Regensburgs Restmannschaft gegen Schalding-Heining
Wenn 13 Jahnsinnige alles geben

Heiko Herrlich wählt die goldene Mitte: Der Sieg in Burghausen war nicht so toll, dafür das Debakel gegen Haching nicht so desaströs. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
21.04.2016
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Mario Tanzer hatte seinen SV Schalding-Heining beim 0:0-Teilerfolg im Hinspiel schon gut eingestellt. (Foto: dpa)
 
So ein Mist: Hoffnungsträger Marvin Knoll fällt mit Muskelbündelriss bis Ende der Saison aus. (Foto: Sascha Janne)
 
Gefahr für eine Konter-anfällige Hintermannschaft: der pfeilschnelle Michael Pillmeier (rechts). (Foto: dpa)
Regensburg: Continental-Arena |

Welchen SSV Jahn dürfen die erwarteten 4000 Zuschauer, davon rund 500 aus der Passauer Vorstadt, am Freitag, 19 Uhr, bestaunen? Den konzentrierten zu-Null-Jahn von Burghausen oder den fahrlässigen 1:5-Konter-k.o.-SSV vom Pokal-Aus gegen Unterhaching? Gegen Schalding-Heining (16./28 Punkte) kann der launische Spitzenreiter den Vorsprung weiter ausbauen.

„Es gibt leichtere Aufgaben als beim Tabellenführer zu spielen“, weiß natürlich auch Gäste-Coach Mario Tanzer mit Blick auf den drohenden direkten Abstiegsplatz. „Aber es ist egal, wie der Gegner heißt“, aus fünf Spielen müssten seine Burschen noch sieben Punkte holen, um in die Relegation zu kommen. Und die Erinnerung an das Hinspiel kann da schon helfen – ein mühsames 0:0, das Schalding-Heinings Solostürmer Michael Pillmeier kurz vor Schluss sogar für die Niederbayern hätte entscheiden können.

„Gegen Spitzenmannschaften haben wir schon die eine oder andere Überraschung geschafft“, hofft Tanzer auf den Außenseiterbonus. „Unser großes Manko sind die mäßigen Auftritte gegen unsere direkten Mitkonkurrenten.“ Ärgerlich für den 40-Jährigen, der seine Spieler-Karriere vor knapp zehn Jahren bei Jahn II ausklingen ließ: Zu den Langzeitausfällen Dardan Gashi und Adrian Gahabka kommen auch noch René und Maxi Huber hinzu.

Vorbild Sparta

Apropos Lazarett: Nach vorübergehender Entspannung kocht man in Regensburg wieder auf ganz kleiner Flamme: „13 plus ein Torwart“, sagt Jahn-Coach Heiko Herrlich lakonisch, „das reicht – Sie kennen doch sicher auch den Film ,300‘ (Anmerkung der Redaktion: Nicht in der Bibel aber beim griechischen Geschichtsschreiber Herodot kann man nachlesen, wie ein zahlenmäßig deutlich unterlegenes Heer, darunter 300 Spartaner, eine Übermacht der Perser in der mehrtägigen Schlacht bei den Thermopylen zu Beginn des Zweiten Perserkrieges entscheidend aufhalten konnte). Wenn 13 funktionieren und alles geben, dann reicht das.“

Einzug ins Siechenhaus halten nach dem Debakel vom Dienstag nun auch Marvin Knoll, Marcel Hofrath und kurzzeitig auch Fabian Trettenbach. Für Knoll bedeutet der Muskelbündelriss gar das Saisonaus: „Das ist natürlich ärgerlich“, kommentiert Herrlich, „erst ein Faserriss, dann kam er zurück, dann an gleicher Stelle ein Muskelbündelriss – zuletzt hat er einen super Eindruck gemacht im Training, der Verlust tut uns schon richtig weh.“ Bei Marcel Hofraths Muskelfaserriss fehle noch die genaue Prognose. Fabian Trettenbach stehe laut Arzt gegen Bayern II wieder zur Verfügung.

