Olympia
Scherl startet bei Olympia

Anja Scherl und Philipp Pflieger übten schon mal die Siegerpose. Die beiden Marathonläufer der LG Telis Finanz Regensburg nehmen an den Olympischen Spielen in Rio teil. Bild: Gibbs
Sport
Regensburg
20.05.2016
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Der Stolz ist groß bei der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Telis Finanz Regensburg: Mit Anja Scherl (30) und Philipp Pflieger (28) stellt sie zwei der sechs deutschen Marathonläufer, die im August bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro antreten werden.

"Wahnsinn, es geht wirklich nach Rio", sagte Anja Scherl, die aus Ursensollen (Kreis Amberg-Sulzbach) stammt und in Bayreuth lebt, am Freitag bei einer Pressekonferenz in Regensburg immer noch kopfschüttelnd. Im April belegte sie beim Hamburg-Marathon den dritten Platz mit einer Zeit von 2:27:50 Stunden - diese bedeutete gleichzeitig die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele 2016.

Steiniger war der Weg für Philipp Pflieger aus Regensburg. Er verpasste beim Berlin-Marathon im September vergangenen Jahres die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gesetzte Norm von 2:12:15 Stunden um 35 Sekunden. Die weniger strenge internationale Norm von 2:17:00 schaffte er jedoch locker.

Der DLV setze auf verschärfte Qualifikationskriterien, weil er nur Athleten zu internationalen Großereignissen mitnehmen wolle, die gut genug sind, um unter die besten zu kommen, kritisierte Kurt Ring, Trainer bei der LG Telis Finanz. Dieses Verhalten sei "skandalös" und widerspreche dem olympischen Gedanken, sagte Ring. Denn: "So mancher, der gar kein Medaillenkandidat ist, wächst bei den Olympischen Spielen über sich hinaus und sorgt für eine Sensation."

Im Januar kam dann die rettende Entscheidung vom DLV: Die Olympia-Normanforderungen für die deutschen Leichtathleten wurden gesenkt. Pfliegers Zeit von 2:12:50 reichte plötzlich für das Olympia-Ticket. "Wir haben uns vor dem Hintergrund der massiven Dopingverfehlungen in der internationalen Leichtathletik in der Verpflichtung gesehen, einen Ausgleich der Interessen und der Chancen für unsere ehrlichen Athleten vorzunehmen", lautete die Begründung des DLV. Nach der Darstellung von Kurt Ring war allerdings erheblicher interner, öffentlicher und juristischer Druck nötig, um diese Entscheidung herbeizuführen.

Mittlerweile überwiegt bei Pflieger und Scherl - die auch ohne Neuerung die Qualifikation geschafft hätte - die Vorfreude auf Rio. In den nächsten Monaten stehen verschiedene Trainingslager an. Für Scherl ist ein "Zwischenziel" die Teilnahme am Halbmarathon bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam im Juli. Pflieger durfte bei der Vorstellung der Bekleidung für Rio 2016 des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) bereits in das Olympia-Trikot schlüpfen. "Ein gutes Gefühl."
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