Anklage wegen Missbrauchs
Baumers Ex-Verlobter muss vor Gericht

Der Angeklagte lernte die beiden Buben während der Schulzeit am Gymnasium der Domspatzen in Regensburg kennen. Bild: dpa
Vermischtes
Regensburg
03.08.2016
439
0

Der frühere Verlobte der 2013 tot aufgefundenen Maria Baumer muss sich vor Gericht verantworten - allerdings nicht im Zusammenhang mit dem mysteriösen Verschwinden seiner ehemaligen Lebensgefährtin, sondern wegen dreier Missbrauchsfälle.

Der Prozess am Landgericht Regensburg beginnt am 21. November dieses Jahres und ist auf zehn Verhandlungstage angesetzt, bestätigte Thomas Polnik, Sprecher des Landgerichts, am Dienstag unserer Zeitung. Der 20. Dezember ist zum jetzigen Stand der letzte Verhandlungstag. Ein Urteil könnte also noch in diesem Jahr fallen.

Mehrere Missbrauchsfälle


Die Staatsanwaltschaft Regensburg wirft dem Krankenpfleger vor, zwischen 2003 und 2011 zwei frühere Schüler des Domspatzengymnasiums sexuell missbraucht zu haben: Bei dem einen Jungen soll es sich um eine einmalige Tat "einfacherer Art" gehandelt haben. Beim anderen soll es über Jahre hinweg zu mehreren Taten gekommen sein, darunter ein Fall schweren sexuellen Missbrauchs. Der Mann, selbst ein ehemaliger Domspatz, soll die deutlich jüngeren Buben während der gemeinsamen Schulzeit kennengelernt haben.

Darüber hinaus legt die Staatsanwaltschaft dem Ex-Verlobten von Maria Baumer eine Tat zur Last, für die er bereits in Untersuchungshaft war. Er soll 2014 eine Patientin des Bezirksklinikums Regensburg, die er als Krankenpfleger kennengelernt hatte, betäubt und sich sexuell an ihr vergangen haben. Nach zwei Wochen wurde der Mann wieder aus der U-Haft entlassen, weil der Ermittlungsrichter der Auffassung war, dass die angenommene Fluchtgefahr durch Auflagen gebannt werden kann. Zudem wirft die Anklage dem Mann auch Diebstahl von Medikamenten sowie den Besitz von kinderpornografischen Darstellungen vor.

Prozess vor Jugendkammer


Verhandelt wird vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts, weil der Angeklagte, geboren 1984, zumindest zu einem möglichen Tatzeitpunkt noch unter 21 Jahre alt war, erklärte Polnik. Ob bei einer möglichen Verurteilung Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung kommt, werde sich im Prozess entscheiden. Zugelassen sind Nebenklagen der drei mutmaßlichen Opfer.

Die Ermittlungen im Fall Maria Baumer laufen derzeit weiter, betätigte Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg, unserer Zeitung vor kurzem. Er hofft, dass der Fall in diesem Jahr abgeschlossen werden kann. Als 2013 die Knochen der vermissten Frau in einem Waldstück bei Berhardswald (Kreis Regensburg) gefunden wurden, galt ihr früherer Verlobter als dringend tatverdächtig. Drei Monate später sah die Zweite Strafkammer am Landgericht Regensburg nach einer Neubewertung der bisherigen Ermittlungsergebnisse "keinen hinreichenden Tatverdacht" mehr.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.