Regensburg macht mit 2:1 bei Greuther-Fürth die Relegation klar
SSV Jahn zittert sich zur Meisterschaft

Da passt kaum mehr, sagen wir, ein Haus zwischen Fans und Mannschaft. Bis zum Blatt Papier ist es zwar noch ein Jakobsweg, aber bis Wolfsburg könnte da noch einiges zusammenwachsen. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
16.05.2016
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Auch nicht alltäglich: Rot-Weiß dominiert den Fürther Ronhof. (Foto: Sascha Janne)
 
Baustelle Projekt Aufstieg Dritte Liga. (Foto: Sascha Janne)
 
Haris Hyseni hätte schon in der ersten Minute die Zeichen auf Sieg stellen können. (Foto: Sascha Janne)
 
Kopfballungeheuer Markus Palionis hier mal am Boden. (Foto: Sascha Janne)
Fürth: Sportpark Ronhof |

Der SSV Jahn macht’s für 900 mehrheitlich Regensburger Zuschauer im alten Fürther Ronhof gnädig: Das Zittern ist nach 93 nervenaufreibenden Minuten vorbei, Regensburg ist Regionalliga-Meister und qualifiziert für die Relegation in (25. Mai) und gegen (29. Mai) Wolfsburg II. Am kommenden Samstag noch ein entspanntes Schaulaufen gegen Nürnberg II und dann nichts wie raus aus dieser Liga.

Auch Heiko Herrlich freut sich, dass das Team seine Nerven schonte und nun die Vorbereitung auf die zwei Endspiele beginnen kann. „Wir haben heute gegen den Tabellenführer der Rückrunde gespielt – es war das erwartet schwierige Spiel, und es macht mich zusätzlich stolz, dass meine Mannschaft hier gewonnen hat, nachdem wir nicht unbedingt eine überragende Auswärtsbilanz haben.“

Greuther-Fürth erheblich unter Druck

„Glückwunsch zur Meisterschaft“, wünscht SpVgg-Coach Thomas Kleine artig, „und jetzt schon mal alles Gute für die Relegationsspiele.“ Der Ex-Profi verweist auf die Chance zum 2:0 kurz nach der Führung, räumt aber ein, dass Regensburg seine Mannschaft erheblich unter Druck gesetzt habe und gerade bei Standards stets gefährlich gewesen sei.

Seine Mannschaft habe nach einer sehr guten Rückrunde noch einmal alles in die Waagschale geworfen: „Am Ende steht eine Niederlage, die uns trotzdem ärgert, aber ich denke, dass heute einfach Regensburg im Vordergrund steht, da sie die Meisterschaft hier gewonnen haben.“

„ … dieses Jahr steigen wir wieder auf“

„Und wir geben nicht auf, und wir geben nicht auf, dieses Jahr steigen wir wieder auf“, singen sich die Jahn-Fans in Franken schon vor dem Spiel für das Duell in der Abgas-Hauptstadt Wolfsburg warm. Trainer Heiko Herrlich wagt für den ersten Matchball keine Experimente: Philipp Pentke – Oli Hein, Markus Palionis, Ali Odabas, Alexander Nandzik – Uwe Hesse, Kolja Pusch, Marc Lais, Jann George – Markus Ziereis und Haris Hyseni sollen es richten.

Der erste Eindruck: Die Rot-Weißen wollen keine Zeit vergeuden, sofort ist Regensburg präsent – Nandzik zieht ab, Hyseni schnappt sich den zweiten Ball, verfehlt knapp (1.). Der zweite Eindruck: Oft täuscht der erste, denn so hat sich das nun wirklich keiner vorgestellt.

Erst Blitzchance, dann Donnerwetter

Ausgerechnet Ex-Leihspieler Daniel Steininger mit dem Assist auf Stürmer Mergrim Bajrami, und die komplette Innenverteidigung verschläft den Abschluss des 21-jährigen Kosovaren, 1:0 führt Fürth (4.) – wie soll das dann erst aussehen, wenn man bei hochmotivierten Wölfen aufläuft, die selber aufsteigen können und wollen, womöglich mit Unterstützung aus dem Hecking‘schen Millionengrab?

