Josph und Georg Ratzinger feier 65. Priesterjubiläum
Im Auftrag des Herrn

Papst Benedikt XVI. (rechts) mit seinem Bruder Georg Ratzinger im Garten seines Privathauses im Regensburger Vorort Pentling. Beide sind seit 65 Jahren katholische Priester. Bild: dpa
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Regensburg
28.06.2016
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Joseph Ratzinger (linkes Bild, rechts) und sein Bruder Georg halten am 8. Juli 1951 in der Traunsteiner Stadtpfarrkirche St. Oswald ihre Primiz. Am 29. Juni 1951 legte Kardinal Michael Faulhaber (rechtes Bild) Joseph Ratzinger im Freisinger Mariendom die Hände auf. Bild: Erzbistum München/dpa

"Es ist gut so", dachte sich der spätere Papst Benedikt XVI., als er vor 65 Jahren zum Priester geweiht wurde und just in dem Moment ein Vogel im Dom zu zwitschern begann. Nun feiert Joseph Ratzinger das seltene Jubiläum in Rom. Dabei kommt es zur Begegnung zweier Päpste.

Rom/Regensburg. Eigentlich wollten beide Brüder nicht feiern. "Das 65. Priesterjubiläum ist ein Tag des Dankes und der Freude, kein Tag zum Feiern", sagt Georg Ratzinger. Doch Papst Franziskus sieht es anders und feiert mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. an diesem Dienstag im Vatikan das seltene Jubiläum. Beide Ratzinger-Brüder, der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen und der vor drei Jahren zurückgetretene Papst mit dem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger, wurden am 29. Juni 1951 im Freisinger Mariendom zu Priestern geweiht.

Brüder als Priester


Nur selten fühlt sich ein Brüderpaar gemeinsam berufen für das Priesteramt. Dass der heute 92-jährige Georg und der drei Jahre jüngere Joseph Ratzinger dann auch noch an ein und demselben Tag miteinander die Weihe empfingen, ist noch außergewöhnlicher. Obwohl: Am Samstag wurden in Regensburg zwei 53-jährige Zwillingsbrüder als Spätberufene ebenfalls zu Priestern geweiht. Papst wird wohl keiner von ihnen werden, und Leiter eines weltberühmten Knabenchores auch nicht. Denn das ist das wirklich Besondere an den Ratzinger-Brüdern: Jeder hat auf seine Weise Karriere gemacht. Wohin es beide zog, zeichnete sich bereits in der Schule ab. Im Traunsteiner Knabenseminar, einem Internat für Priesteranwärter, hatten die Brüder Spitznamen. Joseph war der Bücherratz, weil er sich schon damals in jeder freien Minute in dicke Wälzer vertiefte, der ältere Bruder hieß Orgelratz, weil er nicht vom Harmonium oder der Orgelbank wegkam.

Bücher- und Orgelratz


Georg Ratzinger studierte nach der Priesterweihe zusätzlich katholische Kirchenmusik. 1964 wurde er Domkapellmeister in Regensburg und damit Chef der Domspatzen. Das Amt behielt er 30 Jahre. Als er längst im Ruhestand war, holte ihn der Skandal um Misshandlungen und sexuellen Missbrauch bei den Domspatzen ein. Zwar räumte er die eine oder andere Ohrfeige ein, bestritt aber, von Missbrauchsfällen gewusst zu haben.

Die Karriere von Joseph Ratzinger ist bekannt: Mit 32 Jahren Professor für Dogmatik an der Uni Bonn, wenig später Berater des Kölner Kardinals Joseph Frings während des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der aufstrebende Theologe fällt als progressiver Kirchenmann auf. Nach Hochschulstationen in Münster, Tübingen und Regensburg wird er 1977 Münchener Erzbischof und noch im selben Jahr Kardinal. Fünf Jahre später macht ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Glaubenskongregation und zu seinem engsten Mitarbeiter. Am 19. April 2005 wählen die Kardinäle Joseph Ratzinger zum Papst. Am 28. Februar 2013 gibt er das Amt auf.

Zeichen bei Priesterweihe


Auf seine Priesterweihe hat der heute zurückgezogen lebende emeritierte Papst einen verklärten Blick: "Man soll nicht abergläubisch sein. Aber als in dem Augenblick, in dem der greise Erzbischof mir die Hände auflegte, ein Vöglein - vielleicht eine Lerche - vom Hochaltar in den Dom aufstieg und ein kleines Jubellied trällerte, war es mir doch wie ein Zuspruch von oben: Es ist gut so, du bist auf dem rechten Weg", schrieb er in seinen 1998 erschienenen Erinnerungen "Aus meinem Leben".

Georg Ratzinger wird nicht zu der Feier mit zwei Päpsten nach Rom fliegen. Er ist fast vollständig erblindet und hat Probleme mit dem Gehen. Doch auch er erinnert sich noch genau an seine Priesterweihe: "Das ist ein Tag von ganz besonderem Gewicht, der für das ganze Leben entscheidend ist." 42 Männer wurden an jenem 29. Juni 1951 von Kardinal Michael Faulhaber zu Priestern geweiht. Zehn von ihnen leben noch.

Beide Brüder sehen sich auch im hohen Alter regelmäßig in Rom. Vor der Wahl zum Papst kam der damalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger mehrmals im Jahr nach Regensburg. Bei seiner Visite in Bayern im Herbst 2006 besuchte Benedikt XVI. seinen Bruder in dessen Haus - zum letzten Mal, wie er damals sagte. Der nächste Besuch von Georg Ratzingers beim "Papa emeritus" im idyllischen Kloster "Mater Ecclesiae" ist im August eingeplant, wie der ältere der Priester-Brüder verrät.
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