Deutscher Forstverein tagt in Regensburg
Wald als Klimaretter

"So einen spektakulären und geschichtsträchtigen Tagungsort hatten wir noch nie." Zitat: Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins
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Regensburg
16.05.2017
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Die Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz ist eines der Topthemen der Jahrestagung des Deutschen Forstvereins. Zu der treffen sich mehr als 1200 Experten in Regensburg. "Die Welt braucht Wald!", sagen sie - und das ist ganz ernst gemeint.

Es ist die bislang größte Tagung in der Geschichte des Deutschen Forstvereins: 1200 Teilnehmer aus Forstverwaltungen, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Naturschutz diskutieren in Regensburg vom Mittwoch bis Sonntag über die Zukunft des Waldes.

"Die Welt braucht Wald" lautet das Motto des Treffens. Das sei keine pathetische Formulierung, sondern ein Fakt, wenn man sich die immense Wechselwirkung von Wald und Klima vor Augen halte, sagte Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins, am Dienstag bei der Vorstellung des Tagungsprogramms. Die weltweite Entwaldung seit mit 25 Prozent am CO2-Ausstoß beteiligt. Wilke freute sich über die Rekord-Anmeldezahl für das Treffen. Den Deutschen Forstverein gibt es seit 1899. Zwei Jahre nach der Gründung tagte er schon einmal in Regensburg, dann 116 Jahre nicht mehr. "So einen spektakulären und geschichtsträchtigen Tagungsort hatten wir noch nie", sagte Wilke über das Schloss St. Emmeram der Familie Thurn und Taxis, in dem sich die Teilnehmer versammeln. Der Ort passt auch thematisch: Die Familie Thurn und Taxis ist mit 20 000 Hektar der größte Privatwaldbesitzer Deutschlands, wie Betriebsleiter Hans Peter Fritzsche erklärte. Die Erwerbsforstwirtschaft müsse ganz klar Geld abwerfen, werde aber gleichzeitig in naturnaher, schonender Ausrichtung geführt. Geradezu ins Schwärmen über den nachwachsenden Rohstoff Holz geriet Regensburgs Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne). Er eigne sich hervorragend zum Bauen. Wälder und Bäume wiederum seien "der beste Staubsauger für CO2".

Arbeit für Jahrhunderte


Insgesamt gibt es in Bayern über 700 000 Waldbesitzer, sagte Hermann Hübner, stellvertretender Leiter der Bayerischen Forstverwaltung. Während die Wälder früher oft in bäuerliche Betriebe integriert waren, gebe es heute viele "urbane Waldbesitzer", die den Forst geerbt haben und die Hilfe von Fachleuten brauchten, um ihn zu bewirtschaften. Jeder dritte Quadratmeter in Bayern sei Wald, betonte Hübner. Das heutige Gesicht des Waldes sei keine Selbstverständlichkeit, dafür hätten Förster und Waldbesitzer jahrhundertelang gearbeitet. Er plädierte dafür, den Rohstoff Holz vor Ort zu ernten, und nicht aus aller Welt zu importieren.

Über ein Leuchtturmprojekt in Regensburg informierte Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten. Ab 2018 sollen auf dem Parkplatz der Staatsforsten, die ihren Sitz im Regensburger Osten haben, 40 Wohnungen in Holzbauweise entstehen. Das vierstöckige Gebäude soll fünf Millionen Euro kosten, die Parkplätze wandern in Tiefgaragen.

Material für den Bau


Der Hintergrund: Die Staatsforsten wollen Holz als Baumaterial für den mehrgeschossigen Wohnungsbau bekannter machen. Gerade wenn es darum gehe, im flächenarmen, städtischen Bereich nachzuverdichten und bestehende Gebäude aufzustocken, sei das vergleichsweise leichte Holz ideal, sagte Neumeyer. Ähnliche Projekte seien in Nürnberg und im Raum München geplant. Mit etwa 800 000 Hektar Waldbesitz sind die Bayerischen Staatsforsten bundesweit der größte Forstbetrieb.

Höhepunkt der Forstvereinstagung ist am Freitagvormittag eine Festveranstaltung mit Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium. Ein Waldmarkt, der während der Tagung am Neupfarrplatz stattfindet, soll Passanten auf Forstthemen aufmerksam machen. Am Wochenende führen Exkursionen die Teilnehmer dann in Wälder in Bayern, Tschechien und Österreich.

So einen spektakulären und geschichtsträchtigen Tagungsort hatten wir noch nie.Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins
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