Klar, dass sich der Gast da erst mal beeindruckt zeigt. Der theoretische Tabellenführer der Rückrunde bliebt am Drücker: Wer war noch mal dieser Steininger, der jetzt da erneut Pentke auf die Pelle rückt? Gut, Ali Odabas kennt den noch nicht und grätscht weniger höflich dazwischen (6.). Freistoß Tim Bodenröder, Pentke als Segelflieger und die Latte zur Stelle (8.).

Schielen auf die anderen Ergebnisse

Wäre ja auch zu einfach gewesen, hier mal hochzufahren und bei einer U23, bei der’s um nichts mehr geht außer Ehre und Unterstützung für die „geliebten“ Nachbarn aus Nürnberg, einfach mal einen sicheren Dreier einzufahren. Jetzt also doch wieder der Blick auf die Ergebnisse der beiden Mitbewerber – Nürnberg kämpft gegen Ingolstadt um die letzte Chance auf die Meisterschaft. Burghausen kann gegen Illertissen seine Möglichkeit wahren, dem Jahn die Relegation auf den Schlussmetern des herrlichen Marathons wegzuschnappen – immerhin steht’s dort nach 5 Minuten noch 0:0.

Gut zehn Minuten jetzt gespielt, der eigentliche Tabellenführer erinnert sich so langsam daran, weshalb man hierher gefahren ist, Projekt Zwischenziel. Hesse nähert sich dem Strafraum, wird gestoppt. Suboptimaler Freistoß, immerhin, Lais kommt an die Kugel, die aber nicht ins Tor (10.). Die zunehmende Ruppigkeit der Jung-Kleeblätter zeugt von zunehmendem Jahn-Druck: Schads Grätsche gegen Nandzik ist Schiri Benjamin Brand eine Gelbe Wert (11.).

Scharfschützenzeit bei Wolkenbruch

Regensburg versucht’s über die Außen, Nandzik spurtet davon, aber die Passgenauigkeit liegt derzeit bei unter zehn Prozent (15.). Das gilt auch für Hysenis Hereingabe, die Fürths Keeper Alexander Skowronek mühelos herunterpflückt (17.). Mal was für die Scharfschützen? Pusch mit der ersten Warnung, die aber deutlich zu hoch angesetzt ist (19.). Lob für den emsigen Semmelblonden: Hesse lässt Bodenröder keine Luft zum Atmen und nimmt ihm die Kugel ab. Und schon wieder ist der rasende Meter Nandzik unterwegs auf seiner rechten Seite, lässt seine Kontrahenten links liegen, passt Richtung Ziereis, aber da ist noch ein Fürther Schädel davor (23.).

Auch George möchte da nicht hintanstehen und reiht sich ein in die Liste derer, die‘s von jwd versuchen: Der Ball trudelt wie die Scheibe beim Curling am Ziel vorbei, da hätten zehn Besen kehren müssen, um das Ding noch scharf zu machen (24.). Hyseni ackert fleißig mit und ist nur durch ein Foul zu stoppen: Aus dem Freistoß wird eine Ecke und Puschens dazugehörige Flanke nagelt Odabas mit der Vierkantstirn via Rasen an die Oberkante der Querlatte – Lais verpasst den Rückstoß nur knapp (28.).

Grün-Weiß wird rabiat

Die Grün-Weißen müssen immer rabiater zu Werke gehen, um dem Drängen der Gäste Herr zu werden: Schlicke puscht Pusch ohne Ball zu Boden, die zweite Gelbe ist folgerichtig. Man sieht, nicht nur Skripnik lässt Standards einstudieren: kurzer Ball auf Hein Richtung Grundlinie, scharfe Hereingabe, die Freund und Feind verpassen – Palionis justiert nach, Ziereis zirkelt übers Gehäuse (31.). Szenen, die sich jetzt im Drei-Minuten-Takt wiederholen: Nandziks scharfes Geschoss von der Grundlinie, Ziereis schrammt vorbei, der Himmel weint Katzen und Hunde (34.).

