Sturmlauf auf Bayreuther Tor nur tabellarisch belohnt
Jahn Regensburg mit Nullnummer an die Spitze

SpVgg-Keeper Erik Arkenberg rauscht unsanft in Ali Odabas. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
19.03.2016
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Kein Spiel für Weicheier: Thomas Kurz tröstet Alexander Nandzik. (Foto: Sascha Janne)
 
Auch Kolya Pusch bekommt was auf die Hufen. (Foto: Sascha Janne)
 
Freundchen Ziereis zur Brust genommen. (Foto: Sascha Janne)
Bayreuth: Hans-Walter-Wild-Stadion |

Der Respekt der Hausherren äußert sich in vielen kleinen Demutsbekundungen: Befreiungsschläge, Bälle vom Keeper auf die Regensburger, und viel Zeitspiel hinten raus. Gemischte Gefühle nach dem Abpfiff: Es war mehr drin für die Gäste, aber durch Burghausens 0:1 gegen Greuther-Fürth II dennoch zurück an der Spitze.

„Es war ein 0:0 der guten Art“, bilanziert SpVgg-Trainer Christoph Starke nachher auf der Pressekonferenz, „und Regensburg wird seinen Weg gehen, da bin ich mir ganz sicher“. Der Ex-Bamberger ist angetan von der neuen Stärke der Gäste: „Gratulation an Heiko, das ist kein Vergleich mehr zum alten Jahr in der Endphase der Hinrunde.“

Alles abverlangt

Der Jahn habe seinem Team heute alles abverlangt. „Was wir bringen konnten, haben wir dagegen gestellt.“ Nicht so gut wie in Ingolstadt hätten die Gastgeber ihre Konter ausgespielt: „Das hat natürlich auch etwas mit Regensburg zu tun. Es ist wirklich schwer, wenn du permanent unter Druck bist. Wenn es heute einen Sieger hätte geben dürfen, dann wäre es Regensburg.“

Heiko Herrlich sah „das erwartete Kampfspiel“, Bayreuth sei eine sehr unangenehme Mannschaft. Deshalb sei er mit der Leistung seiner Mannschaft „sehr einverstanden“: „Wir hatten in der ersten Halbzeit drei gute Chancen, in der zweiten noch einmal drei, mit dem Lattenschuss und dem Nachschuss von Jann George.“

Zwei Punkte verloren?

Defensiv habe der SSV „im ganzen Spiel so gut wie nichts zugelassen“. „Jetzt kann man sagen, okay, wir haben zwei Punkte vielleicht verloren, weil das Spiel hätten wir gewinnen müssen, aber ich bin mit dem 0:0 zufrieden.“ Nach 27 Gegentreffern bis zur Winterpause sei das jetzt „unser zweites Spiel hintereinander zu Null – und ich denke, wenn die Leistung so bleibt, werden wir uns auch wieder mit Siegen belohnen“.

Es bleibt dabei, Jahn-Coach Heiko Herrlich dreht nur wenig an den Stellschrauben und nur wenn er muss: Um an den letzten Auswärtssieg vom 6. September im Grünwalder Stadion bei 1860 München II. anzuknüpfen postiert er vor dem wiedergenesenen Torwart Philipp Pentke eine Viererkette mit Alexander Nandzik, Ali Odabas, Markus Palionis und Oli Hein – im Mittelfeld ergänzt Uwe Hesse für den verletzten André Luge das gesetzte Trio um Andi Geipl, Kolja Pusch und Michael Faber. Vorne sollen es wieder Markus Ziereis und Haris Hyseni richten.

Mauerbrecher aus der Ferne

Heroisch kann Bayreuth schon immer: Zweieinhalb Kilometer südlich vom Festspielhaus ertönt im Hans-Walter-Wild-Stadion eine Art modernisierter Walkürenritt als die Teams auflaufen: Bayreuther Fans zeigen Farbe, gelber Rauch zieht durchs Stadion. Der Fürther Stadtrand-Schiedsrichter Benjamin Cortus (TSV Burgfarrnbach) ignoriert das und pfeift das Duell an.

