Nächste „Ausfahrt Regionalliga“ gegen den FC Memmingen
Jahn Regensburg denkt ein „bissle“ an Wolfsburg

Nach Bayern ist vor Memmingen: Mit der Leistung von München sollte der SSV Jahn trotz unglücklicher 0:1-Niederlage in Unterzahl den vorentscheidenden Dreier gegen Memmingen eintüten können. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
04.05.2016
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Memmingens Coach Christian Braun hört zum Saisonende auf: Dem Tabellenführer ein Bein zu stellen, wäre für den Allgäuer ein schöner Abschluss. (Foto: dpa)
 
Auf der Suche nach der Ausfahrt zur Dritten Liga: Jahn-Trainer Heiko Herrlich. (Foto: Sasche Janne)
Regensburg: Continental-Arena |

Unterschätzt uns bloß nicht den Tabellenersten der ewigen Bayernliga-Tabelle: Wenn man an Spiele gegen den FC Memmingen (12./39 Punkte) in der damals noch dritthöchsten Spielklasse zurückdenkt, fallen einem quälende Unentschieden ein – und der historische Satz des großen Jahn-Stadionsprechers und Goethe-Liebhabers Ernst Radtke: „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.“ Ein Remis am Freitag, 19 Uhr, gegen die Allgäuer könnte fatale Folgen haben.


„Wir haben anstrengende Wochen mit vielen Auf und Abs hinter uns“, atmet Christian Braun nach dem 4:2-Heimsieg gegen den FC Ingolstadt II erleichtert auf. „Wir haben uns zusammengerauft und sind als Mannschaft eng zusammengerückt. Darauf bin ich stolz“, freut der zum Saisonende scheidende Trainer des FC Memmingen auf ein entspanntes Duell in der sagenumwobenen neuen Arena – vielleicht sogar als Zünglein an der Meisterschaftswaage.

Auf der einen Seite also schwäbische Gelassenheit, auf der anderen Seite „eine gewisse Lockerheit“ trotz der unglücklichen 0:1-Niederlage bei den kleinen Bayern. Ein „bissle locker“ dürfen seine Jungs im Training auftreten, weil Heiko Herrlich mit der Leistung zufrieden war – „gerade auch in der zweiten Halbzeit, dass man sich nochmal aufgebäumt hat und in Unterzahl es geschafft hat, vier, fünf sehr gute Möglichkeiten sich zu erzwingen, zu erspielen, und mit aller Macht versucht hat, sich gegen die Niederlage zu wehren.“

„Nicht böse, wenn klar ist, wer die Relegation spielt“

Freilich, mit dem Ergebnis könne man natürlich schwerlich zufrieden sein, hält der Jahn-Trainer fest. Es sei schade, es nicht geschafft haben, trotz der zahlreichen Chancen in der ersten und zweiten Halbzeit, ein Tor zu erzielen. „Trotzdem, die Leistung gibt Hoffnung für die kommenden Spiele.“ Wenn die Mannschaft es schaffe, so eine Leistung abzurufen in den nächsten drei Spielen, „werden wir auf jeden Fall auf Platz 1 bleiben“.

Ein Problem habe Herrlich nur dann, wenn vor lauter Lockerheit der Schlendrian Einzug halte und die Spannung fehle. „Ich denke, dass diese Woche eine perfekte Mischung war zwischen Lockerheit und Spannung.“ Er habe das Gefühl, jeder wisse jetzt, „dass wir auf der Zielgeraden sind und dass es jetzt nichts mehr zu verschenken gibt“. Denn nach wie vor gelte, man habe noch gar nichts erreicht: „Wir stehen mit nichts in der Hand da.“ Das könne man auch positiv sehen, dass die Spannung bis zum Schluss anhalte. „Aber trotzdem wäre ich nicht böse, wenn nach diesem Wochenende es zumindest klar ist, wer die Relegation spielt.“ Der Fokus liege jetzt erst mal auf dem FC Memmingen.