Jugend noch keine Option

Definitiv nicht dabei: „Oli Hein läuft wieder, schießt wieder, und ich gehe davon aus, dass er Montag ins Training einsteigen wird.“ Markus Palionis dagegen habe zwar einen Schlag aufs Knie bekommen, aber: „Da muss schon ein Betonpfeiler auf den fallen, dass der nicht mehr aufsteht – der beißt sich durch.“ Natürlich hätten sich auch die Innenverteidiger mal eine Pause verdient: „Auch Ali Odabas war vier Monate wegen einer Schulterverletzung weg, und der hat fast alle Spiele gemacht und insgesamt einen sehr guten Job.“ Aber Pause ist eben nicht.

Option Jugend? „Wir haben den Seferovic, Sautner und Hierlmeier mit auf die Spielberechtigungsliste gesetzt“, geht der Trainer auf Nummer sicher, „falls jetzt noch etwas passieren sollte“. Schließlich habe auch Thomas Kurz über Wadenprobleme geklagt und sei dann runter vom Platz. Er sei aber gestern schon wieder ausgelaufen und habe signalisiert, dass es bis Freitag wieder gehe. „Wenn das so bleibt bei 13 Feldspieler, würde ich das so lassen.“ Auch, um die zweite Mannschaft nicht zu belasten: „Die hat gestern toll gespielt und 3:0 (in Forchheim) gewonnen und auch noch im Kampf gegen den Abstieg ein wichtiges Spiel am Samstag.“

Taktischer Fehler auf Herrlichs Kappe

Aufarbeitung des Waterloos vom Dienstag abgeschlossen? „Ja, letztendlich schau‘ ich nach vorne.“ Und da der Trainer bisher nicht als Schönredner aufgefallen ist, kann man ihm seine Analyse „nach zwei Tagen Bedenkzeit“ auch glauben – Fazit: Der Sieg in Burghausen war nicht so brillant herausgespielt, wie manche glauben. Und die Klatsche gegen Unterhaching eher eine Verkettung unglücklicher Umstände als ein Totalversagen. Die Theorie zum Mitdenken: „Ich hatte die sechs Spieler vor der Viererkette komplett getauscht habe, weil ich einfach erkannt habe, dass es ein sehr kräftezehrendes Spiel war.“

Die Viererkette habe er – Ausnahme Trettenbach, der sich kurz vorm Spiel verletzte – notgedrungen unverändert belassen.“ Natürlich war mir klar, gegen Steinherr wird das ‘ne schwierige Kiste, wenn Uwe Hesse da spielt. Das war meine Entscheidung, und das war sicher ein taktischer Fehler, den ich auf meine Kappe nehmen muss.“ Zwei schnelle Tore seien über diese Seite gefallen – „ärgerlich, weil die dem Spiel eine Richtung gegeben haben“. Im Nachhinein würde er es nicht nochmal so machen: „Stand jetzt: Hinten rechts plane ich mit Marc Lais.“

Schach statt Ziehharmonika

Dass sich diese Blamage wiederholen könnte, glaubt Herrlich nicht: „Thema Gegenpressing, Durchdecken, Restverteidigung, Konterverhinderung – die Spieler können das besser.“ Das sei aber kein Grund, leichtsinnig zu werden: „Am Freitag ist mit Pillmeier auch wieder ein Spieler dabei, der pfeilschnell ist und wo wir in diesem Bereich halt gut stehen müssen.“ Das bedeute: „Im eigenen Ballbesitz immer schon zwei Schritte vorausdenken – was würde passieren, wenn wir jetzt den Ball verlieren, wie ist die richtige Position, dass wir sofort wieder ins Gegenpressing kommen?“ Rasen-Schach eben.

