Unterhaching kontert im Pokal Regensburg gnadenlos aus
Fremdschämen mit dem SSV Jahn

Zum Schluss am Boden zerstört: Ein 1:5 gegen Unterhaching muss man erstmal verdauen. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
20.04.2016
383
0
 
Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte wenige Probleme mit der Partie.
 
Nicht schon wieder: Jetzt zwickt's im anderen Oberschenkel, Marvin Knoll musste schon in der ersten Halbzeit aufgeben. (Foto: Sascha Janne)
Regensburg: Continental-Arena |

Bei diesem Ergebnis möchte man sich als Regensburger in Grund und Boden schämen: Im Halbfinale des Toto-Pokals verliert der SSV Jahn gegen den Ligarivalen und Abstiegskollegen Unterhaching nach zwei Siegen in der Liga mit 1:5. Hört sich nach Desaster an – kaum zu glauben: Selbst Gäste-Trainer Claus Schromm lobt den Verlierer, „Ein unglaublich dynamischer, unglaublich engagierter Auftritt von euch!“

„Für die Halbzeit hab‘ ich mir auf meinen Zettel geschrieben, 8. Spielminute 0:1, ein Witz, drei Ausrufezeichen“, gibt Claus Schromm tiefe Einblicke. „Es war, glaube ich, unsere allererste Chance, ihr hattet schon drei Riesenchancen!“ Und so sah der Coach der SpVgg Unterhaching auch zwischen den Toren in der ersten Halbzeit meist die Gastgeber spielen: „Insofern ist das deutlich zu hoch.“

Dennoch ist er natürlich froh, ins Finale eingezogen zu sein. Trost für die Regensburger: „Ich wünsche euch einfach mal eine schöne Meisterschaft und somit auch den Pokaleinzug.“ Und anschließend würden die Münchener Vorstädter Daumen drücken, wenn es gegen den Nordrivalen geht und danach in der Dritten Liga. Setzt freilich voraus, dass das Debakel am Dienstagabend tatsächlich nur ein Betriebsunfall bleibt.

„Riesige Enttäuschung“

„Nach einem 1:5“, sagt Heiko Herrlich mit belegter Stimme, „das ist schwierig zu erklären – natürlich eine riesige Enttäuschung.“ Keinesfalls habe man mit Rücksicht auf die Meisterschaft mit angezogener Handbremse spielen wollen: „Wir wollten natürlich ins Endspiel, das haben wir nicht geschafft.“

Dazu kommen weitere Personalsorgen: „Wir mussten kurz vorm Spiel auf Fabi Trettenbach verzichten, der hat eine Verhärtung.“ Marvin Knoll musste bereits nach kurzer Zeit das Handtuch werfen: „Ein Ziehen im anderen Oberschenkel – natürlich sehr bitter für uns.“ Die Folge: Für Trettenbach muss Uwe Hesse als rechter Verteidiger auflaufen – eine Position, die ihm schon öfter gründlich danebenging.

Vielleicht die spielentscheidende Personalie, denn nachdem der Jahn gut ins Spiel gekommen ist, schafft es der gelernte Offensivmann nicht, die Flanke auf Thomas Steinherr zu verteidigen: „Uwe ist kein gelernter Rechtsverteidiger, kein Vorwurf, ich denke, er hat sein Bestes gegeben.“ Es ging Schlag auf Schlag: „Zwei Kontersituationen, zweimal über Steinherr, der überragend war, das war schwer zu verteidigen“, gesteht Herrlich.

„Ich trag‘ dafür natürlich die Verantwortung“

Seine Mannschaft habe trotzdem versucht, immer weiter nach vorne zu spielen. „Selbst beim 0:3 und 1:4 hatte ich noch die Hoffnung, wenn wir vielleicht das zweite machen, dass wir das Spiel vielleicht noch mal drehen können.“ Natürlich habe man dann mit unheimlich viel Risiko gespielt. „Am Ende das 1:5 – Thomas Kurz hat noch geklagt, dass die Wade zugemacht hat“, und dann ist der Ball schon wieder im Kasten. „Glückwunsch an Unterhaching, wir sind brutal ausgekontert worden.“

Die Tore seien gefallen, weil das Umschaltspiel nicht gut gewesen sei: „Ich trag‘ dafür natürlich die Verantwortung.“ Aber auch nach dem Spiel würde Herrlich nochmal genauso aufstellen. „Ich denke, die ersten zwei Tore waren zu verteidigen, und nach vorne haben wir kein schlechtes Spiel gemacht.“ Man habe zahlreiche Möglichkeiten rausgespielt, aber „das lässt sich jetzt natürlich nur schwer verkaufen, wenn du 1:5 zu Hause verloren hast“.

