Innovationsstandort mit Vollbeschäftigung

Vermischtes
Regensburg
24.10.2014
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Die Oberpfalz aus dem Blickwinkel der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer - vor allem die Nähe zu Tschechien sehen die Vertreter dieser Verbände als große Chance.

Der IHK-Bezirk Regensburg für die Oberpfalz und den niederbayerischen Landkreis Kelheim gehört flächenmäßig zu den größten in Deutschland. Diese Tatsache betrachtet Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes einerseits als eine bemerkenswerte Herausforderung. Dass diese Region aber an der offenen Grenze zwischen Deutschland und Tschechien liegt, sei wiederum eine große Chance - eine Auffassung, die auch von der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz voll und ganz bestätigt wird, wie der heuer neu gewählte Präsident Dr. Georg Haber betont.

Wichtige Industrie-Region

Die Oberpfalz, so IHK-Präsident Gerhard Witzany, ist eine wichtige Industrie-Region in Europa, die auf Bayernebene, gemessen am Industriebesatz, als die am "stärksten industriell geprägte Region" gilt. Aufgrund der hohen Industriedichte, der vielschichtigen Industriestruktur sowie der günstigen Lage haben sich in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Dienstleistungsunternehmen hier niedergelassen, die ihrerseits Wertschöpfungsketten komplettieren.

Die Oberpfälzer selbst, darauf macht Witzany besonders aufmerksam, präsentieren sich als verlässliche, engagierte und sehr gut qualifizierte Mitarbeiter. Über Regensburg, Weiden, Amberg und Cham spanne sich zudem ein Hochschulnetz, das sich auf Mechatronik, Elektrotechnik und Umwelttechnologien konzentriert und die Betriebe in der Oberpfalz mit Führungskräften versorgt.Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass 2013 in Deutschland erstmals mehr Schulabgänger ein Studium begonnen haben als eine Ausbildung, fordert Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber, diesem Trend zur Akademisierung entgegenzutreten.

"Lamentieren hilft nicht weiter", stattdessen müsse man ganz entschieden für eine Ausbildung im Handwerk werben - bei allen Schulabgängern. Denn die Karrierechancen im Handwerk seien vielversprechend, "immerhin liegt das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Handwerksmeisters etwa gleichauf mit dem eines Akademikers."

Neben der großen Vielfalt an Ausbildungsmöglichkeiten (das Handwerk bietet nicht weniger als 130 Lehrberufe), ist dem Präsidenten das positive Beispiel der Handwerksmeister besonders wichtig: "Sie brennen für ihre Berufe und vertreten ihre Zunft positiv nach außen." Er könne nur jedem Schulabgänger raten, in einem Handwerksbetrieb ein Praktikum zu machen. Die jungen Leute würden von der Attraktivität eines Handwerkberufes sowie vom kollegialen und modernen Arbeitsumfeld und den flachen Hierarchien überrascht sein, ist Dr. Georg Haber überzeugt.

Fahrzeugbau und Elektronik

In der Oberpfälzer Industrie wiederum ist der Fahrzeugbau mit zuliefernden Teileherstellern angesichts der knapp 27 000 Beschäftigten die mit Abstand wichtigste Branche im IHK-Bezirk. Dabei liegen, wie Hauptgeschäftsführer Dr. Helmes betont, die regionalen Schwerpunkte in der Stadt Regensburg (57 Prozent aller Arbeitsplätze), gefolgt von den Landkreisen Kelheim und Schwandorf. Die zweitwichtigste Industriebranche sei die Elektronik mit 22 000 Beschäftigten. Hier spielt mit knapp 7000 Mitarbeitern die Stadt Regensburg ebenfalls die Hauptrolle, und zwar vor Kelheim und Cham.

Eine der größten Industriebranchen überhaupt ist in dieser Region der Maschinenbau. "Mit innovativen Produkten und Dienstleistungen gilt er heute als Motor für die Wirtschaft in der Region," ergänzt IHK-Präsident Witzany, nachdem sich dieser Wirtschaftsraum innerhalb einer Generation vom Armenhaus Bayerns zum Innovationsstandort mit Vollbeschäftigung und überdurchschnittlicher Exportquote entwickelt habe. Als einen der Gründe für diesen außergewöhnlichen Aufstieg betrachtet Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes das Ende des Kalten Krieges vor einem Vierteljahrhundert sowie die Öffnung der deutsch-tschechischen Grenze.

Die ähnlichen Strukturen der größten Industriebranchen beiderseits der Grenze haben zu enormen Synergieeffekten geführt. Umsatzschwerpunkte sind auf tschechischer Seite die Automobil- und Maschinenbaubranche sowie Nahrungs- und Futtermittelindustrie.

Der Austausch an der 200 Kilometer langen deutsch-tschechischen Grenze am östlichen Rand des IHK-Bezirks gehöre heute zum Alltag, knapp 400 Mitgliedsunternehmen in der Region pflegen wirtschaftliche Kontakte. Aber auch die Handwerker nutzen alle Chancen, die sich aus der wirtschaftlichen Betätigung über die Grenze bieten, was sogar für die grenzüberschreitenden Ausbildungs- und Arbeitsmärkte gelte. "Weder unsere Nachbarn in Österreich noch die in Tschechien müssen wir als Konkurrenten fürchten", betont HWK-Präsident Dr. Georg Haber. Denn zum einen sei die Qualität des ostbayerischen Handwerks so schnell nicht zu überbieten, und andererseits gebe es auch bei den Nachbarn aktuell eine gute Auftragslage und denselben Mangel an qualifizierten Fachkräften.

Wertvolle Austauschplattform

Die Handwerkskammer, darauf verweist Hauptgeschäftsführer Toni Hinterdobler, begleite viele Handwerker auf ihrem Weg zu den Nachbarn, um dort neue Märkte zu erschließen. Auch die Marienbader Gespräche, welche die Handwerkskammer jedes Jahr im November veranstaltet (heuer am 13.), bewertet Hinterdobler als eine "wertvolle Austauschplattform mit unseren tschechischen Nachbarn".
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