Neuer Schönwerth-Märchenpfad: Rundweg beim Walderlebniszentrum Sinzing
Märchen als Wegweiser

Vermischtes
Regensburg
28.11.2014
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Eine Sammlung mit 500 über Jahrhunderte verschollenen Märchen dokumentiert die Leistungen des Heimatforschers Franz Xaver von Schönwerth. Selbst die Gebrüder Grimm lobten seine Arbeit. Kürzlich wurde am Ortsrand von Regensburg der erste Schönwerth-Märchenpfad eröffnet. Kosten des Projekts: 100 000 Euro.

Dieser Märchenpfad ist das bisher ehrgeizigste Projekt der Schönwerth-Gesellschaft, mit finanziert unter anderem aus dem Leader-Programm, dem bayerischen Kulturfonds, dem Landratsamt Regensburg und der Gemeinde Sinzing. Auf diesem Rundweg beim Walderlebniszentrum Sinzing werden schwerpunktmäßig sieben Schönwerth-Märchen zum Thema Wald, Natur und Umweltschutz hautnah erlebbar gemacht. Vor allem soll er auch den Märchen von Schönwerth den Weg in die breite Öffentlichkeit ebnen.

"Nirgendwo umsichtiger"

Die Märchensammlungen der Gebrüder Grimm sind weltberühmt. Was bisher kaum bekannt war: In der Oberpfalz und später in München sammelte der Volkskundler, Sprachforscher, Märchen- und Sagensammler Franz Xaver von Schönwerth etwa zur selben Zeit wie die Grimm-Brüder Märchen vor allem aus dem ostbayerischen Raum. "Nirgendwo in ganz Deutschland ist umsichtiger, voller und mit so leisem Gehör gesammelt worden", schrieb Jacob Grimm über Schönwerth 1858. 500 Märchen, von Schönwerth aus mündlicher Überlieferung aufgezeichnet und seither weitgehend unbearbeitet, hat die Regensburgerin Erika Eichenseer in den letzten Jahren im Archiv des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg gesichtet und in einer Auswahl von 136 Märchen in dem Buch "Franz Xaver von Schönwerth: Prinz Roßzwifl und andere Märchen" der Öffentlichkeit präsentiert.

Zeitgenosse der Grimms

Seit fünf Jahren bemüht sich die Schönwerth-Gesellschaft mit einer Fülle von Veranstaltungen und Aktionen die Leistungen, vor allem aber auch das Werk des 1886 gestorbenen bayerischen Märchenforschers Franz Xaver von Schönwerth, einer breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen und Schönwerth zu später Anerkennung zu verhelfen.

Schönwerth lebte zwischen 1810 und 1886 und war Zeitgenosse der Gebrüder Grimm. Geboren in Amberg, der damaligen Hauptstadt der Oberpfalz, war er ab 1845 Privatsekretär des Kronprinzen Maximilian und später nach dessen Thronbesteigung ab 1848 sein Kabinettschef. Seine gesamte Freizeit widmete er dem Sammeln bis dahin mündlich überlieferter Märchen und Sagen.

Für Erika Eichenseer, Ehefrau des früheren Oberpfälzer Bezirksheimatpflegers Adolf Eichenseer, liegt die Besonderheit von Schönwerths Aufzeichnungen in ihrer Genauigkeit, Lebendigkeit und Frische: Der Oberpfälzer habe ohne Beschönigung aufgezeichnet, was ihm die Menschen der Region an mündlich überlieferten Märchen erzählten.

Der neue Märchenpfad soll Kindern wie Erwachsene einen Einblick in den Mythos "Oberpfälzer Märchen und Sagen" geben. "Er soll die Phantasie anregen und dabei über emotional-mentales Erkennen, Verstehen, Interpretieren zu eigenem kreativen Tun führen", sagt Dr. Adolf Eichenseer, Präsident der Gesellschaft. Die Anwendung der aus den Märchen gewonnenen Lehren auf das eigene Leben seien dabei weiter greifende Ziele.

Eine Angst-Doku

"Diese Schönwerth-Märchen dokumentieren die Ängste und Entwicklung der Menschen über die Jahrhunderte hinweg. Die sind keine Kinderunterhaltung", sagt Erika Eichenseer.

Der Hauptzweck dieser oft drastisch überzeichneten Erzählungen sei es gewesen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden zu helfen, ihnen zu zeigen, dass Gefahren und Herausforderungen durch Charakterstärke, Klugheit und Mut überwunden werden können", sagt die Heimatforscherin.
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