Die Nummer 3 der Regensburger Artillerie ist der Mann für die wichtigen Treffer rund um die Relegation: Hein mit dem Hammer, aber Ziereis gibt den Amboss (38.). Hesse wurstelt sich mittig bis etwa 30 Meter vor den Kasten und wird gelegt. Eine Sache für Herrn Pusch: Aufsetzer auf glitschigem Grund, aber Skowronek lässt sich nicht foppen (40.). Aufschrei beim Regensburger Anhang: Hyseni stürzt im Strafraum, der Schiri hat ein Stürmerfoul identifiziert (46.) – das Jahn-Team marschiert bei Unentschieden in den anderen Stadien mit einem Drei-Punkte-Vorsprung in die Katakomben.

Leere Hand, volle Hand

Leere Hand oder alles in derselben? Die Oberpfälzer müssen die Lehre aus Herrlichs Erkenntnissen ziehen und Gas geben. Und tatsächlich, Rot-Weiß Jahn beginnt eine Oktave schriller, und sofort zeigt sich das Wetter beeindruckt, die Sonne lugt hervor. Hesse serviert seinem Kapitän den Ball für einen weiteren Fernschuss, aber Palionis flankt ins Nirgendwo. Die Quittung: Regisseur Pusch muss am eigenen Strafraum Kayaroglu Einhalt gebieten – die Abwehrarbeit sieht inzwischen recht souverän aus, ist bei 0:1 aber auch noch nicht das Pfund, das HH mit ins Frankenland bringen wollte (48.).

Da wäre die Möglichkeit, sich vorne mal ins Gespräch zu bringen: Hyseni und Ziereis arbeiten im Duett George zu, der erneut den Abschluss sucht und den Ball einen guten Meter über den Kasten findet (52.). Zeit, das sich was dreht, die Regensburger Bankdrücker erhöhen hinter Pentkes Kasten die Drehzahlen. Auch die Fürther befinden sich noch am Platz: Steininger schiebt den Ex-Kollegen Palionis hinter die Linie, was Schiri Brand als nicht regelkonform ahndet (56.).

Das Glitschige trocken im rechten Eck

Das möchte man gerne öfter von Kolja Pusch sehen – Antritt am 16er, zwei Fürther müssen passen, die 20 zieht beherzt ab und versenkt das Glitschige trocken im rechten oberen Eck, 1:1 (60.) – halbe Miete für den SSV, so lange die Ergebnisse bei den Tabellennachbarn stimmen. Besser ist’s freilich, alle Zweifel gleich heute noch zu beseitigen. Freistoß Pusch, Palionis verlängert, aber Ziereis verpasst (65.).

Gerade noch hätte der Punkt gereicht, da macht Burghausen das 1:0 gegen Illertissen … Die Lorbeeren schleunigst wieder einpacken und Ärmeln hochkrempeln: George kann nachlegen, ist schon im Strafraum, aber er bringt das Runde einfach nicht im Eckigen unter (65.). Nochmal die quirlige 9, der mit Hyseni durch die weiß-grüne Mauer marschiert, aber wieder ist Skowronek zur Stelle (65.).

Launisches Illertissen

Ja, wer sagt’s denn, auch Illertissen hilft mit – aber was nützt es, wenn sich die Schwaben gleich im Gegenzug das 1:2 einschenken lassen? Bei Fürth geht nach Muhammed Kayaroglu nun auch Torschütze Bajrami zum Duschen – für die beiden müssen Patrick Tischler und Tobias Gressel ran. Hat dem Jann George schon mal jemand eingeflüstert, dass sein Zielwasser arg getrübt ist? Ein Fehlversuch mehr am Konto (79.).

Die fünfte Ecke für den Jahn, Fürth Nuuuuullll – aber solche Standards helfen auch nicht weiter, wenn der Gegner schon am kurzen Eck klären kann. Noch zehn Minuten und André Luge soll wohl als erster Ersatz den harrenden Matchball verwandeln. Auf Illertissen muss jetzt niemand mehr hoffen, Burghausen macht mit dem 3:1 wohl alles klar. Wie wär’s dafür mit der sechsten Ecke? Bravo, es geht auch weiter als bis zum ersten Fürther Kopf, der Ball kommt auf den zweiten Pfosten, Odabas verpasst zunächst, aber da steht genau der Richtige, der Lange, der Palle, und der erzwingt mit seinem Schädel das Eigentor zum 1:2 für den SSV (81.).

