Verletzungssorgen vor Auftakt gegen Augsburg
Jahn hat genügend PS

Endlich wieder am Spielfeldrand: Heiko Herrlich will nach durchwachsener Vorbereitung den Sieg im ersten Rückrunden-Punktspiel einfahren. (Foto: dpa)
Sport
Regensburg
25.02.2016
500
0
 
2008 war's vorbei bei Borussia Dortmund: Christian Wörns wird vor dem Spiel gegen Wolfsburg verabschiedet. Bild: dpa (Foto: dpa)
 
Die Fahne des FCA: Da war doch was im Hinspiel ...

Übermütig dürften die Regensburger vor dem Rückrundenauftakt am Samstag, 14 Uhr, gegen den Vorletzten Augsburg kaum werden: Bei den Testspielen unter dem neuen Coach Heiko Herrlich gab es nur einen knappen Sieg – und die U23 der Schwaben meldete sich mit einem 4:1 gegen Ingolstadt furios zurück in der Regionalliga Bayern.



Die beiden Kontrahenten am Spielfeldrand kennen sich gut: beide aus Mannheim, beide zu ihren Glanzzeiten bei Borussia Dortmund. Christian Wörns hat aber Sportsfreund Heiko Herrlich eines voraus – das Debüt mit seiner neuen Mannschaft lief ausgesprochen gut: „Ich bin mit dem ersten Spiel sehr zufrieden“, näselt der Ex-Nationalspieler, „weil man trotz einer guten Vorbereitung nie genau weiß, wo man steht.“ Das 4:1 gegen Ingolstadt, immerhin Tabellen-Siebter, sei immens wichtig für Selbstvertrauen, Glaube und Moral.

„Das Spiel war ein Kampfspiel“, findet Wörns, „eigentlich möchte ich spielerisch noch mehr sehen, aber das war bei dieser Begegnung nicht gefragt.“ Man habe gegen einen guten Gegner auch manchmal etwas Glück gehabt, aber: „Wir haben eine unglaubliche Mentalität und Gier an den Tag gelegt.“

„Das wird ein Geduldsspiel“

Jahns neuer Coach freut sich über die geglückte Premiere des Kumpels – aber nicht nur, weil er dem Kollegen alles Gute beim noch-Weinzierl-Club wünschen würde: „Es ist gut, dass man nach dem 4:1 nicht denkt, dass man das so im Vorbeigehen mitnimmt.“ Schon im Hinspiel habe man sich beim glücklichen 1:0 hart getan und Augsburg habe zum Schluss nochmal die Riesenchance zum Ausgleich gehabt. „Das wird ein Geduldsspiel, wo man lange warten muss und das Spiel vielleicht erst hintenraus in der zweiten Hälfte entschieden wird.“

Herrlich beobachtete die Schwabentalente bereits vor zwei Wochen beim 2:2 in Unterföhring: „Man konnte schon sehen, dass sie versuchen, viel spielerisch zu lösen, dass sie eine gute Spielanlage haben, dass sie gegen den Ball sehr kompakt verteidigen – ich habe der Mannschaft schon gesagt, dass das keine leichte Aufgabe wird.“ Nach dem Ausrufezeichen gegen Ingolstadt fühlt er sich bestätigt und zeigt der Mannschaft zusammengeschnittene Videosequenzen: „Augsburg hätte auch noch höher gewinnen können – die waren völlig unaufgeregt, da muss man nicht reinrufen, dass noch einer nachschiebt, das geht nicht auseinander wie eine Ziehharmonika.“

„Drei brandgefährlichen Stürmer“

Unter Druck spielten sie auch mal einen langen Ball auf einen ihrer „drei brandgefährlichen Stürmer – Julian Günther-Schmidt hat zwei Tore gemacht, Albion Vrenezi und Erik Thommy, die beiden Außen, schneiden permanent rein. Das wird eine richtig schwierige Aufgabe, da darf man sich nicht von der Tabelle blenden lassen.“

