Mobile Sonderpädagogen ab September unterwegs
Wenn der Mitschüler Autist ist

Regierungsschuldirektor Manfreds Krigers koordinierte die Qualifizierung der Sonderpädagogen im Bereich Autismus. Bild: gib
Vermischtes
Regensburg
04.08.2016
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Kinder mit autistischen Störungen können eine Schulklasse bereichern, sie aber auch vor Herausforderungen stellen. 15 geschulte Kräfte unterstützen solche Klassen ab dem kommenden Schuljahr in der gesamten Oberpfalz.

Das Spektrum der Kinder mit Autismus ist riesig, erzählt Regierungsschuldirektor Manfreds Krigers im Gespräch mit unserer Zeitung. Da gebe es den sehr begabten Schüler, der am Gymnasium fast unterfordert ist und sich dennoch schwertut, weil er Verhaltensweisen an den Tag legt, die den Lehrer oder die Mitschüler irritieren. Gleichzeitig gebe es autistische Schüler, die zusätzlich mehrfach behindert sind und große Schwierigkeiten haben, zu lernen. "Da braucht man einen guten Blick, der geschult sein muss", sagt Krigers.

Genau dafür hat die Regierung der Oberpfalz in den vergangenen vier Monaten 15 Lehrer der Sonderpädagogik für den Bereich Autismus-Spektrum-Störung (ASS) weitergebildet. Sie werden künftig für den Mobilen Sozialpädagogischen Dienst (MSD) überall im Bezirk unterwegs sein. "Es gibt keinen weißen Fleck mehr in der Oberpfalz", betont Krigers. Für Schwierigkeiten im Umgang wollen die Experten ganz praktische Lösungen finden. Wenn einem autistischen Schüler während einer Einzelarbeit die Konzentration schwerfällt, kann zum Beispiel eine reizärmere Umgebung für ihn geschaffen werden, indem er auf eine Wand blickt. "ASS ist eine tiefgehende Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns", erklärt Krigers. Während er das sagt, steht der Regierungsschuldirektor auf und schließt das Fenster, um den Baulärm, der an der Regierung der Oberpfalz herrscht, zu dämpfen. "Baulärm etwa können die Betroffenen schwer ausschalten, sie würden dann nicht mehr mitkriegen, was der Lehrer vorne an der Tafel macht", hat er gleich ein Beispiel parat. Schüler mit ASS können Dinge oft schnell erfassen, aber sie nicht mitteilen. Hilfreich seien auch bebilderte Wochen- oder Tagespläne: "Wenn sie wissen, was auf sie zukommt, fühlen sie sich sicherer."

110 Kinder mit ASS werden derzeit quer durch alle Schularten in der Oberpfalz unterrichtet. Wichtig ist Krigers, dass es sich nicht um "Problemkinder" handelt. "Das sind spannende Kinder, die das Leben bereichern können, weil sie auf Dinge hinweisen, die wir nicht sehen", sagt er. Wie die Klassen reagieren, sei unterschiedlich und komme auf die Ausprägung der Störungen, aber auch auf die Rolle des Lehrers an, berichtet der Regierungsschuldirektor. Ein echoartiges Nachplappern oder das Wedeln mit den Armen, das für Autisten typisch ist, könnten die Klassenkameraden irritieren. Hier helfe ein "aufklärendes Klassengespräch." Krigers ist überzeugt: "Im besten Fall profitieren alle."

Autisten-FörderungKinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS), so der Fachbegriff, gab es an den Schulen schon immer. Früher galten sie einfach als "schwierige Schüler", heute wird versucht, auf ihre Bedürfnisse und Begabungen einzugehen - im Sinne der Inklusion wenn möglich an einer Regelschule. (gib)
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