" ... und zum Dritten"

Vermischtes
Regensburg
10.07.2015
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Der kleine Leo tapst auf edlem Holzfußboden, vorbei an exklusiven Kunstgegenständen und Antiquitäten. Über ihm thront die älteste freitragende Jugendstildecke Deutschlands.

Für ihn muss dieser Ballsaal mit majestätischen Emporen und Balkonen so etwas sein wie ein seltsamer Spielplatz: Anfassen verboten! Darauf achtet Mama Angela. Wen wundert's, war sie es doch, die schon als Kind den steigernden Menschen wertvolle Kunstschätze aus aller Herren Länder präsentierte.

"Eine Versteigerung darf niemals langweilig sein", lautet das erste Gebot von Sotheby's und Christie's. Hier am Haidplatz, wo dieser internationale Hauch weht, erfüllt sich das Gebot fernab vom Hau-drauf-Prinzip mit kultiviertem Feilschen.

Mit Hammer ging es los

Marianne und Klaus-Dieter Keup sind wieder einmal in England. Sie besuchen Freunde und auch eine Kunstversteigerung - nichts Besonderes, auf der Insel finden quasi in jeder Scheune regelmäßig Auktionen statt. Ein Objekt hat es den beiden Hobbysammlern für Antiquitäten angetan: Dieser Auktionshammer mit gedrechseltem Kopf samt Holzstiel. Das Regensburger Ehepaar erhält den Zuschlag, das Hämmerchen reist von England in die Oberpfalz und markiert den Beginn des Auktionshauses Keup.

"Das war vor einem gefühlten Menschenleben, und nicht im Traum haben wir an ein eigenes Auktionshaus gedacht", erinnert sich Marianne Keup zurück. Doch es sollte anders kommen, noch heute besiegelt dieser Hammer die Versteigerungsgeschäfte am Haidplatz.

Die Zeiten haben sich geändert - und mit ihr das Auktionshaus Keup. "Vor 25 Jahren konnten wir nahezu alles versteigern, die Sachen mussten lediglich irgendwie alt sein, Nachlässe waren echte Fundgruben - das hat ausgereicht für erfolgreiche Auktionen." Das war einmal. "Der Anspruch von Kunden ist ein anderer, junge Menschen stellen sich keine Biedermeierkommode mehr in die Wohnung oder legen sich einen wertvollen Teppich ins Wohnzimmer", sagen Marianne und Klaus-Dieter Keup.

Mit Sohn Rainer Marten und Tochter Angela an der Spitze hat die neue Generation die Geschäftsleitung im digitalen Zeitalter übernommen. Der Trend geht hin zu jüngeren Künstlern, zur bildenden Kunst. Entsprechend spezialisiert ist das Regensburger Traditionshaus auf Gemälde, Radierungen, Lithographien, Antiquitäten, Münzen oder Figuren aus allen Epochen. Unverändert stark ist die Faszination: "Bieten und Ersteigern im sportlichen Wettkampf mit anderen ist spannend und macht Spaß", sagt Tochter Angela Keup, für die das Auktionshaus nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt hat. Modern übersetzt könnte das heißen: Versteigerungen haben Event-Charakter.

Viel kaufmännisches Gespür und umfangreiches Fachwissen in einem Spezialgebiet sind nötig, um als Auktionator in Erscheinung treten zu können. Der Zuschlag mit dem Hämmerchen und Sprüche um interessierte Bieter bei Kauflaune zu halten, sind lediglich äußerliche Zeichen einer anspruchsvollen Tätigkeit. "Kompetenz muss man sich erarbeiten", sagt Klaus-Dieter Keup. Alle zu versteigernden Stücke wollen geprüft und taxiert werden, überhaupt sind sehr umfangreiche Vorbereitungen für eine Auktion nötig. Die Frage, was in die Vitrinen zur Besichtigung kommt und welche Stücke versteigert werden, lässt sich hingegen leicht beantworten: "Nur Hochwertiges, Stücke von hoher Wertigkeit." Und so finden sich im aktuellen Katalog über 1000 Exponate im Wert von 50 bis 15 000 Euro.

Kunden - vor allem Stammkunden - auf der ganzen Welt und aller Gesellschaftsschichten wissen das Know-how und die kulturelle Vielfalt von Keup zu schätzen. Sei es als Anbieter, persönlicher Bieter mit Nummernschild in der Hand oder live per Internet zugeschaltet. "Inzwischen wickeln wir 60 Prozent unserer Geschäfte über das Web ab. Dies hat zwar vielleicht weniger Charme, aber der digitalen Revolution tragen wir damit Rechnung."

Derweil tapst der kleine Leo vergnügt über den edlen Holzfußboden inmitten altehrwürdiger Mauern mitten in der Regensburger Altstadt. Seine Augen kreisen neugierig um Ausstellungsstücke hinter Vitrinengläser. Wer bietet mehr?
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