In Regensburg gibt es heute mehr Geschlechtertürme als in San Gimignano, ihre Erbauer waren ...
Fern vom Volk, dem Himmel nah

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Regensburg
10.07.2015
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Zu den beeindruckendsten Zeugnissen der Regensburger Stadtgeschichte gehören die Geschlechtertürme. Wer sich mit Gästeführerin Christa Zehentbauer auf einen Spaziergang durch die Stadt macht, wird immer wieder darauf hingewiesen - zu Recht.

Die hoch in den Himmel ragenden Bauten zeugen vom Reichtum ihrer einstigen Besitzer. Viele Menschen hatten es durch Handel zu Vermögen gebracht, als "Patrizier" wollten sie das zur Schau stellen. Die Vorbilder für diese Türme standen in Italien, wo sie ursprünglich als Verteidigungswerke dienten. Die Haustürme waren aus Stein gebaut, ein Material das nicht für jedermann erschwinglich war. Ihre Erbauer waren also "steinreich".

Bis zu 50 Meter hoch

In Regensburg gab es einst rund 40 Türme dieser Art. "Wenn sie baufällig wurden, hat man sie teilweise auch abgetragen." Heute stehen noch 20 Geschlechtertürme in Regensburg. "Mehr als in San Gimignano in Italien. Dort standen einst 72 Geschlechtertürme, nur 12 haben die Zeiten überdauert", betont die Regensburgerin Christa Zehentbauer fast beiläufig.

Wir stehen vor dem "Goldenen Turm" in der Wahlenstraße. Er war in Besitz der Familie Waller, die mit dem Handel von Edelmetallen ihr Geld verdiente. "Mit 50 Metern ist der ,Goldene Turm' der höchste Hausturm nördlich der Alpen", erzählt Christa Zehentbauer. "Höher durften die damals auch gar nicht bauen", klärt sie auf. "Das hat man von den Italienern übernommen, die auch diese Grenze hatten. Wer besonders reich war, musste eben zwei Türme bauen." Auch das gab's in der reichen Handelsstadt. Der "Goldene Turm" entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der Turm selbst ist innen hohl und diente allein repräsentativen Zwecken. Der beeindruckende Innenhof ist geöffnet und kann jederzeit besichtigt werden. Zugänglich ist er über die Wahlenstraße und die Untere Bachgasse.

Ein anderes, gut erhaltenes Beispiel mittelalterlicher Baukunst ist der Baumburgerturm am Watmarkt 4, auch wenn er es nur auf sieben statt neun Stockwerke bringt wie der "Goldene Turm". Mit seiner Nordfassade zählt er vielleicht zu den schönsten seiner Art überhaupt. Das Erdgeschoss des Gebäudes beherbergt mit dem "Dampfnudel-Uli" eine Regensburger Attraktion.

Sohn der "Blombergerin"

Am Haidplatz steht die Patrizierburg "Goldenes Kreuz", in der auch Kaiser logierten, wenn sie der Freien Reichsstadt ihre Aufwartung machten. "So wie Kaiser Karl V. Er ließ sich mit einer Bürgerlichen ein." Aus der Begegnung zwischen Kaiser und der "schönen Barbara", Barbara Blomberg, ging ein Sohn hervor, der als "Don Juan de Austria" die berühmte Seeschlacht von Lepanto für das Haus Habsburg entschied.

Von seiner Mutter, der "Blombergerin", wollte Don Juan aber nichts mehr wissen und erlernte, so heißt es, nicht einmal die deutsche Sprache.
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