Der SSV ganz in Rot beginnt bei nordbayerisch frischen Temperaturen stürmisch: Kolja Puschs versucht’s gleich mal aus der Distanz, um die Bayreuther gleich mal klarzumachen, dass Mauerbauen auch keine Lösung ist – den Abpraller schlenzt Markus Ziereis aus der Drehung über den Kasten. Auch Andi Geipl versucht es aus der zweiten Reihe: Bayreuths Keeper Erik Arkenberg bekommt noch die Finger an den Kracher aus 20 Metern (12.).

Tollkühn geht anders

Tollkühner Siegfried geht anders. Die SpVgg Oberfranken spielt hier eher wie die Sirenen – den Gegner einlullen, bis zur Mittellinie völlig ignorieren, erst wenn sich die Regensburger dem eigenen Felsen nähern, gelbschwarze Flagge zeigen. Aber der Tabellenzweite nutzt die Freiräume nur unzureichend, Fehlpässe entlasten Bayreuths kompakte Abwehrformation.

Erstes Malheur Michael Faber hat sich nach einem Zusammenstoß mit dem heimischen Top-Stürmer Anton Makarenko am Rücken verletzt – die beiden Kontrahenten müssen schon nach 20 Minuten aufgeben: Tayfun Özdemir ersetzt den Kollegen aus der Ukraine, Daniel Schöpf kommt für Faber. Der ist noch keine zwei Minuten auf dem Platz, als er mit einem dummer Trikotzupfer eine gelbe Karte kassiert – kann man zeigen, ein taktisches Foul.

Kein Türöffner zum Tor

Tayfun ist hoffentlich kein Omen: Özdemir schon Regensburger Strafraum, Querpass, aber Wiesel Nandzik kann zur Ecke klären (25.). Auf der anderen Seite setzt Ziereis im Mittelfeld Sportsfreund Hyseni in Szene, der Deutschkosovare lässt im 16er den ersten Kontrahenten stehen, aber vor dem Einnetzen wirft sich noch ein Zerstörer dazwischen (28.).

Oli Hein übernimmt hier wie so oft zuletzt auf seiner rechten Seite die Initiative: Den Freistoß aus 20 Metern halbrechts schlägt er hoch in den Strafraum, Hesse ist mit Hinterkopf dran, knapp daneben (30.). Noch eine Flanke der Nummer 17 auf Odabas, aber Keeper Arkenberg reißt den Regensburger Abwehrmann mit um – der Deutschtürke kann weitermachen. Jetzt versucht sich Ziereis als Türöffner, will durchstecken, Hesse grätscht in den zweiten Ball, aber auch in Philipp Hannemann – was der gar nicht komisch findet, da geraten die zwei aneinander … (35.).

Nachdenken über 4-Punkte-Regelung

Schreckmoment für Andi Geipl, der von Kristian Böhnlein im Mittelkreis umgerammt wird, bleibt liegen, haut mit der Faust in den Rasen – hoffentlich nicht wieder das Knie. Die Nummer 8 muss regelkonform erst mal raus, es scheint aber weiterzugehen für den 23-Jährigen. Bayreuth wird die letzten fünf Minuten vor der Pause etwas aktiver: Aber erst schießen sie Nandzik an, und beim zweiten Anlauf wirft sich Odabas mutig in den Weg (43.). So soll man es ja gerade nicht machen: Hesse klärt in die Mitte, aber schon ist Ball wieder weg, Getümmel im Mittelfeld – und dann spielt der Gastgeber unbedrängt ins Aus.

