SpVgg Oberfranken will Jahn Regensburg stoppen
Bayreuth mit Sieg(fried)-Mentalität

Gegen den FC Bayern II. „waren sie super, da waren sie richtig, richtig gut“, fasst Jahn-Coach Chistian Brand seine Erkenntnisse nach der unglücklichen 1:2-Schlappe der Bayreuther beim Nachholspiel am Dienstag zusammen. Bilder: Herda/Göpel/dpa
Sport
Regensburg
27.08.2015
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Gegen den FC Bayern II. „waren sie super, da waren sie richtig, richtig gut“, fasst Jahn-Coach Chistian Brand seine Erkenntnisse nach der unglücklichen 1:2-Schlappe der Bayreuther beim Nachholspiel am Dienstag zusammen. Bilder: Herda/Göpel/dpa
 
Stolz auf seine Mannschaft ist SpVgg-Coach Christoph Starke: „Kämpferisch, läuferisch, taktisch – das war eine sehr, sehr gute Vorstellung“

Großer Kampf, großes Lob: Trotz der unglücklichen 1:2-Schlappe gegen den verspäteten Favoriten Bayern München II. erntete die SpVgg Bayreuth (9 Punkte/8.) hymnische Laudationes: „Da waren sie super, da waren sie richtig, richtig gut“, schwärmt Jahn-Coach Chistian Brand über den Gegner, der sich dem punktverlustfreien Tabellenführer am Freitag, 19 Uhr, wie Wagners Siegfried weiland dem Drachen Fafner entgegenwerfen will.

„Die Bayreuther haben das sehr gut gemacht“, zollte auch FCB-Trainer Heiko Vogel Respekt. Denn schließlich: „Sie haben mich dazu gezwungen, in der zweiten Halbzeit auf eine Viererkette umzustellen.“ Entsprechend stolz ist SpVgg-Coach Christoph Starke: „Kämpferisch, läuferisch, taktisch – das war eine sehr, sehr gute Vorstellung und ein Spektakel für die über 6000 Zuschauer.“

9000 Zuschauer und 6 Treffer im Schnitt

Ein gutes Stichwort, denn Starke weiß: Heimspiele in der neuen Continental Arena sind nicht nur torreich, im Schnitt fast sechs Tore, sondern auch bestens besucht – mit über 9000 Zuschauern im Schnitt. „Wir werden uns von der Atmosphäre tragen lassen“, und vielleicht können wir dadurch nochmal körperlich über uns hinaus wachsen.“

Nach sieben Siegen in Folge sieht Starke die Regensburger „im Moment richtig euphorisiert“. Vielleicht der richtige Moment für eine Spaßbremse? „Es wäre doch nicht schlecht, wenn wir die erste Mannschaft wären, die ihnen einen Punkt abnimmt.“ Mit einem passenden „Spielplan“ hofft der Gast-Trainer, ähnlich gut Paroli zu bieten wie gegen die Bayern. „Das war allererste Sahne von meinen Jungs“, kann sich Starke gar nicht satt reden. „Aber Regensburg ist wieder ein ganz neues Spiel, wir müssen uns wieder alles neu erarbeiten.“

Ein Gespenst geht um – das der Bayern

‚„Erarbeiten“, das ist eine Steilvorlage für Jahn-Trainer Christian Brand. „Die haben Bayern München alles abverlangt, und ich hoffe, dass sie dementsprechend morgen auch etwas müde sein werden“, weiß er seine Mannschaft doch bestens ausgeruht. Dennoch: „Das ist eine sehr disziplinierte Mannschaft“, lobt er weiter, „die hinten sehr gut steht, schnell umschaltet nach vorne und gute Einzelspieler hat – das wird ein sehr schweres Spiel für uns morgen.“

Bei der PK geht immer wieder das Bayern-Gespenst um. Mal möchte jemand wissen, wie Brand die kleinen Bayern einschätze, jetzt, da sie mit Verzögerung in großen Schritten aufholen: „Darüber möchte ich erst sprechen, wenn wir gegen die spielen.“ Mal sorgt sich einer, ob denn nicht schon die großen Bayern in den Köpfen der Spieler rumspukten – da die alten Roten doch schon am 3. September in der Continental-Arena auflaufen. „Ich habe noch gar nichts davon gemerkt“, meint der Trainer lakonisch, „dass da Bayern München in den Köpfen rumschwirrt. Die Mannschaft ist sehr fokussiert, da ist nur Bayreuth in den Köpfen.“

Der Michi-Hofmann-Spuk

Und dann gibt es noch einen Spuk, der bemüht wird: Michael Hofmann, Jahn-Aufstiegsheld 2010/11, kehrt als Reservetorwart der Bayreuther ins Jahnstadion zurück – und der gebürtige Oberfranke hatte sich ja auch schon mal das Maul zerrissen über die Zustände im Verein nach dem Abstieg. Brand kratzt sich unschlüssig: „Ich kenne den nur als Torwart, in seiner Funktion als Kritiker kenne ich ihn gar nicht – da weiß ich auch nichts drüber.“

Er wisse nur, dass er so ungefähr in seinem Alter sei, also fast biblisch für einen Fußballer, genauer 42. „Irgendwann haben wir, glaube ich, mal gegeneinander gespielt.“ Ein guter Torwart sei das und weil der Bayreuther Keeper eine Rote Karte gesehen hätte, müssten sie da jetzt eben einen auf die Bank setzen: „Deshalb setzen sie den Michi Hofmann dahin – vielleicht stellen sie ihn auch ins Tor.“

Rekord oder nicht Rekord – das ist nicht die Frage

Der achte Sieg in Folge, das, so rechnet Regensburgs Radio-Kultmoderator Armin Wolf vor, könne den Startrekord der kleinen Bayern von vor zwei Jahren einstellen – als die erst im neunten Spiel in Bamberg verloren. Ein Anreiz? „Nö, gar nicht“, kräht Brand, „das interessiert mich überhaupt nicht.“ Mann, ist der cool. Zwar nehme er „jedes Spiel mit, das wir gewinnen“, logo, „darüber freue ich mich“, aber „ob Rekord oder nicht Rekord, am Ende entscheidet das wahrscheinlich nicht die Meisterschaft“.

