Gärtner muss wegen Nötigung und Körperverletzung für 21 Monate ins Gefängnis
Kein Beweis für sexuelles Motiv

Vermischtes
Regensburg
13.10.2016
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Nach fünf Verhandlungstagen verurteilte das Landgerichts Regensburg einen 61 Jahre alten Gärtner wegen Nötigung, Körperverletzung und Verstoßes gegen ein Alkoholverbot zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Damit folgte es der Einschätzung des Sachverständigen und dem Antrag der Staatsanwalt. Der Verteidiger hatte sich für eine neunmonatige Freiheitsstrafe ausgesprochen, die mit der erlittenen Untersuchungshaft abgegolten wäre.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den 1992 wegen zweifacher Vergewaltigung verurteilten Angeklagten wegen versuchter sexueller Nötigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen Weisungen während der Führungsaufsicht angeklagt. Der Mann soll - wie berichtet - eine Reinigungskraft (60) verfolgt und zu Boden gestoßen haben. Zwei durch die Schreie der Frau alarmierte Security-Mitarbeiter des nahen Flüchtlingsheims waren der Frau zur Hilfe geeilt.

In ihrer Vernehmung vor der Kripo sprach die Geschädigte die Vermutung aus, dass sich der Angeklagte wohl an ihr vergehen wollte. Diese Einschätzung übernahm die Staatsanwaltschaft, zumal sich der Angeklagte weder vor der Polizei, noch vor dem Ermittlungsrichter zu den Tatvorwürfen äußerte. Zu seiner Bewährungshelferin sagte er, er wolle zurück ins Gefängnis, da er in der Freiheit nicht zurechtkomme. Einem Mitbewohner gegenüber soll er geäußert haben: "Es reicht, eine Frau zu Boden zu werfen. Es braucht keine Vergewaltigung mehr, um in den Knast oder in die Sicherungsverwahrung zu kommen."

Laut hinzugezogenem Sachverständigen, Prof. Dr. Michael Osterheider müssen sich beim Angeklagten durch dessen frustrierende Lebenssituation Wut und Ärger, aber auch Versagensängste aufgestaut haben. Diese habe er vermutlich impulsiv ausleben wollen und Rache an einem hilflosen Opfer genommen. Dem müsse keine sexuelle Straftat zugrunde liegen, dem Täter gehe es vielmehr um Macht und Kontrolle.

In ihrem Schlussvortrag rückte daher die Staatsanwältin vom Vorwurf der sexuellen Nötigung ab. Verteidiger Michael Haizmann verwies darauf, dass sein Mandant zahlreiche Therapien erfolgreich durchlaufen hat. Zudem habe er zur Tatzeit eine elektronische Fußfessel getragen und wusste daher genau, dass alles, was er tut, beobachtet und kontrolliert wird. Auch der Sachverständige sei zu dem Schluss gekommen, dass die vom Angeklagten heute ausgehende Gefährlichkeit nicht sehr hoch sei.
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