Ferienaktion
Fernsehmacher von morgen

In der Regensburger Innenstadt filmten die Kinder Umfragen für ihre abschließende Live-Sendung. Bilder: Hinterberger (2)
Vermischtes
Regensburg
06.04.2016
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Recherchieren, Fragen stellen und Filme drehen - eine Woche produzierten 30 Kinder in Regensburg eigene Fernsehbeiträge zum Thema "Flucht". Diese präsentierten sie in einer einstündigen Sendung, die live übertragen wurde - in den Zuschauersaal ein Stockwerk unter dem Aufnahmestudio.

Im zweiten Stock des Regensburger Mehrgenerationenhauses ist es vollkommen still. Die Anspannung ist deutlich zu spüren. Tamira blickt auf die Uhr, dann beginnt sie zu zählen: "Drei, Zwei, eins." Sie geht zur Seite, die Kamera schwenkt auf die weiße Couch in der Mitte des Raums. Dort sitzen die Moderatoren, der 12-jährige Jakob, sowie die 14-jährige Maja. "Guten Abend meine Damen und Herren, ich darf Sie alle recht herzlich zur heutigen Sendung des Tv-Studios begrüßen", heißt Maja das Publikum Willkommen.

Das ist der große Moment, auf den die 30 Teilnehmer der städtischen Ferienaktion "Das Tv-Studio" eine Osterferienwoche lang hingearbeitet hatten: In einer gut einstündigen Live-Sendung präsentieren die Zehn- bis Vierzehnjährigen Familie und Freunden, was sie recherchiert und gedreht haben. Das Besondere: Im Studio befinden sich nur die unmittelbar an der Live-Show Beteiligten. Die Zuschauer sitzen ein Stockwerk weiter unten. Sie können auf großen Bildschirmen mitverfolgen, was oben passiert.




Eine Woche recherchiert

Dem vorausgegangen war eine Woche, in der sich die Kinder mit der Thematik "Flucht und Flüchtlinge" beschäftigten. Sie haben in Straßenumfragen Passanten befragt, Erklärvideos zu Begriffen wie "Integration" oder "Schleuser" gedreht und waren sogar in einer Unterkunft, um jugendliche Flüchtlinge zu interviewen.

"Ich habe in dieser Woche viel gelernt", erzählt Maja, die die jungen Flüchtlinge befragt hatte. "Ich habe eine viel positivere Einstellung zu diesen Menschen", fährt sie fort. Sie habe vorher Angst gehabt, dass Flüchtlinge aus anderen Kulturen möglicherweise eine ganz andere Einstellung zu Frauen haben könnten. "Durch die Gespräche mit den syrischen Jugendlichen habe ich gemerkt, dass sie nicht viel anders sind, als deutsche Jungs."



Ziel der Ferienaktion, die bereits das vierte Jahr in Folge stattfand, war - neben der Auseinandersetzung mit dem Thema "Flucht" - dass die Kinder möglichst viel selbst machen: Recherche und Erstellen der Interview-Fragen, Filmen von Umfragen oder Erklärvideos, aber auch das Catering für die Gäste der Live-Sendung - alles lag in der Hand der Nachwuchsjournalisten.




Flucht aus der DDR

Der 13-jährige Tobias zum Beispiel war einer der Kameramänner des Kinder-Tv-Studios. Er filmte ein Interview mit "Bella", die als kleines Kind kurz vor dem Mauerfall 1989 zusammen mit ihren Eltern aus der DDR nach Westdeutschland geflohen war. "Das war ganz schön anstrengend", erzählt Tobias. Wie ein Profi hatte er die Kamera während des gesamten Interviews auf den Schultern getragen. "Die war echt schwer, nach einiger Zeit hat mir der Rücken wehgetan."

Ebenfalls beim Gespräch mit "Bella" dabei war Isabelle, die das Interview führte. Als "traurig", beschreibt die Elfjährige das Gehörte. "Weil Bella alles zurücklassen musste, ihr Zuhause und auch ihr Pferd." Isabelle hat beim Treffen mit Bella vieles über die DDR und das Leben dort erfahren, was sie sonst nur aus dem Geschichtsbuch kennt. "Es war wirklich interessant."



Darüberhinaus lernten die Kinder auch, dass Flucht nicht nur ein aktuelles Thema ist, sondern es schon immer Fluchtbewegungen - und dadurch auch viele berühmte Flüchtlinge - gab. Albert Einstein, Anne Frank, Thomas Mann, Freddie Mercury oder der Sänger Mika, nennen sie nur ein paar davon.




"Was können wir eigentlich tun?"

Die Geschichte und das Schicksal der Flüchtlinge beschäftige die Kinder, das ist während der Woche im Mehrgenerationenhaus immer wieder spürbar. Sie sind neugierig, stellen Fragen wie "Warum müssen diese Menschen ihre Heimat verlassen?". Sie haben aber auch Angst. "Wie sieht es in Deutschland in einigen Jahren aus", wollen sie wissen. Immer im Vordergrund stand aber die Frage: "Was können wir eigentlich tun, damit es diesen Menschen besser geht?" Das wollten dann auch Maja und Jakob von Psychologin Christina Lohner wissen, die in der Live-Sendung zu Gast war. Den ersten Schritt dazu hätten die Kinder schon gemacht, erklärt diese darauf: "Beschäftigt euch mit der Thematik."





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