22. Pflegetag an der Uniklinik Regensburg
Mobil dank Exoskelett

Wie Lebensqualität trotz Immobilität erhalten werden kann, berichteten das Ehepaar Iris (links) und Volker (rechts) Westermann, Thomas Bonkowski (VFFP, Zweiter von links) und Alexis Brinkemper, der einen robotergesteuerten Stützapparat präsentierte. Bild: Gibbs
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Regensburg
10.03.2016
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Es ist ein Teufelskreis: Wenn Menschen ihre Mobilität verlieren, verlassen sie oft nicht mehr das Bett, werden depressiv, verlieren Muskelmasse und werden noch unbeweglicher. Doch gibt es auch Auswege aus der Abwärtsspirale.

Diese mitunter ungewöhnlichen Wege zeigte der 22. Pflegetag an der Uniklinik Regensburg auf. Einer, der sein Leben im Rollstuhl mit unbändiger Lebensfreude beschreibt, ist Volker Westermann. Der Journalist und Moderator, bekannt durch seine Fernsehauftritte für die "Aktion Mensch", besucht trotz seiner Glasknochenkrankheit für Reisereportagen viele Länder.

Ob Südostasien, Karibik oder Südamerika: Westermann und seine Frau Iris, die unter der gleichen Krankheit leidet, erleben viel Akzeptanz und Hilfsbereitschaft. Und wenn die Rampe für den Rollstuhl im Bus mal hakt, "springen sechs Leute auf, um zu helfen", erzählte Westermann am Mittwoch. Diese Menschlichkeit vermisst er hierzulande zuweilen.

Auch denkt er weniger gerne an die Krankenhäuser in seiner Kindheit zurück, als er oft wegen Knochenbrüchen behandelt werden musste. Einer wenig feinfühligen Nachtschwester habe er zu verdanken, dass er bis heute unter Spritzenangst leidet. Eine positive Erinnerung hat er aber auch: Als er vier Jahre alt war und eine schwere Operation anstand, verkleideten sich die Pfleger als Indianer und hüpften um ihn herum. "Immobilität wird durch den demografischen Wandel eine große Herausforderung für uns", sagte Thomas Bonkowski, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Pflege (VFFP). Die Kliniken könnten sich auf vielfältige Weise darauf einstellen, etwa indem sie mehr barrierefreie Zonen schaffen, Spiegel niedriger hängen und Sturzgefahrenquellen aus dem Weg räumen.

Zauberwort "Bewegung"


Professor Michael Nerlich, Direktor der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, betonte, immobile Menschen hätten im Gegensatz zu Krebspatienten meist noch die Möglichkeit, selbst etwas zu tun, um ihre Situation zu verbessern. Das Zauberwort lautet hier: Bewegung. "Wenn es im Kreuz zwickt, können Sie Treppen steigen. Wer im Rollstuhl sitzt, kann mit Bewegung seine Arme trainieren." Deshalb sollten die Pflegekräfte den Patienten nicht zu viele Arbeiten abnehmen, sondern sie - soweit möglich - fordern und stimulieren.

Wenn die körpereigenen Kräfte dafür nicht mehr ausreichen, kann modernste Technik helfen. Assistenzarzt Dr. Markus Roidl stellte einen robotergesteuerten Stützapparat vor, mit dem querschnittsgelähmte Patienten zum ersten Mal wieder aufrecht stehen und trainieren können. In Regensburg werde derzeit versucht, Therapien mit solchen Exoskeletten zu etablieren, sagte Roidl.

350 Pflegekräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen am Pflegetag teil. Doppelt so viele Anmeldungen gab es. Regensburg habe sich zu einem "Mekka" für Pflegefachtagungen entwickelt, sagte Organisator Thomas Bonkowski stolz.
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