Noch eine Woche Tabellenführung für Jahn Regensburg
FSV Frankfurt nur zu Beginn und am Schluss stürmisch

Macht saure Miene zum schiedlichen Spiel: FSV-Trainer Roland Vrabec schleuderte vor Zorn über den aberkannten Treffer seinen Kaugummi Richtung Schiri. Bilder: dpa/Pressehaus
Sport
Regensburg
13.08.2016
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Dem FSV-Jubel nach der Pause folgten umgehend lange Gesichter nach dem Ausgleich der Regensburger im Gegenzug.
 
Gelbrot für Andi Geipl in der Nachspielzeit.
Frankfurt am Main: Volksbank-Stadion |

Jahn Regensburgs erstes Remis in dieser Drittliga-Saison reicht zur Verteidigung der Tabellenspitze: Beim Zweitliga-Absteiger FSV Frankfurt war zwar mehr drin als das unterm Strich leistungsgerechte 1:1 – allein Marco Grüttner hatte bei drei Kopfbällen aus Nahdistanz das 2:1 auf der Stirn. Aber ein nicht gegebener Abseitstreffer für die Hessen kurz vor Schluss und Gelbrot für Andi Geipl hätten den Nachmittag auch ganz vermiesen können.

„Unsere Zielsetzung bleibt die gleiche“, sagt Heiko Herrlich nach dem Spiel. Ein weiterer Punkt gegen den Abstieg also. Und FSV-Trainer Roland Vrabec musste sich nach dem nicht gegebenen Treffer seiner Mannschaft kurz vor Schluss erst einmal beruhigen und seinen wutentbrannten Kaugummiwurf erklären: „Ich wollte den Schiedsrichter auf mich aufmerksam machen“, sagt der Frankfurter grinsend, „aber ich habe nicht auf ihn geworfen, sondern nur in seine Richtung.“

Die stürmischen Vorsätze der Hausherren, den 3281 Zuschauern am Bornheimer Hang und dem Aufsteiger das Potenzial vorzuführen, das ohne Zweifel im Kader des FSV Frankfurt steckt, waren nur zu Beginn der beiden Halbzeiten und in der Schlussphase zu erkennen – über eine Stunde lang aber kontrollierten die Oberpfälzer das Geschehen und waren dem Dreier näher als Frankfurt.

Pfosten nach zwei Minuten

Jahn-Coach Heiko Herrlich hatte wenig Gründe, die Aufstellung gegenüber dem starken Auftritt am Mittwoch gegen Halle zu verändern – einzige Maßnahme: Uwe Hesse hat sich im Rennen um die Außenläuferstelle des verletzten Erik Thommy durchgesetzt. Der FSV ist nach dem Anpfiff schneller in der Partie, Yannick Stark setzt gleich mal eine Marke und säbelt Jann George um, nach dem Motto: „Gegen uns nicht, mein Freund!“ Massimi Ornatelli flankt nach innen, Fabian Schleusener setzt den Kopfball an den Pfosten – Glück gehabt SSV (2.). Es folgen zwei FSV-Ecken: Jahn-Keeper Pentke verschätzt sich, Jovanovic köpft gut zwei Meter über die Latte (8.).

Regensburg findet in der Offensive bisher kaum statt – der einzige Spielzug der Anfangsphase endet im Abseits (14.). Es wird zur unschönen Tradition – mit den ersten 20 Minuten wollen die Oberpfälzer nichts zu tun haben. Der FSV kommt über rechts, scharfe Flanke Richtung Ranisav Jovanović, doch der 35-jährige Deutschserbe verpasst knapp (17.). Dann endlich auch die erste Chance für den SSV Jahn, Flügellauf von Alex Nandzik, Uwe Hesse rutscht um Zentimeter an der Hereingabe vorbei (19.).

Jahn übernimmt die Kontrolle

Es beginnt die magische 20. Minute, der Jahn legt den Schalter um: George mit viel Selbstbewusstsein an zwei Frankfurtern vorbei, legt für Marco Grüttner auf, dessen Direktabnahme von der Strafraumkante am langen Pfosten vorbeisegelt (22.). Christopher Schorch zeigt in der Praxis, was er vor dem Spiel als gute Vorbereitung auf das Spiel bezeichnet hat, und säbelt Grüttner an der Außenlinie um – Gelbe Karte und Freistoßgelegenheit für Kolja Pusch: Die Flanke kommt weit, ein Regensburger fällt, es geht unverrichteter Dinge weiter (23.).

Sven Kopp, bisher mit untadeliger Leistung, vertändelt den Ball beim Spielaufbau, Schleusener bedankt sich, schickt den Gelb-motivierten Schorch, der stante pedes abzieht – Aufatmen beim rot-weißen Anhang bei der Betrachtung der Flugbahn (26.). Und dann leistet sich mal wieder Philipp Pentke einen Abstoß zum Gegner … Jetzt, da der SSV das Spiel im Griff hat, muss er den Gegner nicht aus Mitleid wieder ins Spiel bringen (27.).

Chihis kleine Geniestreiche

Heiko Herrlich hatte vor den individuellen Fähigkeiten der Gastgeber gewarnt – da blitzt mal ein Geniestreich auf: Adil Chihi, nach Jahren beim 1. FC Köln über Stationen in Fulham und Teheran wieder zurück in Deutschland, prüft Keeper Pentke mit einem fulminanten Kracher – der reißt die Fäuste hoch und verhindert die Führung aus dem Nichts (31.). Und noch einmal sorgt der Deutsch-Marokkaner für Gefahr – knapp daneben ist auch vorbei, Abstoß vom Jahn-Tor (34.).

