Haus für Leukämiepatienten
Ein Ort der Nähe

Ruhe und Geborgenheit: Das geplante Patientenhaus auf dem Gelände der Universitätsklinik bietet für Leukämiepatienten und deren Familien heimische Atmosphäre und Versorgung. Mehrere Einzel- und Doppelzimmer, sowie Familienappartements sollen in dem Haus zur Verfügung stehen. Bild: privat
Vermischtes
Regensburg
10.08.2016
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Anna Molch mit ihrem Ehepartner Dieter. Bild: szl

Nach der Pensionierung noch einmal der großen Leidenschaft nachgehen und eine Bergtour machen. "Von München nach Venedig wandern", das war der Plan von Peter Staniczek. Doch im Karwendel fühlt er sich krank. Er bricht die Tour ab und fährt nach Hause. Eine Untersuchung bringt die Diagnose: Leukämie.

Ein ähnliches Schicksal ereilt Anna Molch. Auch bei ihr wird 2004 Leukämie festgestellt. Es folgt eine jahrelange Leidensgeschichte. Beide werden im Leukämiezentrum der Uniklinik Regensburg (UKR) behandelt. Die Aufenthalte dort ziehen sich immer wieder über mehrere Wochen oder Monate hin. In dieser Zeit müssen ihre Familien täglich weite Strecken zurücklegen, um bei ihren Lieben sein zu können. Deshalb wird nun neben der Klinik ein Haus für Patienten und Angehörige gebaut.

Wichtige Anlaufstation


Jedes Jahr begleitet das Team um Prof. Dr. Ernst Holler, Leiter der Stammzelltransplantation am UKR und Vorstandsmitglied der Leukämiehilfe Ostbayern, etwa 100 neue Patienten. Sie führen jährlich rund 70 Transplantationen durch. Ihre Patienten kommen aus ganz Ostbayern.

"Es ist uns ein Anliegen, dass Menschen mit einer so schlimmen Erkrankung rundum versorgt und betreut werden", betont Holler. Deshalb plant die Leukämiehilfe das Patientenhaus in direkter Nähe zur Leukämiestation. "Schon seit der Gründung des Vereins schwärmen wir von einem solchen Projekt. Es ist ein langgehegter Traum, der in Erfüllung geht", freut sich Holler. Auch die Patienten Molch und Staniczek hätten ein solches Haus gerne in Anspruch genommen.

Rettende Spende


Sie waren auf eine Blutstammzellentransfusion angewiesen. Über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) wurden passende Spender gesucht. So bekam Molch im April 2008 ein besonderes Geburtstagsgeschenk: "Genau an meinem Geburtstag war die Transplantation", lacht die heute 76-Jährige. Zu diesem Zeitpunkt war die Spende dringend nötig, "sonst würde ich jetzt nicht hier sitzen", blickt die Nabburgerin zurück. Für Staniczek aus Vohenstrauß fand eine Typisierungsaktion statt. Der Lebensretter kam jedoch aus Oberbayern. Ein junger Bauer war der passende Fremdspender. "Das hat mir das Leben gerettet", zeigt sich Staniczek dankbar.

Die Zeit nach der Transplantation war eine weitere Belastungsprobe für die Patienten und deren Familien. "So eine Krankheit belastet die Angehörigen in gleichem Maße", weiß der 70-Jährige. Die Blutstammzellenspende ist keine Garantie für Heilung. Beispielsweise können Abstoßungsreaktionen hervorgerufen werden und das Immunsystem ist stark geschwächt. "Nach der Transplantation war ich nicht gut drauf", erinnert sich Molch. Sie nahm stark ab, wog nur noch 51 Kilogramm. Sie musste ernährt werden, täglich auf die Waage steigen. Ihr Zustand blieb lange unverändert, die Prozedur frustrierte sie. Dennoch hatte sie Vertrauen zu den Ärzten. Das gab auch ihrem Mann Dieter Zuversicht. Er wollte nicht von ihrer Seite weichen. "Als er sich nach den Besuchen verabschieden musste, hatte er Tränen in den Augen", erinnert sich die Rentnerin.

Auch Staniczeks Ehefrau Elisabeth fuhr über drei Monate jeden Tag von Vohenstrauß nach Regensburg. "Ich wollte einfach da sein", erzählt sie. Dennoch waren die täglichen Fahrten eine große Belastung. Holler weiß, wie wichtig die Unterstützung durch die Familie ist: "Es hilft, wenn jemand da ist, der begleitet und mitgeht." Deshalb ist ein Haus, in dem sich Leukämiepatienten und Angehörige abseits des Klinikalltags austauschen können, so wichtig.

Wie eine Familie


Die Nabburgerin findet das Team in Regensburg "einmalig", aber auf ihren Mann hätte sie nicht verzichten können. Die Ärzte, Schwestern, Psychologen und Physiotherapeuten der Leukämiestation und die Leukämiehilfe sind "wie eine Familie", bestätigt auch Staniczeks Frau. Das Ehepaar ist der Meinung: "Ein Patientenhaus, in dem man aufgefangen wird und nicht alleine ist, wäre das i-Tüpfelchen der tollen Station."

MithelfenSpatenstich für das Projekt "Patientenhaus" ist Anfang Oktober. Für die Realisierung werden 4,5 Millionen Euro benötigt. Bis jetzt sind durch Spenden knapp 1,5 Millionen Euro eingegangen. Ende 2017 soll der Neubau eingeweiht werden. Spendenkonto: Leukämiehilfe Ostbayern, IBAN DE25750500000780017000, BIC BYLADEM1RBG (Sparkasse Regensburg)

Wer sich im Kampf gegen Blutkrebs engagieren möchte, kann sich unter www.dkms.de über Typisierung informieren. (szl/wih)


Unterstützung durch Familie ist lebensnotwendig für Patienten.Peter Staniczek
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