Ex-Verlobter von Maria Baumer entschuldigt sich bei Opfern
„Es war ein Riesenfehler“

Symbolbild. (Foto: dpa)
Vermischtes
Regensburg
22.11.2016
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Der Ex-Verlobte von Maria Baumer hat am zweiten Prozesstag am Dienstag die Anschuldigungen gegen ihn weitestgehend eingeräumt und sich bei zwei der drei Opfer persönlich entschuldigt. Zumindest eine junge Frau ist bis heute schwer traumatisiert.

Die hübsche 23-Jährige mit den langen braunen Haaren wirkte bei ihrer Zeugenvernehmung zerbrechlich, wollte aber ihre Sicht der Dinge darlegen und dafür auch die Öffentlichkeit nicht ausschließen. Die Studentin hatte den Angeklagten vor etwa vier Jahren am Bezirksklinikum kennengelernt. Sie wurde dort nach einer Vergewaltigung wegen Depressionen behandelt, er arbeitete als Krankenpfleger. Sie sagt heute, er sei ein Freund gewesen. Er hätte sich eine Liebesbeziehung gewünscht.

Komaartiger Tiefschlaf


Im April 2014 - die junge Frau war gerade aus dem Bezirkskrankenhaus entlassen worden und blickte wieder recht zuversichtlich in ihre Zukunft - kam es zu einem folgenschweren Vorfall. Mittlerweile war ihr der Angeklagte zu bedrängend geworden - in einem Monat bombardierte er sie mit 535 Textnachrichten, sie antwortete lediglich 33 Mal. Dennoch schaffte es der Mann unter einem Vorwand in ihre Wohnung. Die beiden tranken zusammen Tee - und die Frau fiel in einen komaartigen Tiefschlaf. Der Angeklagte hatte ihr das beruhigende und angstlösende Medikament "Tavor expidet" untergemischt.

Was in der folgenden Nacht passierte, konnte vor Gericht nicht geklärt werden. Sie erinnert sich an eine Umarmung des Angeklagten. In ihrem Slip wurden seine DNA-Spuren gefunden, doch das könnte laut Gutachterin auch durch eine indirekte Übertragung geschehen sein. Der heute 32-jährige Angeklagte beteuerte über seine Anwälte, dass es in der Nacht zu keinem sexuellen Übergriff gekommen sei. "Er hätte die Möglichkeit gehabt, das zu vollziehen", sagte Verteidiger Michael Euler. "Hinweise für ein Eindringen oder einen Samenerguss gibt es aber nicht."

Auch bei einem früheren Domspatzen entschuldigte sich der Krankenpfleger: "Es tut mir sehr leid, was ich dir angetan habe, es war ein Riesenfehler." Die beiden hatten sich in der gemeinsamen Schulzeit am Domspatzen-Gymnasium kennengelernt. Der deutlich ältere Angeklagte hatte sich um den Buben gekümmert, der sich am Internat nicht wohlfühlte. In den Jahren darauf kam es immer wieder zu gemeinsamen Aktivitäten und Übernachtungen.

Was der junge Domspatz nicht wusste: Wiederholt führte der Angeklagte bei diesen Gelegenheiten nachts Masturbations-Bewegungen am Geschlechtsteil des Jungen aus, während dieser schlief - und hielt das Geschehen auf Fotos und Filmen fest. In einem Fall war das Opfer erst 13 Jahre alt.

Urteil am 15. Dezember


Nach einem Rechtsgespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatte das Gericht unter Vorsitzendem Richter Carl Pfeiffer dem Angeklagten bereits am Montag eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt, wenn dieser die Vorwürfe einräumt und Schmerzensgeld an die Opfer zahlt, 5000 Euro an den ehemaligen Domspatz, der mehrfach missbraucht wurde, sowie je 2000 Euro an einen weiteren früheren Domspatz und die Studentin. Ein Urteil wird für den 15. Dezember erwartet.
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