Eisenbahnunternehmen beklagt wachsenden Druck durch Fernbusse
Agilis gar nicht mehr so ganz agil

Ein Sicherheitsmitarbeiter betritt einen Agilis-Triebwagen auf einem Nebengleis im Bahnhof von Wirsberg. Archivbild: dpa
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Regensburg
13.09.2016
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Regensburg/München. Die wachsende Konkurrenz durch Fernbusse drückt offenbar massiv auf die Einnahmen der Eisenbahnunternehmen im Freistaat. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" gibt es beim Bahn-Betreiber Agilis Überlegungen, den Fahrbetrieb zumindest teilweise einzustellen, sollte die staatliche Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) als Besteller des Regionalverkehrs auf der Schiene nicht für einen Ausgleich sorgen.

Agilis - das in Regensburg ansässige Unternehmen betreibt unter anderem die Verbindung Weiden-Bayreuth, den Regionalverkehr rund um Regensburg, sowie zahlreiche Strecken in Oberfranken - wies dies auf Anfrage als "verzerrte Darstellung" zurück. Die SZ berief sich bei ihrer Meldung auf ein Schreiben der Agilis-Geschäftsführung an rund 60 Kommunal- und Landespolitiker im Freistaat. Darin hieß es, dass die Einbußen durch die Fernbusse, die laut Gesetz eigentlich nicht in Konkurrenz zu Regionalverkehrslinien treten dürfen, "mit nicht kalkulierbaren Folgen für die Erfüllung der Verkehrsverträge" einhergingen. Agilis bestätigte die Existenz des Schreibens, betonte allerdings, man habe darin "keinesfalls mit der Einstellung des Bahnverkehrs gedroht".

Ruf nach "fairer Lösung"


Tatsache sei aber, erklärte ein Unternehmenssprecher, dass es bei einem dauerhaften Ungleichgewicht von Einnahmen und Ausgaben "zu einem Problem kommen könnte". Die möglichen Folgen ließ er offen. "Es besteht aber keine unmittelbare zeitliche Gefahr, dass etwas aus dem Ruder läuft." Nach Auskunft des Sprechers befindet sich Agilis "seit vielen Monaten" in Verhandlungen mit der BEG über einen Ausgleich der negativen Fernbus-Effekte. Auch diese Woche würden hierzu wieder Gespräche geführt. Die von Agilis vorgeschlagene Lösung durch ein "kurzes und kostengünstiges Schiedsgerichtverfahren" werde von der BEG bisher abgelehnt. Stattdessen werde auf den langwierigen und teuren Rechtsweg verwiesen. "Auf diese Weise wird eine faire Lösung für Agilis auf die lange Bank geschoben", erklärte der Sprecher. Die Folge sei eine "unvertretbare Liquiditätsbelastung" des Unternehmens. Die Rede ist von bis zu 38 Millionen Euro bis zum Vertragsende 2024. Als die Verkehrsverträge mit der BEG vor acht bis zehn Jahren abgeschlossen worden seien, habe man die Zulassung des Fernbusverkehrs noch nicht absehen können. Deshalb müsse nachverhandelt werden.

Auch DB Regio klagt


Agilis ist bereits das zweite Verkehrsunternehmen im Freistaat, das die Konkurrenz der Fernbusse auf Regionalstrecken offen beklagt. Vor genau einem Jahr berichtete der Chef von DB Regio Bayern, Hans-Rüdiger Fritz, von busbedingten Fahrgastrückgängen unter anderem auf den Verbindungen Regensburg-Hof und Nürnberg-Bayreuth-Hof. Die Verluste für den Schienenregionalverkehr im Freistaat bezifferte er auf 13 Millionen Euro jährlich bei steigender Tendenz. Die Länderbahn als Betreiber des Alex und der Oberpfalzbahn waren am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
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