Mahnmal an ehemaligem KZ-Außenlager in Regensburg vorgestellt
„Offene Wunde geschlossen“

Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs stellte die neuen Gedenkstelen vor. Bild: Gibbs
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Regensburg
22.09.2016
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Es brauchte ein Schulprojekt, um 1983 bekannt zu machen, dass es in Regensburg ein Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg gab. Und es brauchte 33 Jahre Arbeit engagierter und unbequemer Bürger, bis die Stadt ein geeignetes Mahnmal aufgestellt hat.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche provisorische Außenlager des KZ Flossenbürg eingerichtet - eines davon in Regensburg: Im Gasthaus "Colosseum" im Stadtteil Stadtamhof waren von 19. März bis 23. April 1945 insgesamt 460 männliche Häftlinge aus ganz Europa untergebracht - unter katastrophalen Lebensbedingungen. Unter strengster Bewachung mussten sie täglich zwölf Stunden Bombenschäden an Gleisanlagen der Reichsbahn beseitigen. In den fünf Wochen, in denen das Außenlager bestand, starben 40 Gefangene. Nachdem das Lager am 23. April 1945 panikartig geräumt wurde, trieb die SS alle gehfähigen Häftlinge auf einen Todesmarsch Richtung Südosten. Fast 50 entkräftete oder bei Fluchtversuchen aufgegriffene Gefangene wurden erschlagen oder erschossen.

So ist es nun am Brückenkopf der Steinernen Brücke in der Nähe des Colosseums auf zwei Gedenkstelen in deutscher und englischer Sprache nachzulesen. Am Dienstag stellte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) das Mahnmal vor, das in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg entworfen und neben dem bestehenden Gedenkstein errichtet wurde. "Wir wollen damit informieren, mahnen, gedenken und vor allem dazu auffordern, dass wir alles dafür tun müssen, dass sich ein derart schreckliches und unvorstellbares Unrecht nie mehr wiederholt", erklärte der OB.

Ärger wegen Inschrift


"Das ist ein guter Tag für Regensburg, eine offene Wunde des Gedenkens wurde geschlossen", urteilte Hans Simon-Pelanda am Rande der Vorstellung. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg und frühere Lehrer hatte 1983 durch eine Projektarbeit mit einer Regensburger Berufsschule bekannt gemacht, dass im Colosseum eine Außenstelle des KZ Flossenbürg untergebracht war.

Schülerinnen hatten eine Anwohnerin interviewt, die von den Kriegsgefangenen berichtete. Im städtischen Archiv waren bis dahin keinerlei Dokumente zu dem Außenlager zu finden.

Simon-Pelanda machte es sich zur Aufgabe, zu erreichen, dass die Stadt ein entsprechendes Mahnmal am Colosseum aufstellt, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. "Dafür habe ich viele Prügel einstecken müssen", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. 1994 gelang der erste Erfolg: Mit Hilfe der damaligen Oberbürgermeisterin Christa Meier (SPD) wurde ein Gedenkstein für die KZ-Gefangenen des Außenlagers aufgestellt, allerdings nicht vor dem Colosseum, sondern schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Im Jahr 2011 wurde unter der Federführung des städtischen Kulturreferats eine Bodenplatte vor dem Colosseum verlegt. Die Inschrift sorgte allerdings für große Verärgerung. "Unsäglich, falsch und verharmlosend" sei der Text gewesen, urteilt Simon-Pelanda. Unter Wolbergs als Oberbürgermeister wurde die Platte schließlich entfernt. Am Dienstag kündigte Wolbergs an, dass auch eine neue Gedenktafel direkt am Colosseum geplant sei. Der Gebäudeeigentümer habe sein Einverständnis dafür erklärt.
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