Jahn verliert Christian Brands Premierenspiel mit 0:1 gegen Arminia Bielefeld
"Wenn du hinten drin stehst ..."

Vermischtes
Regensburg
28.11.2014
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Er war die tragische Figur dieses Spiels. Bene Schmid stand nach Abpfiff minutenlang wie paralysiert vor der Tribüne. Was denkt einer in den Sekunden, wenn er kurz vor Schluss beim Spielstand von 0:1 auf den Torwart zuläuft, ihn umkurvt? "Ich bekam den Ball nicht unter Kontrolle", sagt er traurig. Es gab diesen winzigen Moment, als das Tor leer schien, der Ball zu weit vom Fuß, dann schloss sich die Lücke. Zwei Abwehrspieler bauten sich vorm eingewechselten Stürmer auf, Mattscheibe.

4070 Zuschauer, soweit Regensburger, fassungslos: Was wäre das für ein Signal gewesen! Bene Schmid, wenige Minuten zuvor erst eingewechselt, unter Alex Schmid in die zweite Mannschaft verbannt, hätte gegen den Tabellendritten in letzter Minute den Ausgleich markiert. Aufbruchsstimmung, es geht doch, wir können auch mit Spitzenteams mithalten. Und dann das. Zwischen Entsetzen und Hohn schwankte die Stimmung.

Trost für den Untröstlichen

Wie alleine muss sich der arme Kerl gefühlt haben, als er mit einem Gesicht, als ginge er zum Schafott, auf die Tribüne zuging. Da nützt nicht mal der Trost einer Frau. Versteinert steht er da: "Was war los, Bene?" Kopfschütteln. Von außen sieht's immer leichter aus. Die Angst des Stürmers vorm Versagen. Gomez' Tanz mit dem Ball auf der österreichischen Torlinie. Schulterklopfen, "das nächste Mal haust einfach drauf, egal, den Ball am besten mit den zwei Blauen ins Tor." Da hilft heute kein Scherz mehr.

Auf der anderen Seite hatte fünf Minuten zuvor ein Bielefelder das entscheidende 2:0 auf dem Fuß. Mutterseelenallein lief Christoph Hemlein auf Stephan Loboué zu, machte alles richtig - und schob doch die Kugel am Tor vorbei. Darüber wird keiner mehr reden, warum auch? Der vermeintliche Favorit hat sein Spiel gewonnen, "Auswärtssieg" skandieren die rund 500 mitgereisten Ostwestfalen, also war die Szene des blauen Angreifers nicht entscheidend. Beim Tabellenletzten aber, wenn so etwas passiert, wird zwangsläufig die Qualitätsfrage gestellt. Anders formuliert: "Wenn du hinten drin stehst, bist du der Depp", sagt ein Fan zu Schmid.

Konkurrenz punktet munter

Vor wenigen Monaten noch schien es, als könnte für Benedikt Schmid der Knoten platzen: Im Sommer, als er im ersten Heimspiel gegen Duisburg gleich traf, war die Welt für den Waldkirchener und den Jahn noch in Ordnung. 18 Spieltage später steht Rotweiß fünf Punkte vom rettenden Ufer entfernt auf Platz 20. Die Mitbewerber um die Abstiegsplätze punkten munter - Dortmund holt ein 1:1 in Dresden, Köln gewinnt 1:0 in Wiesbaden, Großaspach 1:0 gegen Chemnitz - und der zweite Trainer in dieser Saison soll nun die Kastanien aus dem Feuer holen. Am kommenden Samstag etwa, 14 Uhr, bei der Fortuna aus Köln (13./22 Punkte).
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