Regensburg eröffnet das wohl beeindruckendste Fußballstadion aller Regionalligisten dieser ...
VIP-Arena für die Event-Gesellschaft

Auf der Pressetribüne: Harald Göpel freut sich über den guten Ausblick, auch wenn die Sonne tief steht und ausgerechnet die VIPs blendet. Bilder: Herda/Göpel
Sport
Regensburg
10.07.2015
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Auf der Pressetribüne: Harald Göpel freut sich über den guten Ausblick, auch wenn die Sonne tief steht und ausgerechnet die VIPs blendet. Bilder: Herda/Göpel

Wenn Philipp Hausner die Innenarchitektur und Ausstattung der funkelnagelneuen Continental-Arena beschreiben soll, kommt der Leiter "Vermarktung Geschäftskunden" zwangsläufig ins Schwärmen.J

"Modern, hochwertig, stilvoll", sei die neue Heimat des Vereins, "mit seinen Trennwänden multifunktional bei heller Grundstimmung und Dank der Glasfassade lichtdurchflutet". Das bringt das helle Echtholzparkett zum Leuchten.

Blick bis zur Walhalla

"Anthrazite Wandfliesen setzen Akzente unter weißen Decken mit der lichten Höhe von 3 bis 3,5 Metern Höhe." Das Highlight: "Von dieser tollen Terrasse aus hat man den besten Blick aufs Spielfeld - und nach hinten sogar bis zur Walhalla." Keine Frage, dieses Schmuckkästchen an der A3 soll nicht in erster Linie die Herzen der eingefleischten Jahn-Fans zum Hüpfen bringen - jener Gattung, die auch mit einem nostalgischen Fachwerk-Vereinsheim, Toiletten mit der Patina vom Beginn des vergangenen Jahrhunderts und einem inzwischen funktionslosen Anzeigeturm gut leben konnten, solange guter Fußball gespielt wurde. Nein, hier sollen ganze Familien ihre Wochenenden verbringen, erfolgreiche Unternehmer ihre Geschäftskunden beeindrucken und auch die kunst- und designliebenden Gattinnen auf ihre Kosten kommen.

Das Zeitalter des Erlebnisfußballs im UNESCO-Welterbe wird am Samstag, 18. Juli offiziell eingeläutet - mit Brot und Spielen. Am Sonntag, 19. Juli, kann die Oberpfalz am Tag der offenen Tür die neue Herrlichkeit aus nächster Nähe betrachten. Dazu gehört "ein vielschichtiges Hospitality-Angebot auf zwei Ebenen mit knapp 960 Sitzplätzen", lockt Philipp Hausner.

Gepolsterte Komfortsitze

Inhaber von Business-Tickets dürfen sich über "gepolsterte Komfortsitzplätze im zentralen Bereich der Haupttribüne" freuen. Über die bereits gerühmte Terrasse gelangen die Wirtschaftsvertreter in den "Ostbayern Business Club", einer 1000 Quadratmeter großen Begegnungsstätte für alle VIP-Gäste. "Ein umfangreiches Rahmenprogramm sorgt für ein gelungenes Spieltagserlebnis vor und nach dem Spiel", verspricht der frischgebackene Vater von Zwillingen.

Natürlich müssen die ehrenwerten Gäste hier nicht wie weiland an den Bratwurstständen Schlange stehen: "Catering und zwei modern gestaltete Barbereiche mit Ausrichtung zum Spielfeld" sorgen für Shopping-Vergnügen. Und wem das Geschehen auf dem Platz zu schnell ist, kann auf zahlreichen Screens das Spiel, die Pressekonferenz danach und Liveschaltungen in andere Fußballstadien verfolgen.

Lounge-Konzept

Business-Class gut und schön, aber es geht noch nobler: Im zweiten Obergeschoss schwebt über dem hin und wieder tristen Gekicke etwa gegen Schalding-Heining der VIP-Club, das exklusive Reservat der Haupt- und Premium-Sponsoren des SSV Jahn. 300 Quadratmeter Eleganz mit einem offenen Lounge-Konzept soll die Top-Besucher bei Laune halten. "Vier langfristig zu vermietende und individuell gestaltbare Logen für 6 bis 16 Personen mit Sicht aufs Spielfeld", garantiert Hausner Privatsphäre mitten im erhofften Trubel. Kaum vorstellbar, aber es wird auch noch auf bayerischer Ebene Fußball gespielt in diesem Tempel der Event-Gesellschaft - bevorzugt am Freitagabend, wenn es nach Präsident Hans Rothammer geht, um bei Flutlichtatmosphäre noch mehr Gänsehautfeeling zu erzeugen.

Die Vorfreude der eingefleischten Fans auf Duelle mit den U23-Teams der bayerischen Elite hält sich bei der optimistischen Preisgestaltung der Planer aber in Grenzen: Die Kosten für einen bequemen Sitzplatz konkurrieren mit den Auslagen für das Ensemble des Stadttheaters - 28 Euro für ein Amateur-Spiel in der vierten Liga. In dieser Kategorie können die Aufstiegskonkurrenten Bayern München II, Wacker Burghausen und SpVgg Unterhaching schon mal nicht mithalten.

"Wir sind gerade unseren Fans deutlich entgegengekommen", hält Geschäftsführer Johannes Baumeister der Kritik entgegen. Dauerkarten kosteten bis auf Kategorie 1 sogar weniger als bisher, der Preis für einen Stehplatz sei mit elf Euro gleichgeblieben.
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