Wenig Konzept zu sehen im Moment. Zeit, über eine neue Studie nachzudenken: Wissenschaftler rechneten nach, dass die Einführung der Drei-Punkte-Regelung kaum Fortschritte gebracht hat beim Vermeiden feiger Unentschieden – ihr Vorschlag: 4 Punkte für den Sieg. Dann sollte aber jetzt mal die 5. Jahn-Ecke kurz vor der Pause mal sitzen, Illertissen lässt grüßen … das war nix. Noch ein Freistoß von Geipl und die nächste Ecke – Stürmerfoul Odabas, Pause.

Auftrag Auswärtssieg Teil 2

Es geht weiter Richtung Bayreuther Tor. Starker Einsatz von Pusch, der sich nach Ballverlust von Hesse die Kugel zurückholt, Hyseni wieder auf Hesse – abgepfiffen, Schiri Carus will ein hohes Ballettbein von Ziereis gesehen haben (48.). Erneut Pusch auf Hesse, der lässt zwei stehen, steckt auf Pusch durch, aber der haut weit drüber … (54.). SpVgg-Trainer Starke reagiert und bringt Michael Seiter für den Gelb-belasteten Böhnlein.

Das wär’s gewesen, Hyseni tankt sich in den Strafraum, aber Schiri Cortus pfeift Stürmerfoul, weil der Mittelstürmer sein Bein ganz lang macht. Geipl hat’s heute auch nicht leicht, wieder wird er gelegt, der nächste Freistoß. Pusch steht bereit, zentral 30 Meter, Bayreuth klärt den ersten Ball. Ziereis kommt über rechts, Flanke auf Pusch, der trifft die Kugel nicht richtig. Neuer Anlauf über Hein und Hesse, wieder zu ungenau. Ein Powerplay ohne zwingende Situationen.

Arkenbergs Bogenlampe hinters eigene Tor

Viel Klein-Klein in der Bayreuther Hälfte: Hesse über rechts, Hein, Nandzik, Pusch, Ziereis auf Geipel – und dann unterbindet Geipel nach Ballverlust den Konter. Klar, der Jahn hat mehr Ballbesitz, drängt Bayreuth in die eigene Hälfte, aber noch macht Regensburg zu wenig daraus. Nandzik fräst sich in den Strafraum, bringt die Kugel auf Hyseni, aber wieder klärt ein Bayreuther ins Aus (60.).

Die SpVgg lauert auf Konter, aber das zarte Pflänzchen Hoffnung verkümmert im Abseits. Ansonsten profiliert sich Bayreuth hauptsächlich durch Befreiungsschläge ins Nirwana. Jetzt mal Hyseni, der bei seinen bisherigen zwei Punktspielen zuverlässig traf – abgefälschter Hammer, Ecke Hein, zu weit und abgepfiffen. Mal was fürs Kuriositätenkabinett: Keeper Arkenberg erschrickt vor dem anlaufenden Schöpf und verschlägt die Kugel mit 180-Grad-Effet hinter sein Tor – die fällige Ecke fängt er sicher ab (68.).

George kommt für „Acker“ Hesse

Schöpf erkämpft die nächste Ecke für Oli Hein: Alle Großen sind vorne, aber es klappt einfach nicht mit der neuen Standardstärke. Pusch läuft noch einmal an und bekommt die nächste Ecke – die Zeit läuft, noch 15 Minuten. Der Jahn ist fleißig, der Jahn ist willig, aber vorm Tor ist das alles zu ungenau. SpVgg-Keeper Arkenberg hat’s nicht so mit dem Abschlag, der bringt er direkt auf Pusch, schnell weiter auf Hyseni, der versucht’s direkt – volley ins Aus (78.).

Geipl auf Hyseni, der legt für Nandzik auf, sein Lupfer wird länger und länger, Ecke – die kommt scharf auf den Fünfer, aber auf den Rücken eines Bayreuthers. Auch nicht schlecht: Kapitän Palionis schießt sich selbst an, Einwurf für die Hausherren auf Höhe der Mittellinie. Neue Ideen sind gefragt, Jann George darf sich für Uwe Hesse bewähren, der viel geackert hat, aber der große Durchbruch war’s noch nicht. Pusch, Hein, Pusch, Hein – wo soll er hinspielen, immer wieder bringt ein Gelber seine Stutzen dazwischen.

