Vor „Spitzenspiel“ gegen VfR Aalen giftet Herrlich gegen die Reservisten
Jahn Regensburgs B-Elf auf dem Prüfstand

Tief enttäuscht von seinen Reservisten: Jahn-Trainer Heiko Herrlich sieht sich in Zugzwang, eine härtere Gangart einzuschlagen. Bilder: Herda
Sport
Regensburg
26.08.2016
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Düstere Stimmung beim letzten Zweitliga-Heimspiel gegen den VfR Aalen.
Regensburg: Continental-Arena |

Der Tabellenführer aus Regensburg (10 Punkte) empfängt am Samstag, 14 Uhr, den VfR Aalen (5./8). Zum ersten Mal überschütten sich die Kontrahenten nicht gegenseitig mit Komplimenten. Sportchef Christian Keller zählt die Schwaben zu den Mannschaften, mit deren Kader der SSV Jahn mithalten könne. Und Für Aalens Trainer steht „die Tabelle auf dem Kopf“. Doch in Heiko Herrlichs Kopf wütet die Pokal-Blamage.

„Die Regensburger lösen derzeit in allen Bereichen alles richtig“, lobt Aalens Trainer Peter Vollmann, „was nicht zuletzt auch das DFB-Pokalspiel gezeigt hat.“ Immerhin geht der 58-jährige Fußballlehrer aus dem Mariental nicht auf das Pokaldesaster der Oberpfälzer gegen den Bezirksligisten TV v. 1932 Aiglsbach ein (Aus am Mittwoch nach Elfmeterschießen). „Der Jahn erinnert mich ein bisschen an Großaspach aus der vergangenen Saison. Die hat da oben auch keiner erwartet – und sie blieben bis zum Ende der Saison dort.“

Dennoch kann er über die Formulierung „Spitzenspiel“ nur grinsen: „Es scheint, als stünde die Tabelle auf dem Kopf. Aber ich bin mir sicher, dass die arrivierten Mannschaften, die nicht so gut gestartet sind, noch nach oben gelangen werden.“ Dass Regensburg und Aalen jetzt da oben stünden, hätte man so sicherlich nicht erwartet.

HHs Verantwortung für Pokal-Blamage

„Das war eine absolute Enttäuschung, eine Blamage, für die ich natürlich die sportliche Verantwortung übernehme“, kommentiert SSV-Trainer Heiko Herrlich das doppelte Pokal-Aus. „Ich habe zwar eingefordert, dass wir seriös spielen und es voll konzentriert angehen, weil das sind die Spiele, die dich dahin bringen, dass du die Chance hast, im DFB-Pokal zu spielen – ich habe erst einmal bei mir angefangen zu hinterfragen.“ Das Spiel sei nicht am Mittwoch verloren gegangen, sondern in der Vorbereitung.

„Ein solches Spiel kann man nicht vorbereiten wie ein Drittligaspiel oder gegen Hertha BSC, wo du Videoanalysen machst.“ Man würde meinen, die Qualität reiche, um gegen einen Siebtligisten zu gewinnen: „Aber irgendeinen Mangel gab‘s, wenn man die vier Leistungskriterien nimmt – Technik, Taktik, Athletik und Persönlichkeit. Da hat irgendwas gefehlt, gerade wenn man 2:0 geführt hat.“ Sicher sei die Situation nach der Rotation für den einen oder anderen schwierig gewesen. Aber auch da müsse man differenzieren: „Spieler wie Thomas Paulus, der lange nicht mehr gespielt hat, hat seine Sache sehr gut gemacht.“

Sondertraining für die B-Elf

Auch mit Patrik Džalto – ein Tor, eines vorbereitet – oder Markus Ziereis, der gleich wieder getroffen habe, ist Herrlich zufrieden. „Ich würde es noch einmal genauso machen, mit den 11 beginnen, weil die anderen wirklich einen enormen Substanzverlust hatten am Sonntag“, erklärt Herrlich. „Den Fehler, den ich gemacht habe, war vielleicht, dass ich nach Siegen versucht habe, immer alle zu beteiligen und gesagt habe, wir sind eine Mannschaft, und alle gehören dazu – vielleicht war das einen Tick zu viel, weil da erwarte ich eben von jedem dann auch, seinen Teil dazu beizutragen.“

Man habe gesehen, dass die Mannschaft, die am Sonntag gespielt habe, bereit sei, auch 120 Minuten Vollgas zu geben. „Da muss ich ansetzen“, bereitet er den äußeren Kreis der Mannschaft auf das ein oder andere Sondertraining vor. „Damit man taktisch und technisch dann das dritte Tor noch macht.“ Sportlich sieht er nun das Problem, dass die zweite Garde kaum Druck auf die Stammelf ausübe: „Spieler wie Marcel Hofrath, die mehr können und die wir brauchen werden.“ Man könne jetzt nicht sagen: „Wir werfen acht Leute raus und kaufen acht.“ Zumal das doppelte Ausscheiden ein finanzielles Loch gerissen habe.

Potenzielle Jahn-Verstärkungen bei Aalen

Trotz der enormen Etatunterschiede zwischen Berlin (im 100 Millionen-Bereich) und Regensburg (6,5 Millionen Euro Jahresumsatz) sei der Abstand zwischen den beiden Profimannschaften geringer, als zwischen einem Drittligisten und den Amateuren aus der Bezirksliga: „Deshalb ist das eine absolute Blamage, da gibt‘s nichts schönzureden.“ Jetzt müsse man theoretisch Vierter werden – beim unveränderten Saisonziel „Klassenerhalt“ natürlich eine unwahrscheinliche Option.

„Wir schauen nicht auf die Tabelle“, sieht Herrlich den Jahn keineswegs im Vorteil gegen Aalen, „eine tolle Moral in der Schlussphase, letztes Spiel gegen Chemnitz 0:2 hintengelegen, eigentlich schon ein gefühltes 0:3, und sie drehen das Spiel in der Endphase nochmal.“ Spieler wie Markus Schwabl (Unterhaching), Yannick Deichmann (St. Pauli) – die wohl auch nach Regensburg gekommen wären, hätte man garantieren können, in der 3. Liga zu spielen – oder Oguzhan Kefkir, der brandgefährlich sei, seien mitverantwortlich für Aalens starke Entwicklung. „Die Tore haben sie erspielt, da haben sie auch Qualität im Offensivbereich.“

Personaldecke bleibt dünn

Die Personalsituation hat sich für die Regensburger nicht verbessert: Robin Urban kann weder trainieren noch spielen, da er sich wieder am Rücken verletzt habe. „Thomas Paulus ist deshalb wieder einziger Innenverteidiger auf der Bank.“ Darüber sei der Trainer froh, denn mit Blick auf das Pokal-Waterloo: „An ihm lag‘s wirklich nicht, auch wenn er den Elfmeter verschossen hat – er hatte Tränen in den Augen.“ Das gleiche gelte für Markus Ziereis: „Er war sehr engagiert, das war absolut o.k.“

Neuzugang Benedikt Saller sei am Mittwoch noch nicht so weit gewesen, das habe man gesehen. „Er hat schon mal ganz oben gespielt, 16 Bundesligaeinsätze. Aber man merkt, dass er keine Vorbereitung hatte.“ Herrlich habe in der einen oder anderen Situation auch gesehen, warum er nicht mehr in der Bundesliga spiele: „Es liegt an ihm, er ist noch jung genug, selbstkritisch mit sich umzugehen. Er hat noch alle Chancen, die Voraussetzungen sind vorhanden, aber da muss er hart an sich arbeiten, dass er da wieder hinkommt.“
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