Jetzt auch noch Nürnberg vorne

Keine Sekunde zu früh, denn jetzt macht ein Wolf das 2:1 auch für die Nürnberger … Kleine Slapstick-Einlage im Ronhof – nach seiner Errichtung 1910 noch im Kaiserreich für lange Zeit das größte Sportgelände Deutschlands: Ein Jahn-Therapeut rast Schiri Brand zur Hilfe, der übel humpelt – der Unparteiische wird doch nicht kurz vor Regensburgs Meisterschaft schlappmachen? So gut ist die medizinische Abteilung des Tabellenführers also aufgestellt, der Bundesliga-Schiri, der derzeit in Bamberg BWL studiert, kann weitermachen (84.).

Und natürlich hat Heiko Herrlich jetzt alle Zeit der Welt, um überfällige Korrekturen an der Aufstellung vorzunehmen: Für den heute trefferlosen Torschützenkönig Ziereis (19 Treffer) schickt er Daniel Schöpf aufs Feld (87.) – das Duell mit dem verletzten Fürther Verfolger Stefan Maderer (18) wird heute unentschieden enden, da letzterer nicht mit von der Partie sein kann.

Burghausens wertloses Ausrufezeichen

Burghausen hat seine Hausaufgabe inzwischen erledigt, das klare 4:1 gegen Illertissen ist allerdings, Stand jetzt, ein Ausrufezeichen ohne Wert. Der zweite kosmetische Wechsel bei Regensburg, Luge kommt mit Verspätung für Jann George, der sein Pulver aus der zweiten Reihe nun endgültig verschossen hat. Der wiedergenesene Schiri zeigt an: noch zwei Minuten zittern.

So kann’s die nächsten 120 Sekunden weitergehen, möglichst weit weg vom Regensburger Tor: Hyseni setzt sich überzeugend durch und holt die siebte Ecke – dazwischen das beklatschte Comeback von Thomas Paulus, der Torschütze Kolya Pusch ablöst. Das weiß doch jeder: Wer Zeit hat und führt, führt die Ecke in Fürth kurz aus, sollte dann aber den Ball nicht gleich wieder verlieren. So aber gibt’s nochmal Einwurf für Fürth. Die Zeit ist abgelaufen, worauf wartet Herr Brand? Für den Humpel-Haxen ist’s doch auch besser … Na also, Gesundheit geht vor, der finale Pfiff, der SSV schließt seine erste und hoffentlich letzte Regionalliga-Saison nach dem Abstieg als Meister ab.

Generalprobe mit B-Elf?

Wie geht der Trainer jetzt die Generalprobe am Samstag, 14 Uhr gegen den Tabellendritten Nürnberg II an? „Wir haben viele Spieler drin, die lange verletzt waren, die auch mal eine Pause brauchen“, kündigt Herrlich schon mal eine B-Mannschaft an. „Deshalb werde ich versuchen, so viele wie möglich draußen zu lassen.“ Man müsse zwar achtgeben, die Spannung nicht zu verlieren, aber das habe er gerade in der Kabine mit der Mannschaft besprochen. „Wir wollen ein gutes letztes Spiel machen zu Hause vor unserem eigenen Publikum“, das sei man diesem auch schuldig.

Mit dem Gegner Wolfsburg habe sich Herrlich tatsächlich noch nicht beschäftigt: „Es hätte ja auch sein können, dass wir heute unentschieden spielen und nächste Woche ein Endspiel haben.“ Es hätte keinen Sinn gemacht, Kraft und Aufmerksamkeit für ein „was wäre wenn“ zu vergeuden. „Ich habe natürlich parallel Leute damit beauftragt, sich damit zu beschäftigen, damit wir nicht ganz unvorbereitet sind.“
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