"Bayrusstalienisch" im Sprachcafé

Italienisch, Chinesisch oder Russisch: Beim Sprachcafé treffen fremde Nationen aufeinander: Um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und Vorurteile abzubauen. Bild: hfz
Vermischtes
Regensburg
28.11.2014
8
0

"Come stai? I'm fine, thanks! Geht's dia guad?" - Angeregt unterhalten sich die Gäste im Café "Icebreaker". Sie gestikulieren wild mit den Händen und lachen. Auf den ersten Blick eine normale Situation. Doch die Gäste kennen sich nicht - noch nicht.

Auf jedem Tisch steht eine andere Nationalflagge beispielsweise für Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Bayerisch oder Swahili. Die Fähnchen stecken auf dünnen Holzspießen und sind mit Knete auf der Tischfläche festgeklebt. Jeden zweiten Mittwoch veranstaltet Steffi Fasora, Inhaberin des Icebreakers, zusammen mit der Studenteninitiative "Umdieecke Regensburg" das "Sprachcafé" in der Engelburgergasse 18. "Ich bin fünf Jahre lang um die Welt gereist, war in Südafrika, Australien, London, Kanada und Schottland", erzählt Farosa.

"Dort war ich jedes Mal die ,Neue', musste mich durchschlagen und fühlte mich oft einsam." Auf ihren Reisen sei die Idee gereift, einen Treffpunkt für verschiedene Kulturen zu gestalten. Einen Ort, wo keiner der "Neue" sei. Mit dem Café "Icebreaker" in der Römerstadt hat sie ihren Lebenstraum verwirklicht. "Ich will dort Vorurteile abbauen. Das Eis durch das Icebreaker zwischen den verschiedenen Ländern und Kulturen brechen", erklärt Fasora. "Erst durch den direkten Kontakt, merkt man, dass der andere nett ist - egal welcher Nationalität." Die Menschen seien oft immer noch zurückhaltend gegenüber fremden Kulturen, bedauert die 31-Jährige.

Ein Weg, Nähe zu schaffen, sei das Sprachcafé. "An jedem Tisch sitzt ein Muttersprachler. Die Gäste können sich überall dazu setzen und gleich mitreden. Oder erst einmal zuhören", berichtet Jérémy Barat. Er gehört zum derzeit achtköpfigen Organisationsteam der Studenteninitiative. Wenn man die Sprache selbst nicht spreche, mache es auch nichts. "Wir sind alle offen und bringen ihnen einfach kurze Sätze bei oder erzählen von den Ländern und Gewohnheiten dort."

"Welt verbinden"

An den Tischen seien schon viele Freundschaften und Pärchen entstanden, weiß Fasora. Schwierigkeiten gebe es nur manchmal beim Finden von Muttersprachlern. Die Gäste hingegen würden von allein kommen - bis zu 70 an einem Abend. "Ich will die Welt an diesem Ort in der Oberpfalz ein bisschen mehr miteinander verbinden. In meiner Kontakt-Kneipe", schwärmt Fasora.

Ihr Café hat die 31-Jährige deshalb ganz bunt eingerichtet. An den Wänden hängen verschiedene Nationalflaggen. Es gibt eine Spielecke mit Sitzsäcken. Die Idee sei an ein Nintendo-Café angelehnt, das sie auf ihrer Reise um die Welt in Kanada gesehen habe. Auf der Speisekarte steht das australische Nationalgetränk "Lemon, Lime and Bitters". "Ich habe von meinen Reisen das Beste rausgepickt und hier kombiniert. Jeder soll sich wohlfühlen." Der 23-jährige Spanier solle sich mit dem 57-jährigen Amerikaner unterhalten können, ohne Vorurteile und Hemmungen.

"Alle werden offener"

Die Themen, über die sie im Sprachcafé reden, seien verschieden. "Am Anfang ist es noch Smalltalk, aber mit der Zeit werden alle offener. Im Prinzip reden wir über alles - zum Beispiel über Urlaube oder Politik", erklärt Barat. "Auf den Tischen liegt Infomaterial zu dem jeweiligen Land. Das sind kleine Hilfen, um schneller ins Gespräch zukommen." In Planung sei ein Abend, an dem über vorgegebene Themen gesprochen werde. Außerdem wolle die Initiative laut Barat ein Tandem-Projekt mit ausländischen Universitäten starten. "Es soll Menschen mit anderen Nationalitäten helfen, sich in Deutschland besser zurecht zu finden", erklärt der 23-jährige Franzose. "Wir wollen bei der Wohnungssuche helfen oder sie informieren, was sie bei Behördengängen beachten müssen."
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.