Leserbrief zum Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen
Tätige Reue von Bischof Voderholzer: Wie reagiert sein Amtsvorgänger?

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Regensburg
18.10.2016
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Das Aufarbeitungs-Gremium hat in seiner jüngsten Pressekonferenz ein Ergebnis vorgestellt, das sich sehen lassen kann. Wollte bisher von kirchlicher Seite niemand zur Opfer-Rehabilitation etwas sagen, gibt es jetzt ein schlüssiges Konzept.

Auch wurde durch die Berufung von unabhängigen kriminologischen und historischen Kommissionen sichergestellt, dass der öffentliche Informationsanspruch effektiv beantwortet werden wird. Für den amtierenden Bischof Voderholzer ergibt sich daraus ein weiterer Vorteil: Seine tätige Reue befreit ihn schlagartig vom Schatten seines Amtsvorgängers. Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller will nach amtlichen Angaben seiner Kongregation künftig zum Missbrauchsskandal nichts mehr sagen. Als selbst ernannter Gott-Vater in Sachen Vergangenheitsbewältigung versucht Müller, sich einen Freispruch mangels Beweisen zu erschleichen. Die Gewissensschuld soll sein Nachfolger im Bischofsamt tilgen. Mit der These, mehr als 422 jetzt bekannte Missbrauchsfälle seien "Einzelfälle", begann Müller seinerzeit seine Verteidigung. Jeden Ruf nach Anerkennung kirchlicher Verantwortung charakterisierte er als Christenverfolgung und nannte seine Gegner "Wadenbeisser". Kein Prozess war ihm zu teuer, wenn er sich beleidigt fühlte. Die Beweislast für kirchlich zu verantwortende Untaten hat er den Opfern angelastet, Entschädigungsanträge mit Textbausteinen und Serienbriefen abgelehnt.

Aber Müllers Taktik ist durch Bischof Voderholzers tätige Reue zusammengebrochen. Es könnte trotzdem sein, dass ihn eine oder beide Untersuchungskommissionen für den Aufarbeitungsskandal mitverantwortlich machen. Wir dürfen gespannt sein, ob und wie sich Müller unter medialem oder innerkirchlichem Druck auf das vor ihm aufbereitete Verdachtstableau einlassen wird.

Die Juroren der Untersuchungskommissionen ermitteln neutral und von Amts wegen, haben Akteneinsicht und niemand kann sich vor ihnen nur durch fadenscheinige Ausreden oder durch seine Reputation als hoher Kirchenmann selbst freisprechen.

Alfred Gassner, 93049 Regensburg
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