Flüchtlinge im Pfarrheim St. Emmeram
„Missverständnisse“

Stefan Asanovski von der Vereinigung Romano Jekipe Ano Hamburg hoffte auf eine einvernehmliche Lösung zwischen dem Bistum und den Flüchtlingen. Bild: Gibbs
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Regensburg
27.07.2016
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Der Ton wird schärfer. Das Bistum Regensburg hat die Flüchtlings-Gruppe, die im Pfarrheim St. Emmeram untergebracht ist, aufgefordert, die Unterkunft zu verlassen. Als letztes Mittel werde auch eine Anzeige gegen Hausfriedensbruch in Betracht gezogen.

Noch am Mittwochvormittag hatte ein Sprecher der Gruppe sich zuversichtlich gezeigt, dass die Flüchtlinge, die aus dem Kosovo und Albanien kommen und unter denen auch Roma sind, eine einvernehmliche Lösung mit dem Bistum finden. Stefan Asanovski, Bruder des Gruppen-Sprechers Isen Asanovski, von der Vereinigung Romano Jekipe Ano Hamburg, sagte bei einer Pressekonferenz, es habe "Missverständnisse" gegeben. Nach einem Gespräch mit Roman Gerl, Pfarrer von St. Emmeram, am Mittwoch habe sich die Lage aber "zum Positiven geändert". Die humanitäre Hilfe des Bistums sei "sehr gut". Unter anderem sei eine Spielecke für die Kinder eingerichtet worden.

In der Heimat bedroht


Sprecherin Albona Ademi erklärte, Kosovo, Albanien und Mazedonien seien keine "sicheren Herkunftsländer" für die Flüchtlinge im Pfarrheim. Sie seien dort "massiv bedroht". Über die langfristige Zukunft der Flüchtlinge machten die beiden Sprecher keine Aussage, weil sie Gespräche mit dem Bistum Regensburg abwarten wollten.

Wenige Stunden später erklärte dann das Bistum per Pressemitteilung - und per Brief an die Flüchtlinge -, wie es sich die Zukunft der Gruppe vorstellt. "Es geht nicht mehr", schreibt darin Generalvikar Michael Fuchs. "Es bleibt uns keine andere Wahl, als die Gruppe mit Verweis auf das Hausrecht aufzurufen, das Pfarrheim zu verlassen. Sollte sie das Haus dennoch nicht verlassen, müssten wir als letztes Mittel eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch in Betracht ziehen."

Nach "all unseren Versuchen der Hilfe und Klärung, nach den unerfüllbaren Forderungen und massiven Drohungen der Gruppe, vor allem aufgrund der zunehmenden Gefährdungen und Verschlechterungen für die Gruppe" sei ein weiterer Verbleib im Pfarrheim nicht mehr verantwortbar. Die Bitte an die Behörden um eine geduldete Präsenz sei zurückgenommen worden.

Situation wird schlechter


Eine Frist für das Verlassen des Pfarrheims habe das Bistum bewusst nicht gesetzt, sagte Sprecher Jakob Schötz auf Nachfrage unserer Zeitung. "Wir hoffen, dass die Gruppe erneut ihre Optionen abwägt und in ihre Unterkünfte zurückkehrt." Jeder Tag, den sie im Pfarrheim bleiben, verschlechtere die Situation der Flüchtlinge, da wichtige Fristen in den Asylverfahren verstreichen. Die Aussage der Gruppe, dass drei Familien direkt von der Abschiebung bedroht seien, konnte Schötz nicht bestätigen. Laut Bistum halten sich im Pfarrheim derzeit 34 Personen auf, darunter 15 Minderjährige. 11 Personen hätten eine Aufenthaltsgestattung, könnten sich also frei bewegen, weil ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

Vor drei Wochen hatte die Gruppe, damals 45 Personen, den Regensburger Dom besetzt, um ein Bleiberecht zu erreichen. Das Bistum übernahm die Versorgung und bat die Behörden, von einem Zugriff abzusehen. Gleichzeitig betonte das Bistum, dass es sich nicht um ein "Kirchenasyl" handle und die Duldung befristet sei. Nachdem sich die sanitäre Versorgung im Dom zunehmend verschlechterte, zogen die Flüchtlinge nach fünf Tagen in das Pfarrheim um. In der vergangenen Woche drohte die Lage zu eskalieren, als ein Teil der Gruppe in den - mittlerweile beendeten - Hungerstreik trat.
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