Schließlich werde die am Feld entschieden. Und mit welcher Elf, von wegen, verändere niemals ein siegreiches Team? Wen wundert‘s, dass der Schweiz-Rückkehrer auch da eine eigene Philosophie im Gepäck hat: „Die elf Spieler, die zuletzt gespielt haben? Das ist nicht in Stein gemeißelt.“ Schließlich gelte es, gegen jede neue Mannschaft wieder eine andere taktische Finesse zu finden. „Da gibt es jede Woche wieder eine Möglichkeit, raus oder rein zu rotieren.“

Pech des fitten Kaders

Voraussetzung dazu ist freilich, dass die Rotoren fit sind für die Finessen – und auch da bessert sich die Laune des Übungsleiters von Spieltag zu Spieltag. Zwei Langzeitverletzte, Bastian Nachreiner und Andreas Geipl, ein „kleines Fragezeichen hinter Marcel Hofrath“, den leichte Rückenprobleme plagten. Und ein „Thomas Paulus, der erfreulicherweise diese Woche voll mittrainiert hat“, für den es aber noch zu früh sei, um ihn mit in den Kader zu nehmen. „Obwohl er es wirklich gut macht und man merkt sofort, dass er eine gewisse Präsenz hat.“ Die tue der Truppe gut: „Wenn da jemand ist, der schon ein bisschen was gesehen hat.“

Das Pech des fitten Kaders habe dagegen Ali Odabas: Der sei nach seiner Schulterverletzung „aus der Mannschaft herausgerutscht, Thomas Kurz auf die Innenverteidigerposition reingerutscht und wir haben den Marc Lais für die 6er Position geholt“. Im Moment brauche der einfach etwas Geduld: „Er hat zuletzt in der U23 gespielt, das ist sicher einer der Härtefälle momentan.“ Er sei ein junger Spieler aus der Oberliga, und habe das zu Beginn, richtig, richtig gut gemacht. „Jetzt muss er sich halt wieder aufdrängen und warten, dass etwas passiert.“

Bewerbung für die freie Stürmerposition

Das Training in dieser Woche habe unter zwei Prämissen gestanden: „Ein bisschen Automatismen einüben und dann auch wieder viel Torabschluss.“ Apropos: „Da hatten wir noch zwei Testspieler für die vakante freie Stürmerposition.“ Allzu gründlich habe man denen noch nicht auf den Zahn fühlen können: „Wir haben den Abschluss trainiert, um mal zu sehen, wie ist so die Abschlusstechnik – was ja relativ entscheidend ist für einen Stürmer.“ Da kann man nicht wiedersprechen. Und dann noch die Frage: „Wie bewegen die sich so?“

Auf den ersten Eindruck: „Die haben ihre Sache ganz ordentlich gemacht“, sagt Brand defensiv. Denn: Beide sind vereinslos, was die Gefahr berge, „dass man Spieler bekommt, die überhaupt nicht im Trainingsrhythmus sind“. Zum jetzigen Zeitpunkt der Saison bedeute das: „Da ist der Rückstand auf die laufenden Pferde schon noch gewaltig.“ Bis zum Ende der Hinrunde wäre das dann so ein Angaloppieren, damit die Jungs so ein bisschen aufholen könnten. „Frühestens zu den beiden letzten Vorrundenspielen kann man hoffen, dass die Jungs dann auf den Stand sind, wo sie helfen.“

Jetzt will man natürlich noch wissen: Von wem reden wir eigentlich?

„Das ist einmal der Sabrin Sburlea“, ein 26-jähriger Rumäne mit Rapid Bukarest-Vergangenheit, der zuletzt bei Hansa Rostock spielte.
„Der andere ist der Aleksandre Karapetian“, ein armenischer Nationalspieler, der nach einer Station bei Luxemburgs Düdelingen zum Zweitligaabsteiger Erzgebirge Aue wechselte.
Und dann ist es doch wieder da, das Bayern-Gespenst: „Wenn es gut läuft“, raunt Brand, „kann es sein, dass sie gegen Bayern München jeweils eine Halbzeit mit dabei sind.“

Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Es wurde viel geschrieben und geredet in den vergangenen zwei Jahren über Sinn und Unsinn einer zweitligareifen Geschäftsstelle. Aus der wieder tönte es oft: „Hier wird rund um die Uhr gearbeitet." Nun, wir können nicht beurteilen, ob dort alle der 24/7/365-Regel unterliegen. schließlich sitzt man selbst – Blick auf die Uhr: 0.11 Uhr – oft genug in der Schreibstube.

Aber wer nun wirklich immer und jederzeit zu erreichen ist und Informationen ausspukt wie sonst nur noch der Vulkan Ätna in Europa, das ist Pressesprecher Till Müller. Ohne ihn wäre zumindest die Pressewelt ärmer. Danke, Till, wia schreim fia di!