Sportchef Keller: „Catering-Zustände vom Freitag dürfen so nie wieder eintreten“
Catering-Panne ist Chefsache

Von wegen "Engel-Catering": Lange Schlangen, wenig zu trinken: Die Gastro-Versorgung beim Jahn ist noch keine himmlische Offenbarung. Bilder: Herda/Göpel/Jahn
Sport
Regensburg
20.08.2015
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Matthias Müller (rechts) schützt sein wertvolles Nass. Christian Hölderl bringt seine Erfahrungen aus Kanada ein.
 
Unser investigativer Fotoreporter Harald Göpel.

Über die Fußballer des SSV Jahn kann man derzeit wenig meckern – der Tabellenführer begeistert trotz mancher Kunstpausen die Massen. Wie beim Derby am Freitag, als knapp 13.000 Zuschauer einen packenden 4:3-Sieg feierten. Nur zum Anstoßen gab es leider viel zu wenig, weshalb Sportchef Christian Keller die Pannen beim Catering zur Chefsache erklärte.

Die Pause hatten sich die 22 Akteure am Freitag redlich verdient. Und auch die Fans eilten an diesem schwülen Sommerabend durstig zu den Getränkestanden. Dort erlebten sie freilich Zustände wie in der alten DDR: lange Schlangen vor den Containern, Ebbe bei den meisten Getränken, eine nur mit Höflichkeit als bescheiden zu nennende Auswahl. Und dann auch noch das: Die Zapfanlage war komplett ausgefallen.

Auch das kulinarische Angebot lag vielen Gästen im Magen: „Die Schnitzelsemmel ist so trocken“, sagt Matthias Müller, der nach langem Auslandsaufenthalt erstmals wieder ins Jahn-Stadion gekommen war, „da kann ich mich gleich wieder in die Schlange stellen, um das runterzuspülen.“

Mehr Service für respektable Preise

Christian Hölderl, der aus der Erfahrung kanadischer Eishockey-Arenen spricht, wo weit mehr Zuschauer auf ihre Kosten kommen, versteht die Strategie der Catering-Firma nicht: „Man kann doch nicht mit den paar Ständen 13.000 Zuschauer versorgen – warum schicken die nicht Leute los mit Getränkebechern, dann verkaufen die das Dreifache.“ Angst vor zu hohen Personalkosten? „Ach was, dann müsste am Oktoberfest auch Selbstbedienung sein – die werden das schon durchgerechnet haben, ob sich der Service rentiert.“ Mehr Service würde den durchaus respektablen Preisen auch gut zu Gesichte stehen.

Nicht alle schaffen den Weg zurück zu ihren Plätzen vorm Wiederanpfiff – einige ganz Mutige, die versuchen ihr Mütchen im VIP-Bereich zu kühlen, werden dort rhetorisch abgewatscht. „Wenn hier jeder reinkommen wollte …“, sagt ein hoher Repräsentant des Vereins. „Dann sorgen Sie dafür, dass man auch als Normalsterblicher was zu trinken bekommt, bevor man verdurstet.“ Das Argument zieht nicht, der Vorstoß geht ins Leere.

„Zustände unzumutbar“

Das lässt sich Christian Keller nicht zweimal sagen und setzt zusammen mit dem Betreiber der Continental Arena, den Regensburger Badebetrieben GmbH (RBB) sowie dem Caterer Party-Engel eine Krisensitzung an: „Bleibt zu hoffen, dass die Lernkurve des Caterers dann steil verläuft. Die Catering-Zustände am Freitag scheinen für die Zuschauer wirklich unzumutbar gewesen zu sein und dürfen so nie wieder eintreten.“

„Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass am vergangenen Freitag Dinge passiert sind, die so für die Stadionbesucher nicht akzeptabel sind. Die aufgetretenen Probleme haben vor allem einen technischen Hintergrund. Als Stadionbetreiber sind wir nun in der Pflicht, hier eine Lösung herbeizuführen. Daran arbeiten wir derzeit intensiv.“, so der für den Betrieb verantwortliche Geschäftsführer der Stadtwerke Regensburg GmbH, Manfred Koller.

