Krankenstand extrem hoch
Pflegekräfte müssen gepflegt werden

Zum Thema Pflege tauschten sich bei der Frühjahrstagung des Bayerischen Heilbäder-Verbandes (von links) BHV-Vorsitzender Klaus Holetschek, Bundes-Pflegebeauftragter Karl-Josef Laumann, die Bad Reichenhaller Kurdirektorin Gabriella Squarra und der BPA-Landesgeschäftsführer Joachim Görtz aus. Bild: Gibbs
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Regensburg
06.05.2016
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Die Menschen werden immer älter, gut ausgebildetes Pflegepersonal ist heiß begehrt. Doch der Krankenstand unter den Pflegern ist extrem hoch. Ein Modellprojekt prüft, wie die wertvollen Fachkräfte durch Präventionsaufenthalte langfristig im Dienst gehalten werden können. Die bayerischen Heilbäder sehen die Chance für ein neues Geschäftsmodell.

Seelische Belastung


"Laut AOK-Pflegereport ist der Krankenstand der Beschäftigten in bayerischen Pflegeheimen um mehr als 40 Prozent höher als der Durchschnitt der Beschäftigten aller Branchen", sagte Klaus Holetschek, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes (BHV), am Rande einer Tagung in Regensburg. In einer wissenschaftlichen Studie lasse der BHV deshalb in Kooperation mit dem Bundesverband privater Anbieter für soziale Dienste (BPA) untersuchen, wie man der seelischen und körperlichen Belastung von Pflegekräften entgegenwirken kann.

Ziel des Projekts, an dem die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sowie das Kurbad Reichenhall beteiligt sind, ist ein wissenschaftlich evaluiertes, mehrtägiges Präventionsprogramm für Pflegekräfte. "Unsere Heilbäder und Kurorte bieten als Gesundheits-Kompetenzzentren die idealen Voraussetzungen dafür", meinte Holetschek. Für die Heilbäder steckt freilich auch ein wirtschaftliches Interesse dahinter. Seit Jahren beklagen sie den Rückgang von bewilligten Kuren. Für BPA-Landesgeschäftsführer Joachim Görtz ist es wiederum Pflichtaufgabe für die Pflegeeinrichtungen, sich für die Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter einzusetzen. "Die Mitarbeiter sind unser Kapital, hier ist jeder Euro gut angelegt." Deshalb würden die Anbieter in dem Präventionsprojekt auch in Vorleistung gehen. Mittelfristig strebe man aber eine Zertifizierung an, die die Grundlage für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse sei.

"Wo kriegen wir in Zukunft die Pflegekräfte her?" Diese Frage bereitet Karl-Josef Laumann (CDU), Pflegebeauftragter der Bundesregierung, am meisten Kopfzerbrechen. Zum einen müsse der Pflegeberuf attraktiver werden, sagte Laumann in Regensburg. Zum anderen müsse die Verweildauer im Beruf länger werden. Daher begrüßte Laumann das Präventionsprojekt von BHV und BPA ausdrücklich.

Pflege daheim verbessern


Und er hat noch eine Gruppe im Blick: die Menschen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause versorgen. Immerhin zwei Drittel der 2,6 Millionen Pflegebedürftigen würden daheim von ihrer Familie betreut. Durch die beiden Pflegestärkungsgesetze habe sich die Situation der pflegenden Angehörigen zwar bereits verbessert, etwa durch die Erhöhung der Leistungsbeträge und den zusätzlichen Anspruch auf Tages- und Nachtpflege. Für die Rehabilitation der Angehörigen müsse aber noch an individuell passenden Angeboten gearbeitet werden, räumte Laumann ein.
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