Und Herrlich geht ins Detail: „Es geht einfach um die Phasen Ballbesitz, Ballverlust, Gegner Ballbesitz – dass du diese Spanne zwischen Ballbesitz und Ballverlust so kurz wie möglich hältst.“ Schon in Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte müsse man sich so positionieren, dass man bei Ballverlust relativ schnell beim Gegenspieler sei, um ins Gegenpressing zu kommen. „Und da, ich übertreibe jetzt, damit man‘s versteht, waren wir teilweise wie eine Ziehharmonika, wir hatten Ballbesitz weit vorne und sind dann nicht dementsprechend nachgerückt.“

Sechs Schaldinger an der Strafraumlinie

Nach vorne schauen, das heißt auch: „Das Ziel war von Anfang an, wieder auf den ersten Platz zu klettern.“ Und jetzt gehe es darum, den ersten Platz zu verteidigen bis Saisonende. Gegen Schalding-Heining sei Herrlich überzeugt, dass jeder der verbliebenen 13 Spieler „genug Bescheid weiß, wie wichtig das am Freitag ist und wie schwer das auch wird“. Stichwort: 0:0 im Hinspiel. In der Feindbeobachtung habe er sich „hauptsächlich konzentriert auf das letzte Auswärtsspiel in Aschaffenburg, wo sie 1:3 verloren haben“.

Dort seien sie teilweise mit sechs Mann auf der Strafraumlinie gestanden und mit dem einzigen Stürmer Pillmeier vorne: „Also, ihre Option ist ganz klar auf Konter zu spielen.“ Und da es am Dienstag mit Konterunterbindung nicht weit her war: „Da müssen wir uns deutlich steigern.“ Dafür sei das Pokal-Halbfinale „offensiv eines unserer besseren Spiele“ gewesen. „Wir hatten zahlreiche Torchancen, auch wenn wir nur eines gemacht haben.“

Eckbälle weiter auf dem Trainingsplan

Ein Eckballverhältnis von 12:4 gegen Unterhaching, und kein Ertrag – da drängt sich die Frage auf: Ja, übt ihr denn so was nicht im Training? Ein müdes Lächeln des Übungsleiters: „Natürlich haben wir Eckbälle speziell geübt und für morgen auch noch mal – auch da gibt‘s Luft nach oben, da gibt‘s viel zu verbessern. Deshalb trainieren wir das ja auch weiter.“ Herrlich nennt aber auch die eine oder andere gelungene kurze Ecke, etwa als Jann George zum Abschluss kam oder Kevin Hoffmanns Pfostenschuss.

„Und wir hatten die Ecke kurz vor Halbzeit gegen Illertissen, als Markus Palionis das Tor reingeköpft hat oder den Standard gegen Burghausen“, erinnert der Trainer an die Sternstunden Regensburger Standards. „Es ist nicht alles schlecht.“ Auch wieder eine Floskel: „Fußball lässt sich eben nicht perfektionieren, sondern nur optimieren.“ Darüber sollte man mal nachdenken: Besser werden kann‘s, aber nie perfekt.

DFB-Pokal via Meisterschaft

Und wo wir schon mal bei theoretischen Fragestellungen sind „Was tut mehr weh, eine Niederlage im Pokal oder in der Meisterschaft? „Ich wollte trotzdem unbedingt weiterkommen, weil ich weiß, wie toll so ein Endspiel sein kann“, wehrt sich Herrlich gegen die Vorstellung, man habe es gegen Haching locker angehen lassen. Und auf die DFB-Pokal-Kracher danach hätte sich eh jeder gefreut: „Unterhaching hat dieses Jahr 3:0 gegen Leipzig gewonnen.“

Der künftige Erstligist hatte die Hürde also auch nicht viel besser gelöst – das dritte hatte den Rasensportlern übrigens jener Steinherr eingeschenkt. „Ich weiß, dass oben alle nur mit Wasser kochen, ich hab‘s ja am eigenen Leib erlebt bei DFB-Pokalspielen.“ Aber der Jahn habe ja noch die Möglichkeit, da mitspielen zu können, wenn er Meister werde. Und nicht nur deshalb: „Das wichtigste ist die Meisterschaft“, auch wenn Heiko Herrlich „die Ziellinie noch nicht sehen“ kann.
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