Stippvisite in der Arena kurz vor der Nagelprobe
Rot-weiße Hoffnung an der A3

Jahn-Präsident Hans Rothammer präsentiert stolz die neue Arena. Bilder: Herda
Sport
Regensburg
10.07.2015
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Jahn-Präsident Hans Rothammer präsentiert stolz die neue Arena. Bilder: Herda

Die Nervosität auf der Baustelle der neuen Continental-Arena im Regensburger Süden war zu spüren. Jahn-Präsident Hans Rothammer hatte alle Mühe, uns einen Weg durch die Absperrungen zu bahnen. Erst der Bauleiter gestattete die Stippvisite.

"Die stehen alle unter Strom", erklärt Rothammer bei der exklusiven Führung für unsere Zeitung kurz vor der Eröffnung. Bei Temperaturen wie in Katar schuften die Bauarbeiter im Schweiße ihres Angesichts, um die "Schlüsselübergabe" am 6. Juli, in trockene Tücher zu bekommen. Am Montag war es soweit: Bauunternehmer BAM Sports GmbH übergab die Arena offiziell an die Stadt Regensburg.

Schon bei unserem Rundgang war ein großer Teil des Mammutprojekts gestemmt: die Sitzplätze natürlich längst montiert, die Lautsprecheranlage am Stadiondach befestigt, Anzeigetafeln fest verankert, Trainerbänke stationiert, die umlaufende Stadionbande mit dem Continental-Schriftzug aufgebaut, die Räume gereinigt, Bauschutt und Müll entsorgt. In der hygienisch gereinigten Gastronomie wurde bereits mit dem Probekochen begonnen, um die Funktionsfähigkeit der Großküche zu testen.

"Ich stelle immer fest, dass es ein richtiger emotionaler Dammbruch ist, wenn ich die Leute durch die Räume im neuen Stadion führe", blickt Rothammer stolz durch die Glastür im Gastrobereich. "Das Erlebnis Fußball lässt sich ganz anders verkaufen." Schon heute verzeichne der Verein deutlich mehr Einnahmen als in der Zweiten Liga - ohne die Fernsehgelder. "Das ist eine Riesenleistung und noch nicht das Ende der Fahnenstange."

Ab Donnerstag bezogen die Regensburger Badebetriebe (RBB) als Stadionbetreiber ihre Geschäftsräume, Hauptmieter Jahn Regensburg folgte am Wochenende. "Am Samstag, 11. Juli, wird der Fanshop in der Arena eröffnen", freut sich der Klub-Boss. Potenziellen Käufern von Jahn-Trikots und SSV-Uhren wird noch rechtzeitig am Freitag der Weg gewiesen: Dann soll die Parkplatzbeschilderung angebracht werden.

Glück im Unglück

Dass die Eröffnung des neuen Stadions mit dem Absturz in die Regionalliga Bayern zusammenfällt, ist nach Meinung Rothammers "Glück im Unglück". Schließlich stünde man ohne den Run auf das neue "Erlebnis Fußball" ziemlich blank da. "Wir hätten uns ansonsten sehr schwer getan, Sponsoren zu begeistern", gibt der Regensburger Steuerberater zu. Die Mehreinnahmen gehen deshalb vor allem auf das Konto des rot-weißen Schmuckstücks an der Autobahn.

"Der Jahn hatte in der 2. Liga ein Sponsoringvolumen von 1,5 Millionen Euro", verdeutlicht Sportchef Christian Keller die Dimensionen. "Im vergangenen Jahr mit der Perspektive neue Spielstätte waren es 2 Millionen." Im Wettbewerb in der 3. Liga sei das noch immer zu wenig gewesen, weil dort durchschnittlich mit etwa 4 Millionen Euro kalkuliert würde. "Es ist auch als Standard für Regensburg zu gering, wo die Wirtschaft boomt", findet Keller. "Wir müssen die Unternehmen noch besser erreichen." Wenn es dann noch gelänge, 1000 VIP-Plätze zu verkaufen - die Jahreskarte kostet in der Regionalliga 180 Euro - dann wären das 1,8 Millionen Euro. "Das schaffen wir dieses Mal nicht", sagt Keller, "ein Drittel wäre schon gut. Die Nachfrage im Businessbereich ist sehr solide."

Schön geredeter Absturz?

Ob sich die Verantwortlichen die Lage nach dem Absturz schön reden? Schwer zu sagen, jedenfalls meint der Vorstandsvorsitzende: "Man spürt bei Gesprächen mit Sponsoren, dass die Ruhe und Kontinuität im Verein positiv ausgelegt wird - für manche war das sogar ein Grund, wieder zurückzukehren, nachdem sie vor Jahren ausgestiegen waren."

Das Problem in Regensburg sei, dass es keinen großen Player gebe, der sich wie Audi in Ingolstadt engagiere. "Wir müssen das Budget mit mittleren und kleineren Beträgen stemmen." Das könne mittelfristig aber auch eine Stärke sein, die unabhängiger macht: "Was ist denn, wenn morgen bei VW Vorstandschef Winterkorn abgesägt wird und der Nachfolger sagt, wir steigen aus beim VfL Wolfsburg?"
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