Beim gemeinsamen Videoabend habe die Mannschaft sich aber nicht verunsichern lassen: „Ich habe auf Möglichkeiten hingewiesen, wie man den Gegner knacken kann, auf Gefahren, was wir machen müssen, um deren Chancen zu vehindern.“ Dass unmittelbar vor Rückrundenstart eine gesunde Nervosität herrsche, sei nomal: „Wenn du die Anspannung spürst, bist du auch leistungsfähiger.“

Stimmungstief bei den Verletzten

Nicht bei allen Jahn-Kickern herrscht freilich eitle Vorfreude – bei einigen ist die Stimmung verletzungsbedingt im Keller:

  • Robin Urban, Außenbandanriss im Knie: „Robin ist im Trainingslager mit einem zusammengerasselt, hat am nächsten Tag 30 Minuten ohne Probleme gespielt, klagte über Schmerzen, hat 90 Minuten gegen Offenbach und 30 Minuten in Hoffenheim gespielt.“ Dann habe sich der „Doc“ das genauer angeschaut und die böse Diagnose gestellt. „Durch den Ausfall von Sven Kopp sind nur noch Odebas und Palionis fit für die Innenverteidigung – da darf nicht mehr viel passieren“, seufzt Herrlich.

  • Daniel Schöpf, Mittelhandbruch: „Dem Dani ist gegen Offenbach einer auf die Mittelhand gestiegen.“ Die OP sei gut verlaufen, aber er wird sicher zwei Wochen ausfallen, das schränkt uns offensiv ein“, sagt der Trainer. Dafür sei Thomas Kurz (Muskelverletzung) wieder ins Training eingestiegen. „Ich bin froh, dass ich ihn im Kader habe.“

  • Marvin Knoll, Muskelverletzung: „Marvin kann fast alles machen – wenn er die Woche gut übersteht, wird er am Montag komplett ins Mannschaftstraining einsteigen.“ Erhofftes Comeback: beim Derby in Amberg.

  • Philipp Pentke, Handverletzung: „Er wird defintiv spielen“, gibt Herrlich Entwarnung. „Wir wollten seine Hand schonen, damit er am Samstag zwischen den Pfosten stehen kann ohne Schmerzen.“

Natürlich sei die Häufung der Verletzungen ärgerlich – teils schwierigen Platzverhältnissen, teils Rahmenbedingungen wie langen Anfahrten geschuldet. Aber eben nicht zu ändern. „Ich glaube nicht, dass die Mannschaft hadert“, hält der Coach das Verletzungspech für keinen zusätzlichen Hemmschuh im Kampf um die Meisterschaft. „Wir haben immer noch genügend Potenzial, genügend PS.“ Eine Mannschaft, die Erfolg haben wolle, könne nicht aus 11 Mann bestehen: „Da müssen 17, 18 Spieler da sein, die das Gesamtwerk tragen.“

Wer am Samstag von Beginn an dieses Werk tragen wird, möchte er noch nicht verraten: „Natürlich habe ich die Aufstellung im Hinterkopf“, erklärt Herrlich, „wer die letzten drei Spiele beobachtet hat, kann sehen, wohin die Reise hingeht.“ Mit allen Optionen: „Wir haben mehrere Möglichkeiten, da möchte ich die letzten Eindrücke abwarten.“

Vorverkauf und Personalia

Nicht mehr allzu lange warten sollten die Fans, lockt Pressesprecher Martin Koch. Der Ticketverkauf – auch an den neuen Vorverkaufsstellen (www.ssv-jahn.de/tickets/vorverkaufsstellen/vorverkaufsstellen/ticket--fanshop) – sei gut angelaufen, vielleicht auch Dank des einen Euro Ermäßigung und des kostenlosen RVV-Tickets obendrauf.

Und am Gesprächsstoff am Rande soll es auch nicht fehlen: Mit dem kaufmännischen Leiter Johannes Baumeister (tritt in die Fußsstapfen des Fußballprofessors und stellt sich einer wissenschaftlichen Herausforderung) und Mario Himsl, Leiter Jahnschmiede (familiäre Gründe), verliert der Verein zwei Führungskräfte – und muss sich in diesen Bereichen neu ausrichten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.