Leiter der Bistums-Kunstsammlung geht in Ruhestand
Bewahren und Vermitteln

Vermischtes
Regensburg
01.08.2016
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Hermann Reidel, der Leiter der Bistums-Kunstsammlungen, geht nach 35 Jahren in Regensburg in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin ist eine Oberpfälzerin.

Die Schlange von Weggefährten, die Hermann Reidel (65) zum Abschied persönlich die Hand schütteln wollten, nahm kein Ende. So begann die offizielle Verabschiedungsfeier mit 300 Gästen im Innenhof des Museums Obermünster am Freitagabend erst mit Verspätung. Eine "unglaubliche Schaffenskraft" attestierte Generalvikar Michael Fuchs dem nach 35 Jahren scheidenden Reidel. Das spiegle sich sowohl in den 150 Ausstellungen, die Reidel initiierte und begleitete, als auch in dessen zahlreichen Veröffentlichungen wider. Weit über das Bistum und Bayern hinaus sei der versierte Kunsthistoriker als Experte gefragt. Fuchs betonte, dass christliche Kunst nicht dazu geschaffen sei, um in einem Depot zu landen, sondern vielmehr, um Menschen zum Nachdenken über ihr Tun anzuregen.

"Die Kunst in den Dialog zu stellen, haben Sie zu Ihrer Aufgabe gemacht", wandte er sich an Reidel. Der Generalvikar erinnerte unter anderem an die Neugestaltung des Domschatzes und die Wiedereröffnung des "documents niedermünster", die in die Amtszeit Reidels fielen. Als "warmherzigen Chef" bezeichnete Reidels Stellvertreter Dr. Friedrich Fuchs den scheidenden Vorgesetzten. Als versierter Museumsmann sei Reidel ein "Glücksfall" gewesen. Reidel habe die Büros stets mit moderner Technik ausgestattet, die Digitalisierung der Kunstwerke vorangetrieben und seine persönliche Vorliebe fürs "Netzwerken" zum Vorteil der Sammlung eingebracht.

Im Glauben verwurzelt


Monsignore Dr. Werner Schrüfer, Kirchenseelsorger und Abteilungsleiter für Kunst, Kirchenmusik und Liturgie, bezeichnete Reidel als einen "Mann, der fest im christlichen Glauben verwurzelt ist". Als Kunsthistoriker und Museumsleiter habe er sich dem Bewahren, Sammeln und Vermitteln verschrieben - und sich gegen das Credo "Schmeißt das alte Zeug doch weg" behauptet. Er habe dafür gesorgt, dass die Kunstsammlung so manche historische Kostbarkeit erwarb, aber auch dafür, dass zeitgenössische Kunst dazukam.

Die Nachfolge Reidels tritt zum 1. August Maria Baumann an, langjährige Mitarbeiterin der Diözesanmuseen. Die studierte Kunst-, Kultur- und Religionswissenschaftlerin, geboren 1965 in Neukirchen b. hl. Blut, ist damit die dritte Frau im Leitungsstab von Bischof Rudolf Voderholzer.

Hermann ReidelDer gebürtige Regensburger studierte Kunstgeschichte, urgeschichtliche Archäologie und Geografie in seiner Heimatstadt und Freiburg. Nach der Promotion arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Landesdenkmalamt in Stuttgart, bevor er 1981 bischöflicher Konservator in Regensburg wurde. Seit 1986 ist er Leiter der Kunstsammlungen im Bistum. (gib)
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