. Und dann ist es eine doppelte Einzelaktion, die den hochverdienten Ausgleich bringt: Oli Hein rackert sich mit purem Willen durchs Mittelfeld, bedient Aosman perfekt, der halblinks in den 16er läuft und das Kunstleder icecool über Königshofer chippt (75.).

Schulterschluss am Spielfeldrand

Auch die letzte Viertelstunde wird noch gekämpft, aber die ganz große Gänsehaut bleibt aus. Regensburgs Franzose versucht’s von halblinks aus 25 Metern – höflicher Applaus für Monsieur (77.). Muhovic setzt sich klasse durch, spielt Aias in die Gasse, an dessen scharfer Hereingabe rutscht der eingewechselte Herzel knapp vorbei (77.). Dann ist Sinkie gegen Schmidt einmal zu langsam, aber Bergdorf mit vorauseilendem Gehorsam zur Stelle (84.). Einen passablen Schuss aus 25 Metern zentral fängt der Jahn-Keeper ebenso sicher. Und auch Andi Güntner hat noch seine Szene, als er sich an der linken Grundlinie prima durchsetzt, und Gino Windmüller und Herzel die Hereingabe knapp verpassen.

Ohne Nachspielzeit endet ein Spiel, dessen Lohn mit einem Punkt deutlich zu mager ausfällt. Auffällig: Am Spielfeldrand wird viel Schulterschluss demonstriert – Christian Keller herzt und klatscht mit jedem Akteur ab und das lange Gespräch mit Coach Alex Schmidt trauert sicher den vergebenen Chancen hinterher. Am kommenden Samstag, 14 Uhr, muss der Jahn auch auswärts endlich mal mehr Biss zeigen, als zuletzt beim mäßigen Auftritt in Mainz. Der Tabellen-9. (25 Punkte) möchte sich nach dem 0:2 in Wehen gegen das Schlusslicht rehabilitieren – und der SSV muss aufpassen, dass die Nichtabstiegsränge in Reichweite bleiben.