Fußball paradox

Der SSV beginnt mit einigen Veränderungen – zum Teil verletzungsbedingt, zum Teil, um die beanspruchten Vielspieler zu schonen: Pentke – Nandzik, Odabas, Palionis, Hesse – Knoll, Kurz – George, Hoffmann, Jünger – Hyseni.

Fußball paradox: Der Jahn macht das Spiel, Unterhaching die Tore, vielmehr ein Herr aus Stein: Flanke von Koch, Steinherr nickt ein (8.). Schneller Angriff über links, Steinherr zieht in den Sechszehner und schlenzt das Ding ins lange Eck (12.). Konter Nummer drei, Bigalke auf Lux, der aus 5 Metern einschiebt (16.).

Nach einer halben Stunde hat der SSV ein Eckenverhältnis von 7:0 – zahlreiche Großchancen inklusive:
Kurze Ecke, Kurz von der Strafraumgrenze knapp vorbei (7.).
Ecke Hofmann, Hyseni köpft aus zehn Metern knapp rechts vorbei (20.)
Flanke von rechts, George rutscht vorbei, Lais scheitert allein vor Marinovic (25.)

Ein Törchen nach so viel Aufwand

Haching wartet ab und trifft weiter: Natürlich wieder rasant über Steinherr und Lux, Bigalke zieht ab, Odabas wirft sich dazwischen, kommt mit der Hand ans Spielgerät – Winkler verwandelt den Strafstoß problemlos zum 0:4 (30.).

Die Regensburger versuchen es weiter tapfer nach vorn: Hyseni legt mit Hacke für George auf, der von der Strafraumkante drüberballert (40.). Kurz versemmelt eine Freistoßflanke freistehend per Kopf (43.). Und dann endlich belohnt sich der Gastgeber für seinen Aufwand mit einem Törchen: Erst scheitert Jünger volley am Keeper, dann staubt Kurz zum 1:4 ab (48.).

Effizienz aus Oberbayern

Hälfte zwei beginnt wieder mit Jahn-Attacken: Marinovic kann einen Freistoß von George aus 25 Metern erst im Nachfassen festhalten (51.). Hoffmann hält nach kurzer Ecke drauf, Außenpfosten (53.).

Effizienz, dein Name ist Hachings Steinherr: Der haut sich links durch, legt für Lux ab, Pentke zum ersten Mal nicht ganz perfekt – er ist dran, aber die Kugel trotzdem drin, 1:5, was für ein Debakel (66.). Heiko Herrlich hat seine Jungs immer noch nicht aufgegeben – zumindest will er hier nicht ohne Gegenwehr untergehen: Er bringt Ziereis für Kurz.

Kein Wunder an der A3

Aber wenn man selbst solche Hochkaräter nicht reinbringt, kann man kein Wunder an der A3 erwarten: Hyseni spitzelt allein vorm Keeper den Ball an diesem vorbei, aber Teffertshofer grätscht die Kugel von der Linie (77.). Und nach 91 Minuten beendet Schiri Wolfgang Stark die schwarze Komödie in der Conti-Arena.

Es bleiben drei Tage, um diese Blamage, die zum Glück nur knapp 1200 Zuschauer sehen wollten, aus den Jahn-Trikots zu schütteln. Am Freitag, 19 Uhr, gegen die abstiegsgefährdeten Niederbayern aus Schalding-Heining muss der Jahn Heiko Herrlichs Worte von der PK beherzigen: „Jetzt können wir uns voll auf die Meisterschaft konzentrieren und den ersten Platz mit aller Macht verteidigen.“

Genau umgekehrt geht’s bei den Gästen weiter: „Unser großes Ziel ist natürlich, nachdem wir die Lizenz nicht beantragt haben, weil wir es wirtschaftlich gar nicht drauf haben, der Pokal.“ Claus Schromm würde sich aus dem Duell im zweiten Halbfinale am Mittwoch zwischen Memmingen und Würzburg im Zweifel den Drittligisten wünschen: „Erstens hätten wir dann ein Heimspiel, zweitens kommen wir auf jeden Fall in die Hauptrunde, wenn Würzburg Dritter bleibt.“
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.