Erfundene Vergewaltigung
Neun Monate auf Bewährung plus 300 Sozialstunden

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Regensburg
12.08.2016
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Nach zwei Verhandlungstagen hat das Amtsgericht Regensburg sein Urteil gesprochen: Wegen Vortäuschung einer Straftat und Betrugs erhält eine 24-Jährige eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung unter der Auflage, binnen zehn Monaten 300 Sozialstunden abzuleisten. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von einem Jahr gefordert, die Verteidigerin auf Freispruch plädiert.

Während des gesamten Prozesses hatte die Angeklagte geschwiegen und auch auf das obligatorische "letzte Wort" verzichtet. Vor zwei Jahren hatte sie bei der Polizei Regensburg behauptet, nachts von mehreren Männern in einen Kombi-Pkw gezerrt, vergewaltigt und splitternackt ausgesetzt worden zu sein. Da sie damals auch Verletzungen im Intimbereich aufwies, wurde noch in der gleichen Nacht vom Kriminaldauerdienst eine aufwendige Fahndung nach den vermeintlichen Tätern veranlasst.

Die Auswertung ihres PCs und ihres Handys ergab, dass sie seit mehr als einem Jahr häufiger Gast eines Datingportals war und schnell einschlägige Bekanntschaften mit Männern schloss. Als die Angeklagte Bekannten gegenüber offenbarte, dass "alles nicht so war", wurden die Ermittlungen.

Nach Lektüre der mehr als 1200 Seiten starken Ermittlungsakte und weiteren 1396 Seiten Protokollen aus Internet-Chats der Frau bezeichnete die Staatsanwältin die Angeklagte als "notorische Lügnerin, die gern im Mittelpunkt steht". Den Verweis auf einen angeblichen Missbrauch durch ihren Vater wertete die Juristin ebenso als Schutzbehauptung wie ebenfalls angebliche Vergewaltigung durch einen Chat-Partner. Im Einklang mit der Sachverständigen kam sie zu der Überzeugung, dass bei der Angeklagten keine Hinweise auf eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegen.

Die Verteidigerin zeigte sich in ihrem Schlussvortrag überzeugt, dass ihre Mandantin in jener Nacht vergewaltigt wurde - wenn auch anders als angezeigt. "Sie ist eine arme, kranke Frau, die keinen anderen Ausweg sah." In ihrer Urteilsbegründung betonte die Gerichtsvorsitzende: "Es ist nicht über einen Kindesmissbrauch zu urteilen. Hier sitzt kein Opfer, sondern die Täterin." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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