Das Spiel gleicht jetzt einem undichten Ball – die Luft ist raus, auch wenn der SSV seinen ersten Eckball zelebrieren darf – gefährlich wie eine Stubenfliege im Tiefflug. Immerhin demonstriert der Jahn jetzt Ballbesitz-Fußball, spielt sich in ein paar Stationen um den 16er, bis es einem Hessen zu bunt wird und die Show beendet (41.). Thommy-Ersatz Hesse kurbelt noch mal an, die Flanke wird zur zweiten Ecke abgefälscht (44.). Das war’s in der ersten Hälfte.

Wachmacher nach der Pause

Ja, guten Morgen, liebe Jahn-Spieler, seid ihr alle da? Regensburg verpennt den Wiederanpfiff komplett, Frankfurts Bester, Adil Chihi tankt sich außen durch, visiert in der Mitte den pudelnackten Yannick Stark an, der sich in Seelenruhe den Ball auf den seinen stärkeren linken Fuß legen darf, und zirkelt das Ding unhaltbar in den linken Winkel, 1:0 für den FSV (48.) – da ist sie, die so lange ersehnte erste Führung, mit der sich nach Fachmeinung vom Sportsfreund Schorch ja so viel besser spielen lässt ...

Oder? Von wegen. Im direkten Gegenzug kassiert der Gastgeber im situativen Freudenrausch gleich den Ausgleich: Marco Grüttner lässt willentlich oder nicht nach einer scharfen Hereingabe von Oli Hein zu Andi Geipl durch, und der versenkt die Kugel trocken im Hessengehäuse, 1:1 (48.).

Grüttners Kopfball-Furor

Alle Achtung, jetzt ist der SSV aber wirklich am Drücker. Nach einer ungewohnt präzisen Flanke von Hesse presst Marco Grüttner mit seinem Vierkantschädel die Kugel völlig frei an die Latte – sic transit gloria franfurtensae (58.). Die Birne des zugewanderten Schwaben glüht jetzt im Strafraum, ein Magnet für jeden Flankengeber – schnell ausgeführter Einwurf, Jann George zieht nach innen, Grüttner mit dem Stiftelkopf über Sören Pirsons Kasten (62.).

Marco Grüttner, die dritte: Ecke auf Regensburgs einzige Spitze, doch der 30-Jährige bekommt nicht mehr genügend Power hinter den Kopfstoß (64.). So, für Heiko Herrlich war das wohl jetzt die eine ausgelassene Chance zu viel – für Grüttner darf nun Haris Hyseni in den letzten 20 Minuten sein Glück versuchen (70.). Da ist er auch schon das erste Mal am Ball: George steckt durch, Hyseni versucht weiterzureichen, abgeblockt, Ecke (73.).

Verfrühte Dreier-Feier

Einen Aktivposten nimmt jetzt FSV-Trainer Roland Vrabec aus dem Geschehen: Für Chihi soll Neuzugang Fabian Graudenz für neue Impulse sorgen. Auch Herrlich nutzt die Gelegenheit für seinen zweiten Push von außen – für Kolja Pusch darf Patrik Džalto (80.) ran. Feiner Zug von Andi Geipl, der den neuen Mann im Jahn-Trikot gleich einmal mit einem Steilpass in Szene setzen möchte, doch das Fluggeschoss fliegt und fliegt und ist verflogen (83.).

Was für ein Dusel für den Jahn: Da feiert der FSV bereits Sebastian Schachtens Schuss ins Glück zum vermeintlichen 2:1, die Hymne ertönt, die Zuschauer feiern, alle sind emotional ganz nah dran am ersten Dreier, da gibt Schiedsrichter Patrick Alt (Heusweiler) sehr, sehr spät den Spielverderber mit einer indirekten Abseitsentscheidung – Pentkes Sicht war von einem Frankfurter behindert (85.).

Schlussphase mit Gelbrot

Wer reagiert jetzt geschockter? Die fast doch noch erstmals geschlagenen Regensburger oder die nun doch nicht erstmals siegreichen Frankfurter? Zunächst kann Hyseni auf der anderen Seite Džalto ins Spiel bringen – aber die Leihgabe aus Leverkusen verschludert das Leder umgehend und bringt die Gastgeber wieder in die Vorwärtsbewegung (87.). Aber schon wieder hat Džalto im Mittelfeld den Konter auf dem Fuß, Kopf hoch, Junge, da draußen winkt einsam Uwe Hesse … kein Blick für den Kameraden, er versucht’s mit einem harmlosen Schüsschen ins Aus – Chance und Zeit vergeben (90.).

Jetzt darf auch Marcel Hofrath erstmals in dieser Saison mithelfen, den Punkt zu retten – der ausgepowerte Uwe Hesse trottet von janz weit drüben aufreizend langsam vom Platz (91.). Was ist das jetzt für ein Tohuwabohu? Džalto wird gefoult, bekommt auch den Freistoß zugesprochen. Kurz darauf geht Andi Geipl dazwischen, irgedwas zwischen Ball gespielt und Fuß getroffen, und der Schiri zieht doppelt, Gelb und Rot für Regensburgs Mittelfeldregisseur – noch ein Spieler weniger für das nächste Heimspiel gegen den VfR Aalen.

Damit ist das erste Unentschieden in dieser Saison perfekt – zehn Punkte, damit kann der Aufsteiger sicher mehr als gut leben. So gesehen: Der Abstand auf den ersten Abstiegsplatz 18, den nun der FSV Frankfurt einnimmt, beträgt acht Punkte. Beide aber dürfen sich erst einmal auf prominente Gäste im DFB-Pokal freuen: der FSV empfängt am kommenden Samstag, 20.45 Uhr, den VfL Wolfsburg. Jahn Regensburg misst sich am Sonntag, 18.30 Uhr, mit Marvin Knolls Heimatclub Hertha BSC.
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