Kardinal Gerhard Ludwig Müller in Regensburg
Umstrittene Papst-Rede als "prophetisch" gelobt

Kardinal Gerhard Ludwig Müller (Vierter von rechts) inmitten von Ehrengästen an seiner früheren Wirkungsstätte, dem Regensburger Dom. Bild: gib
Vermischtes
Regensburg
14.09.2016
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Für wütende Proteste in der islamischen Welt hatte im September 2006 die sogenannte Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. gesorgt. Zehn Jahre später lobte Kardinal Gerhard Ludwig Müller die Papstworte am Dienstagabend im Regensburger Dom als "Beitrag zum Dialog der Kulturen".

Es war eine Textstelle mit 33 Worten, die vor zehn Jahren die Gemüter erhitzte. "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten", hatte der Papst damals einen byzantinischen Kaiser zitiert. Dass das Zitat eingebettet war in eine umfassende Reflexion über Glaube und Vernunft, nutzte nichts.

Die Reaktionen in einigen muslimischen Ländern waren heftig: Es kam zu Protesten, teils zu gewaltsamen Ausschreitungen. Als in Somalia eine Ordensfrau erschossen wurde, vermuteten manche einen Racheakt. Kardinal Müller bedauerte, dass hier ein Gedanke aus dem Zusammenhang gerissen worden sei. Bei der Rede von Papst Benedikt habe es sich um eine "Sternstunde der großen deutschen Universitätstradition" gehandelt, die mit "prophetischer Kraft" Gesellschaftskrise und Terrorismus beleuchtete. Die Ansprache sei ein "Manifest des Dialogs der Kulturen und Religionen aufgrund der Vernunft" gewesen. 138 islamische Gelehrte hätten in einem offenen Brief das Angebot des Dialogs angenommen - Müller zufolge ein "historisches Ereignis angesichts der konfliktreichen Geschichte von Islam und Christentum, das positiv von der Vorlesung ausgelöst wurde".

Scharf verurteilte Müller die Anschläge, die Terroristen im Namen Allahs verübten. Den Terroristen wolle er entgegensetzen, "es ist doch nicht Gott, der euch sagt, die 'Ungläubigen' zu töten, sondern die Stimme des Teufels, die ihr in euch hört." Der Kardinal ging aber auch hart mit dem westlichen Verhältnis zu Religion ins Gericht. Wenn der Westen seine eigene Abwendung von Gott anderen Kulturen auferlegen wolle, dann spiele er damit nur den Extremisten in die Hände, sagte der Kardinal.
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Angelika Oetken aus Regensburg | 14.09.2016 | 23:20  
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