„Zu viel Potenzial“ fürs Versteckspiel

Und auf den hält der Coach durchaus hohe Stücke: Nachdem der FCM zuletzt zweimal gewonnen habe und dem Abstiegskampf so gut wie entronnen sei, würden die sicher nicht hier herkommen, um sich zu verstecken oder sich hinten reinzustellen: „Dafür haben sie zu viel Potenzial.“ Das hätten sie in der Rückrunde schon gegen gute Mannschaften unter Beweis gestellt: „Gegen Unterhaching unentschieden, gegen Bayern unentschieden und gegen Burghausen gewonnen – wovon wir natürlich auch profitiert haben.“

Trotzdem gehe Herrlich davon aus, „dass wir irgendwann unser Spiel durchsetzen, dominant sein werden und das Spiel im Griff haben“. Und dann werde es wieder eine Geduldsfrage, „gegen den Abwehrriegel den Durchbruch zu schaffen“. Dieses Mal müsse man die Chancen einfach besser nützen: „Das war gegen Bayern das Problem, das war hier gegen Rain am Lech das Problem. Da müssen wir einfach zielstrebiger sein.“

Hinten rechts mit Oli Hein

Personell hat sich wenig, dafür durchaus Entscheidendes verändert: Wegen der viel diskutierten rechten Verteidigerposition muss sich Heiko Herrlich keinen Kopf mehr über Fabi Trettenbachs nun mehr anderes, verhärtetes Bein machen – denn dafür ist Oli Hein wieder voll im Training. „Wenn nichts mehr passiert, spielt er von Beginn an.“ Und sogar ein Backup kann der Trainer mitliefern: „Martin Tiefenbrunner kann auf die Bank.“

Nicht zufrieden ist die gesamte Clubführung mit der drei-Spiele-Sperre für Robin Urban – schließlich war der SSV Jahn mit der Halbzeit in Unterzahl nach der Roten Karte gegen den gerade eingewechselten Verteidiger genug gestraft: „Da haben wir Einspruch eingelegt, weil wir das als ein bisschen zu hoch erachten.“ Auch bei Kevin Hofmann, der über einen Schlag in die Kniekehle geklagt habe, bestehe die Hoffnung, dass er zumindest die Bank bereichern könne. Und schließlich sei auch Fabian Raithel wieder ins Training eingestiegen. Thomas Kurz dagegen, der für die zweite Mannschaft vorgesehen war, fällt wohl wegen seines grippalen Infekts aus.

Knoll will immer (darf aber noch nicht)

„Eine positive Eigenschaft von Marvin Knoll ist, er will immer“, lobt Heiko Herrlich die Einstellung des verletzten Mittelfeldakteurs. Es bestehe eine Resthoffnung, dass er fürs letzte Ligaspiel fit werde. „Bloß wir müssen da ganz vorsichtig sein, er hat jetzt dreimal, nachdem er kurz wieder im Mannschaftstraining war und Einsätze gehabt hat – einen in der zweiten Mannschaft eine Halbzeit, gegen Burghausen die 20 Minuten, gegen Unterhaching die zehn Minuten – und dann ist es wieder passiert.“ Entscheidend sei letztendlich die Diagnose des Mannschaftsarztes.

Egal, wie das Spiel am Freitag ausgehe, einen Grund zu feiern gebe es noch lange nicht. Die Meisterschaft könne bei nur einem Punkt Vorsprung auf den FC Nürnberg II ohnehin nicht entschieden werden. Und eine Party, falls man mit tatkräftiger Unterstützung des FC Amberg die Relegation in trockene Tücher bringe? „Das würde ich eher peinlich finden“, rümpft Herrlich die Nase. „Die Zielsetzung ist eine ganz andere.“

Wolfsburg oder Oldenburg im Hinterkopf

Und da ist sie wieder, die Marathon-Parabel, aber immerhin arbeitet sich der Trainer schon wieder einen Kilometer nach vorne: „Wenn bei Kilometer 40 einer sagt, oh geil, dass ich gerade ganz vorne bin, das interessiert nachher keinen Menschen mehr.“ Gut, eine gewisse Erleichterung, dass man eine erste Etappe geschafft, eine Hürde überwunden habe, das wünsche er sich schon auch: „Einfach, damit man planen kann für die nächsten Wochen.“

Apropos planen: für Wolfsburg oder Oldenburg? „Wir behalten das im Hinterkopf“, weist Herrlich das Thema nicht gänzlich von sich, „wir schieben das parallel an, dass sich da schon ein bissle Leute damit beschäftigen für den Fall der Fälle, dass man da ein bisschen vorbereitet wäre“. Trotzdem, Trainerteam und Mannschaft konzentrierten sich vollkommen auf die Aufgaben der nächsten Zukunft. „Wir können uns nicht damit beschäftigen, was wäre wenn, dafür gibt’s andere Leute.“ Grob fahrlässig wäre das, so mit rein gar nichts in der hohlen Hand.
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