EVR-erfahrener Caterer

Für das Catering hatte RBB „nach einem umfangreichen Auswahlprozess“ das Unternehmen Party-Engel beauftragt. „Mit der Firma Party-Engel und der Familie Berr haben wir einen im Bereich von Großveranstaltungen sehr erfahrenen Caterer gefunden“, lobt SWR-Geschäftsführerkollege Olaf Hermes die Kompetenz des Gastrounternehmers. „Nicht umsonst wird auch die Donau-Arena seit bereits sieben Jahren bei Veranstaltungen und EVR-Heimspielen durch die Familie Berr bewirtschaftet.“

Der EVR mit seinem Zuschauerschnitt von gut 2000 sind das Eine, die neue Jahn-Arena, die zurzeit fünfstellige Fanzahlen erreicht, das Andere: Auch wenn das Engagement der Berrs außer Frage steht, mit dem Personal bei den Jahn-Spielen hat man bisher kein glückliches Händchen bewiesen. „Die waren doch völlig überfordert“, sagt Harald Göpel, unser Fotoreporter vor Ort. „Gastro-Profis müssen auf den Ansturm in der Pause vorbereitet sein, auch ihre Anlagen testen und wenn wirklich was ausfällt, einen Plan B haben.“

Verbesserungen schon beim nächsten Heimspiel

Das sehen auch die Verantwortlichen so und geloben Besserung. Schon beim kommenden Heimspiel des SSV Jahn am 28. August gegen Bayreuth sollen „neben einer verbesserten Personalkontinuität in den Cateringständen“ mittelfristig in Schulungen „unter anderem die Dienstleistungsorientierung des Personals optimiert werden“. Außerdem, so Geschäftsführerin Sibylle Berr, werde man sich künftig noch besser auf Stoßzeiten, insbesondere auf die Halbzeit, vorbereiten.

„Wir möchten, dass unsere Zuschauer mit dem Besuch eines Jahn-Heimspiels in der Continental Arena ein durchweg positives Gefühl verbinden“, resümiert Sportchef Christian Keller. „Deshalb werden wir den Stadionbetreiber und den Caterer bei der Lösung der festgestellten Catering-Probleme unterstützen. Uns eint das Ziel, dass unsere Zuschauer zufrieden zum Stadion kommen und auch wieder zufrieden nach Hause fahren.“

Barrierefreier Zugang wünschenswert

Dazu gehört auch der barrierefreie Zugang zu den jeweiligen Catering-Ständen zwischen den Blöcken. Viele Fans hatten sich in den Spielen zuvor die Augen gerieben, weil sie in einer ellenlangen Schlange standen, während das Personal im Getränke-Stand des nächsten Blocks gähnte. „In Augsburg können sich die Leute zwischen den Blöcken frei bewegen“, erklärt Reporter Göpel. Und so wäre das auch in Regensburg wünschenswert.

Allerdings stehen dem wohl Sicherheitsbedenken entgegen, wie Jahn-Pressesprecher Till Müller erklärt: „Die sogenannte Sektorentrennung in der Continental Arena besteht selbstverständlich zwischen Heim und Gästebereich. Darüber hinaus gibt es eine Trennung zwischen der Süd- und der Westtribüne, was einerseits sicherheitstechnische Gründe hat, andererseits mit dem möglichst reibungslosen Ablauf der Einlasskontrollen zusammenhängt.“

Der Caterer hat inzwischen eine E-Mail-Adresse eingerichtet, unter der man Kritik und Lob direkt beim Party-Engel platzieren kann: Kritik, Verbesserungsvorschläge, aber auch Lob sind unter feedback@party-engel.de erwünscht. Lob und Kritik für das magere 1:0 (André Luge, 55.) beim Landesligisten TSV Neudrossenfeld in der 3. Runde des BFV-Pokals aber bitte wieder direkt an den SSV Jahn formulieren ...