Neue Regeln für Maibaum-Klau
Diebe obenauf

Die Thansüßer Kirwaburschen präsentieren stolz ihre Beute. Bild: hfz
Vermischtes
Regensburg
27.04.2016
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Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU): "Künftig ist weder eine Genehmigung noch eine Erlaubnis erforderlich, wenn vor und hinter dem Zug die entsprechenden Straßen ordnungsgemäß durch Polizei, Feuerwehr oder THW freigehalten werden."

Selbst für den Diebstahl eines Maibaums benötigt man eine Genehmigung - jetzt nicht mehr. Die Staatsregierung will Brauchtum entbürokratisieren. Was bedeutet das in der Praxis?

Der April ist die Hochsaison für Maibaum-Diebe. Sie legen sich auf die Lauer, um in geheimer, oft nächtlicher Aktion den Maibaum aus einer Nachbargemeinde zu stehlen. Was vielen von ihnen wohl nicht bewusst ist: Für den Abtransport des Maibaums war bisher eigentlich ein bürokratischer Genehmigungsprozess nötig. Der fällt jetzt weg.

"Künftig ist weder eine Genehmigung noch eine Erlaubnis erforderlich, wenn vor und hinter dem Zug die entsprechenden Straßen ordnungsgemäß durch Polizei, Feuerwehr oder THW freigehalten werden", ließ Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) jüngst per Pressemitteilung vermelden. Bislang seien zum Teil mehrere Erlaubnisse für die besondere Nutzung der Straße sowie der landwirtschaftlichen Fahrzeuge beim Transport von Maibäumen erforderlich gewesen.

Weniger Bürokratie


Die Entscheidung ist laut Huber Teil einer Entbürokratisierungs-Offensive der Staatsregierung für das Ehrenamt. Um die Organisation von Vereinsfesten zu erleichtern, sollen bestehende Abläufe und staatliche Vorgaben unter die Lupe genommen und unnötige Hemmnisse abgestellt werden. Denn: "Wenn die Anforderungen für Genehmigungen, Rahmenbedingungen und Vorkehrungen zu hoch sind, steigt das Frustpotenzial. Und Frust ist natürlich Gift für jedes Ehrenamt." Der Oberpfälzer Bezirksheimatpfleger Tobias Appl begrüßt die Lockerung. "Es ist immer gut, wenn Bürokratie wegfällt", sagt er. Das Brauchtum rund um den Maibaum sei in der Oberpfalz - wie im restlichen Bayern - tief verwurzelt. Die Zeremonien würden vom Fällen des Baumes über das Bewachen, das Klauen, das Auslösen und schließlich das feierliche Aufstellen reichen. Wegen des Aufwandes und der strengen Regeln stelle so manche Gemeinde aber mittlerweile Maibäume aus Aluminium auf. Für Appl ist eine "gewisse Spontanität" im Brauchtum notwendig, die Ehrenamtlichen sollten nicht zu sehr durch Auflagen getriezt werden. Er verstehe aber auch die Behörden, die bei Sicherheitsfragen keine Kompromisse eingehen können, betont Appl.

Für die Polizei sind illegale Maibaum-Transporte bislang kein großes Thema. Albert Brück, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, kann sich an keinen Fall erinnern, bei dem der Transport eines geklauten Baums wegen mangelnder Genehmigung gestoppt wurde. Gehört hat er hingegen von Strafanzeigen, die beklaute Vereine im Nachgang wegen des Verlusts des Baumes gestellt haben - allerdings waren das Fälle außerhalb der Oberpfalz.

Leck befürchtet


Inwiefern die Lockerung der Staatsregierung an der gängigen Praxis des Maibaum-Stehlens wirklich etwas ändert, ist fraglich. "Wir haben noch nie eine Genehmigung für den Transport eingeholt", erzählt ein Mitglied einer Oberpfälzer Kirwa-Gruppe im Gespräch mit unserer Zeitung. Der bürokratische Akt wäre zu aufwendig - und die Gefahr, dass vor dem Maibaum-Diebstahl etwas durchsickert, zu groß. "Es geht schließlich um eine geheime Aktion."

Dennoch ist der Gruppe die Sicherheit wichtig: In der Vergangenheit sicherte sie den Transport gestohlener Maibäume mit privaten Fahrzeugen mit eingeschalteter Warnblinkanlage vor und hinter dem Zug ab. Auch eine kurzfristige Straßensperre mit dem Privatauto kam schon mal vor. Nicht ganz legal, weiß auch das Kirwa-Mitglied. Aber für "Jux und Tollerei" das Feuerwehrfahrzeug der Gemeinde anzufordern, das dann für einen ernsthaften Einsatz fehlt, hält er auch für den falschen Weg.

Wie viel Zusammenhalt die Tradition des Maibaum-Klauens bewirkt, berichtet Andreas Luber von den Thansüßer Kirwaleit (Kreis Amberg-Sulzbach). "Drei, vier Jahre haben wir nix erwischt", erzählt er. Jüngst gelang es der 15-köpfigen "Diebes"-Gruppe dann, sich den Maibaum des Oberpfälzer Waldvereins (OWV) im benachbarten Etzenricht (Kreis Neustadt/WN) unter den Nagel zu reißen.

Bei der Auslösefeier sei der Ärger bei den Beklauten bereits verraucht gewesen, erzählt Luber. Gemütlich saßen Jung und Alt bei Brotzeit und Bier am Feuer zusammen.

Künftig ist weder eine Genehmigung noch eine Erlaubnis erforderlich, wenn vor und hinter dem Zug die entsprechenden Straßen ordnungsgemäß durch Polizei, Feuerwehr oder THW freigehalten werden.Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU)


Der 1. MaiSpätestens bei den Feiern am 1. Mai holen die Burschen in Bayern ihre kurze Lederhose aus dem Schrank, und die Frauen ziehen das Sommerdirndl an. Das Aufstellen eines neuen Maibaums zählt zu den großen Festen. Je kleiner das Dorf, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Maibaum nach alter Tradition mithilfe von Stangen aufgerichtet wird, das Ganze allein mit Muskelkraft. Immer öfter übernimmt aber ein Kran das Aufstellen.

Natürlich wird anschließend gefeiert. Mit dem Maitanz klingt das Fest aus. Die Wurzeln des Brauchtums liegen im Dunkeln. "Schriftliche Quellen gibt es seit der Barockzeit", weiß Oberbayerns Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler. "Vermutlich haben sich die Zünfte und Handwerkergruppen gerne mit solch einem geschmückten Baum dargestellt." Ob der Brauch auf die Fruchtbarkeitsrituale und Baummysterien der Kelten zurückgeht, will Göttler der Deutung jedes Einzelnen überlassen. Der 1. Mai ist als Tag der Arbeit in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Die Gewerkschaften nutzen ihn, um auf die Rechte der Arbeiter aufmerksam zu machen. Am 1. Mai beginnt aber auch der Marienmonat. In den katholischen Kirchen werden die ersten Mai- andachten gefeiert. (dpa)
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