Comedian besucht Regensburger Berufsschule
„Multikulti“ mit Bülent Ceylan

Comedy-Star Bülent Ceylan stellte sich allen Schülerfragen. Bilder: Gibbs (2)
Vermischtes
Regensburg
29.09.2016
294
0
 
Heiß begehrt: Ein Foto mit dem Comedian.

Er ist eine Rampensau: Normalerweise füllt Bülent Ceylan Konzerthallen, in Regensburg bringt der Comedian am Mittwoch die Turnhalle einer Berufsschule zum Kochen. Seinen Besuch hatten die Schüler bei einem Integrationswettbewerb gewonnen. Fast mehr Applaus bekommt aber ein junger Flüchtling.

Schüchtern war er von der fünften bis zur zehnten Klasse, ein Außenseiter, der öfter mal gehänselt wurde, sagt Bülent Ceylan. Die Schüler des Staatlichen Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Regensburger Land können kaum glauben, was ihnen der lässige Typ vorne auf der Bühne, Rockstar am deutschen Comedy-Himmel, erzählt. Erst ab der 11. Klasse, als er begann, Comedy zu machen, habe sich das geändert, grinst Ceylan. Da habe er gemerkt: "Frauen ist es egal, wie du aussiehst, du musst nur witzig sein."

"Gegen Nazis, Pegida, AfD"


Ceylan, 1976 als Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter in Mannheim geboren, lässt sich von den Schülern mit Fragen löchern. Er verrät, dass er gerne Döner isst, aber auch was "richtig Deutsches" wie Kartoffeln mit Quark. Als Kind wäre er gerne Psychologe geworden, sagt Ceylan, der sein Studium der Philosophie und Politikwissenschaft für die Karriere als Comedian abbrach. Sein jetziger Beruf sei aber in gewissen Maße auch therapeutisch: "Die Leute denken, ich mache Witze, dabei sage ich die Wahrheit." An die Schüler hat Ceylan, der auf der Bühne regelmäßig humorvoll Vorurteile in der Gesellschaft zur Sprache bringt, an diesem Vormittag eine Botschaft. "Engagiert euch gegen Nazis, Pegida und AfD", sagt er. "Die brauchen wir in keiner Stadt und in keinem Land." Begeistert zeigt er sich vom "Multikulti" am BSZ, als er durch die Reihen guckt. "Gibt es hier auch einen Deutschen?", scherzt er.

Gewinn für Jung und Alt


Viele lobende Worte findet der Comedian für das Projekt "Mia san mehr", mit dem das Regensburger Schulzentrum den Jugendintegrationswettbewerb "Alle Kids sind VIPs" der Bertelsmann-Stiftung gewonnen hat - und damit auch den Besuch von Ceylan. "Bei der Aktion haben Jung und Alt etwas dazugewonnen. Das ist einfach großartig." Vor einem Jahr hatten die Lehrerinnen Manuela Dorsch und Sarah Röhrl das Projekt ins Leben gerufen: Acht Flüchtlinge, die am BSZ unterrichtet werden, besuchten regelmäßig Bewohner des Seniorenheims im St.-Katharinen-Spital. Sie kochten und sangen zusammen, spielten Brettspiele und suchten auf der Landkarte die Herkunftsländer der Flüchtlinge, die aus Afghanistan, Pakistan und Afrika stammen. "Wir haben Deutsch gesprochen und die Kultur kennengelernt", berichten die Flüchtlinge. "Für mich war vieles neu", sagt einer. "In Afghanistan leben nicht so viele alte Menschen zusammen in einem Haus."

Mucksmäuschenstill wird es in der Turnhalle, als ein Flüchtling ein Liebeslied seiner afghanischen Heimat anstimmte, mit erwachsener, trauriger Stimme. Einige Schüler erkennen das Lied, bewegen die Lippen mit. Mit gewaltigem Beifall und einem Handschlag von Ceylan wird der junge Sänger für seinen Mut belohnt. Danach geht es auf Deutsch weiter: Mit den Senioren singen die Schüler "Ein Vogel wollte Hochzeit machen".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.