Hysenis Lattenkracher zu wenig

Mal eine ganz neue Situation für die Hausherren, ein eigener Freistoß 30 Meter zentral: direkt ins Aus (79.), aber da war noch ein Regensburger dran. Ecke, geklärt, aber auch der wird Konteransatz im Keim erstickt. Unverhofft kommt heute nicht oft – umso bitterer für den Jahn: Hyseni plötzlich frei am Elfmeterpunkt drischt das Ding an die Latte, George im Nachfassen mit dem Kopf in Arkenbergs Arme (80.) … Marcel Hofraths Premiere unter Heiko Herrlich steht bevor – macht er den Lais?

Oha, Schöpf muss schon wieder raus – dabei war er eigentlich ein Aktivposten, das wird nichts Persönliches sein. Langer Ball von Nandzik auf Hyseni, dann Geipl auf George, der wird gefoult … Freistoß Hofrath: direkt drüber. Das gleiche Spiel noch einmal von der anderen Seite: Oli Hein legt sich die Kugel zurecht – und zieht direkt in die Arme von Arkenberg (83.). Ziereis spritzt fast noch in den Abschlag des Keepers – der tschechische 2-Meter-Hüne, der über Weiden II den Weg nach Deutschland fand, hat Nerven.

Absetzbewegung verpasst

Schlussakt: Wer soll jetzt noch den Fluch Alberichs brechen? Geipl steckt auf George durch, der wird geblockt, Einwurf bei der Eckfahne. Im dritten Anlauf kommt das Ding endlich mal herein, aber Ziereis köpft drüber (87.). Wahnsinn, diese Abschläge des Keepers: Ziereis bekommt den Ball serviert, aber er holt nur einen Einwurf. Hein tankt sich durch, Ecke Nummer ungezählt – alles auch die kommt wieder zu ungenau.

Einwurf Nähe Eckfahne: Oli Hein wirft zum gefühlt zehnten Mal weit in den Strafraum, George trifft nicht richtig. Einwurf Bayreuth, die Gelb-Schwarzen lassen sich sehr viel Zeit. Pusch noch einmal mit dem Kopf dazwischen. George zirkelt die Kugel nach vorne auf Hyseni, der den Ball im 16er nicht unter Kontrolle bringt. Schiri Cortus pfeift nach 93 Minuten ab, Jubel auf der Tribüne, Kopfschütteln und Achselzucken bei den Regensburgern – Tabellenspitze gewonnen, Absetzbewegung verpasst.

Fernduell ausgeblendet

Am Gründonnerstag, 19 Uhr, kann und muss der SSV Jahn gegen die Zwerglöwen (8./35) Burghausen weiter unter Druck setzen. Denn die spielen bei Nürnberg II (3./44), das nur 3 Punkte Rückstand auf das Führungsduo hat. Und klar, Heiko Herrlich verschwendet keinen Gedanken an das Fernduell: „Ich schaue von Spiel zu Spiel nach dem Beppo-Prinzip, der Straßenkehrer in Momo.“ Ab morgen geht‘s nur noch um die Vorbereitung für das Spiel gegen 1860 München: „Die habe ich gestern beobachtet beim 0:0 gegen Ingolstadt, eine sehr unangenehme Mannschaft, da wollen wir die 3 Punkte einfahren.“

Kollege Starke aber macht dem Jahn schon mal Mut: „Ganz witzig, beim letzten Spiel ist Burghausen bei uns zu Gast – da kannst du dann schon mal anrufen, Heiko.“

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Polizeibericht zum Thema:Randale nach Regionalligaspiel - mehrere Verletzte
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