Namensforscher an der Uni Regensburg
Hackl und Huber

Viele Nachnamen haben eine ganz eigene Herkunftsgeschichte, die nicht immer auf den ersten Blick erkennbar ist. Bildmontage: Götz
Vermischtes
Regensburg
29.04.2016
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Schneider, Klein, Müller oder Lahm - der eigene Name bedeutet Identifikation. Wo dieser herkommt und was er eigentlich bedeutet, ergründet die "Forschergruppe Namen" der Universität Regensburg. Nicht nur für Familien.

"Die meisten Nachnamen lassen sich durch eine von drei Möglichkeiten erklären", erläutert Professor Roswitha Fischer von der Forschergruppe. Ein Weg führe über den Beruf. "Schneider", "Müller" oder auch "Fischer" sind Namen, die früher auf die Tätigkeit ihres Trägers schließen ließen und dann über Generationen weitervererbt wurden. Weniger klar erkennbar ist dagegen die Herkunft von "Huber". Der Name bezeichnete früher einen Bauern, der eine ganze Hube Ackerland besaß. Die Endung "er" zeigt, es handelt sich um eine Person.

Nicht immer positiv


Ebenfalls nicht eindeutig ist die Herkunft von "Schink". "Die Bezeichnung leitet sich vermutlich von Schinken ab", fährt Fischer fort. Das wiederum könne ein Hinweis darauf sein, dass der erste Träger mit eben jenem zu tun hat. "Er war vermutlich Metzger." Oder aber, der oder die erste "Schink" aß einfach gerne Schinken oder hatte dicke Schenkel. "Eine andere Ableitungsmöglichkeit für Nachnamen ist nämlich eine bestimmte Eigenschaft." "Klein" ist ein solcher Name, ebenso wie "Groß" oder "Lahm". Die Beispiele zeigen: Ein Nachname muss sich nicht immer auf etwas Positives beziehen.

Der dritte Weg, wie Namen entstanden sind, ist über die geografische Herkunft des Bezeichneten. Länder, Ortschaften oder auch einzelne Häuser wurden schnell zu einem Teil des Namens, erläutert Professor Albrecht Greule, der die Forschergruppe 1998 gründete. "Sendlinger" sei ein solcher Name. Er verweist auf den gleichnamigen Münchener Stadtteil.

Ebenso lassen sich einige Endungen einer bestimmten Region zuordnen: "l" ist typisch für Bayern. "Es zeigt an, dass jemand der Jüngere ist", erklärt Greule. Der "Hackl" ist also der Sohn oder Enkel vom "Hack", der wiederum Metzger oder Fleischhauer ist. "le" am Ende verweist auf einen Ursprung in Schwaben, "lein" auf die Region Nürnberg.

Die Bestimmung der Herkunft eines Nachnamens ist allerdings nicht immer einfach. "Oft gab es verschiedene Schreibweisen für einen Namen", erläutert Greule. In Pfarrämtern, die damals für die Registrierung der Personen zuständig waren, sei ein Name so geschrieben worden, wie er gesprochen wurde oder wie der dortige Erfasser die richtige Schreibweise vermutete. Unter anderem aus diesem Grund sind nicht immer eindeutige Ergebnisse möglich. "Dazu müssten wir dann Ahnenforschung betreiben."

Greule legt zudem Wert darauf, dass die Forschergruppe eine wissenschaftliche Namenberatung anbiete. Übrigens nicht nur für Nach-, sondern auch für Gewässer- oder Ortsnamen. Die Gruppe setzt sich aus zahlreichen Wissenschaftlern der Universität Regensburg zusammen, die nicht nur beraten, sondern auch selbst forschen und ihr Wissen an Studenten weitergeben. Zudem hat die Gruppe einige korrespondierende Mitglieder im In- und Ausland. Die ziehen die Regensburger zu Rate, wenn eine überregionale Zusammenarbeit sinnvoll ist. Das ist der Fall, wenn die Forscher einen Ursprung im Nachbarland vermuten.

Seit dem Mittelalter


Die ersten Vorläufer unserer Nachnamen wurden, wie Fischer erklärt, schon im Mittelalter vergeben. Mit zunehmendem Bevölkerungswachstum sind sie immer mehr geworden. "Irgendwie mussten sich schließlich die zahlreichen Peters oder Annas in den einzelnen Ortschaften unterscheiden."

Diese Beinamen verfestigten sich weiter zu unseren heutigen Nachnamen. 1876 wurde in Deutschland schließlich das Standesamt eingeführt. Nachnamen wurden schriftlich fixiert, wodurch ihr Jahrhunderte dauernder Entwicklungsprozess sein Ende fand. "Es entstehen heute keine neuen mehr", erklärt Greule. Eine Ausnahme, wie noch neue Nachnamen entstehen könnten, sei allerdings die Migration.

NamensforschungUrsulapoppenricht

Der Ortsname "Ursulapoppenricht" (Gemeinde. Hahnbach, Kreis Amberg-Sulzbach) setzt sich aus Ursula und Poppenricht zusammen. Um den Ort vom nicht weit entfernten Michaelspoppenricht, jetzt Poppenricht, zu unterscheiden, wurden vor den eigentlichen Ortsnamen die Namen der Kirchenpatrone Ursula und Michael gesetzt.

Der Name Poppenricht erklärt sich durch die Mundart Bobmried sowie die historische Nennung - zum Beispiel "Popenriede" im Jahr 1519. Dabei handelt es sich um eine Zusammensetzung des mittelhochdeutschen "riet", was "durch Rodung fruchtbar gemachtes Land" bedeutet, mit dem altdeutschen Personennamen "Poppo" (im Genitiv "Poppen"). So wurde der erste Siedler auf dem gerodeten Landstück bezeichnet. Poppenricht bedeutete also ursprünglich "Siedlung des Poppo auf gerodetem Land". Der Familienname "Popp" ist vermutlich ebenfalls darauf zurückzuführen.

Die Besonderheit am Namen "Ursulapoppenricht" ist die offizielle, in der Amtsstube erfundene Schreibform mit der Endung "-richt" anstatt "-riet". Das hängt damit zusammen, dass man dort - in Kenntnis der nordbairischen Mundart ("nicht" wird zu "niet") - geglaubt hatte, mundartlich "-riet" sei aus "-richt" entstanden, und Poppenriet demnach in Poppenricht "verbesserte". (ehi)


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